Die neuen chinesischen Besitzer des New Yorker Luxushotels Waldorf Astoria bekommen derzeit die Auswirkungen der angeschlagenen Beziehungen zwischen den USA und der Volksrepublik zu spüren.

Jahrzehntelang hatte sich das US-Aussenministerium während der UN-Generalversammlungen in dem Art-Deco-Hotel einquartiert. In diesem September wird es jedoch ins nahegelegene New York Palace Hotel wechseln, wie ein Vertreter der US-Regierung gegenüber Bloomberg bestätigte.

Angst vor Spionage?

Der Schritt wurde erwogen, seitdem die Hotelkette Hilton das Waldorf Astoria im Jahr 2014 für 1,95 Milliarden Dollar an die chinesische Anbang Insurance Group mit Sitz in Peking verkauft hatte.

Offiziell verkündet wurde die Entscheidung bislang noch nicht. Der Regierungsvertreter, der namentlich nicht genannt werde wollte, machte keine Angaben dazu, ob der Schritt etwas mit der Angst vor Spionage zu tun hat. «Es ist stets ein Privileg, Repräsentanten des US-Aussenministeriums beherbergen zu dürfen. Und wir hoffen auf eine Gelegenheit, bei der wir sie im Waldorf Astoria New York wieder begrüssen dürfen», erklärte das Hotel.»

US-Geheimdienst sorgt sich

Derzeit überlegen die USA, wie sie auf einen der grössten Hackerangriffe auf die Regierung - der ihren Angaben zufolge aus China heraus erfolgte - reagieren sollen.

Der US-Geheimdienst äusserte Sorgen, dass die Chinesen bei der geplanten Renovierung des Hotels womöglich Abhörtechnologie einbauen - so wie das schon bei chinesischen Hotels der Fall sei. Diese Bedenken wurden jüngst weiter verstärkt, als bekannt wurde, dass Israel bei den Atomgesprächen in Hotels in Genf und Wien mitgehorcht hatte.

Barack Obama Stammkunde im Waldorf Astoria

Ein Sprecher des Weissen Hauses wollte auf Nachfrage von Bloomberg nicht sagen, ob auch Präsident Barack Obama künftig einen Bogen um das Hotel machen wird. In dem Hotel war jeder Präsident seit Herbert Hoover abgestiegen.

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Das 1232 Zimmer umfassende Luxushotel war ursprünglich im Jahr 1893 von William Waldorf Astor gebaut worden - dem einzigen Kind des Finanzmoguls John Jacob Astor III.

Ab 1999 Dollar pro Nacht

Zu den Gästen der geräumigen Präsidenten-Suite, die ab 1999 Dollar pro Nacht zu haben ist, zählten über die Jahre Nikita Khrushchev und Charles de Gaulle. Zur Ausstattung der Suite gehören Möbel, die von US-Präsidenten wie John F. Kennedy und Dwight D. Eisenhower gespendet wurden.

Der Aufbau des Waldorf Astoria, der unter anderem 27 Fahrstühle umfasst, erlaubt es, dass Sicherheitskräfte sowohl in der Lobby als auch auf einzelnen Etagen vor Suiten postiert werden können.

Palace soll südkoreanisch werden

Das New York Palace, einst auch bekannt als Helmsley Palace, liegt nur wenige Minuten entfernt an der Ecke 50. Strasse und Madison Avenue - ganz in der Nähe von St. Patrick’s Cathedral und Rockefeller Center. In dem Hotel wurden Szenen für TV-Serien wie Gossip Girl, 30 Rock und Law & Order gedreht, heisst es von dem Hotel.

Besitzer des Palace Hotels ist Northwood Investors LLC, eine Immobilienfirma mit Sitz in New York. In diesem Monat gab das Unternehmen jedoch bekannt, dass es das Palace Hotel an die Lotte Group verkaufen will, dem fünftgrössten Konglomerat von Südkorea. Der Firma gehören unter anderem Einkaufszentren und Süsswarenhersteller. Die Transaktion soll später in diesem Jahr abgeschlossen werden.

(bloomberg/dbe)