Johann Rupert, Präsident und Patron des Genfer Luxusgüter-Imperiums Richemont, ist mit seinen 68 Jahren nicht mehr der Allerjüngste. Aber er sieht wie kein Zweiter in der Luxus-Industrie die Notwendigkeit, das ganze Geschäft auf digital zu trimmen. Rupert weiss: Wer online nicht sichtbar ist, hört demnächst zu existieren auf – jedenfalls im Bewusstsein der Millenials.

Also tut er, was zu tun ist – und das für einen Grosskonzern rasend schnell: Im Mai hat er den führenden Online-Händler für Luxusgüter, Yoox Net-a-Porter, komplett übernommen. Im Juni ist er ins Geschäft mit Secondhand-Uhren eingestiegen, das heute grossmehrheitlich online abgewickelt wird. Er hat das Management seiner Marken und das des Konzerns verjüngt. Er hat mit Keyu Jin eine junge Chinesin in der Verwaltungsrat geholt, die genau weiss, wie ihre jungen Landsleute ihr Geld ausgeben. Und er hat mit Sohn Anton einen digital-affinen Manager in eine Schlüsselrolle im Konzern gehievt.

Im Verbund mit Jack Ma

Doch damit nicht genug. Um den chinesischen Luxus-Markt zu erobern, tut sich Rupert nun sogar mit Jack Ma zusammen. Richemont und Alibaba haben ein Joint Venture gegründet.

Über die Details des Vertrages ist zwar nichts bekannt. Klar aber ist: Investoren begrüssen die Zusammenarbeit zwischen dem grössten E-Commerce-Anbieter im Luxussegment und der grössten Shopping-Plattform Chinas. Die Richemont-Aktie gewann in einem rückläufigen Markt zeitweise über 1,5 Prozent (siehe Chart rechts).

Ebenso klar ist: Die Zusammenarbeit zwischen Alibaba und Richemont ist für beide Seiten von höchster strategischer Wichtigkeit. Allein schon das Personal, das für die Besiegelung der Partnerschaft aufgeboten worden ist, zeigt das eindrücklich (siehe Bild unten).

Johann Rupert hat Sohn Anton, YNAP-Chef Federico Marchetti und Richemont-Konzernchef Jérôme Lampert aufgeboten. Für Alibaba war CEO Daniel Zhang persönlich dabei (rechts neben Johann Rupert).

Anzeige
Die Richemont-Delegation bei Alibaba in China

Crème de la Crème: Alles, was bei Richemont und Alibaba Rang und Namen hat, wurde für die Besiegelung der Partnerschaft aufgeboten.

Quelle: Twitter/ZVG
Anzeige

«Wir haben die Werkzeuge nicht»

Sicher: Johann Rupert und Frederico Marchetti hätten China lieber im Alleingang erobert. Niemand teilt seine Margen gern mit einem Partner.

Aber: «Wir haben schlicht die Werkzeuge dazu nicht», räumte Rupert an einer Telefonkonferenz ungewöhnlich freimütig ein. Und ergänzte: «In China ist alles mobile. Wer dafür keine Apps hat, erreicht die Kunden nicht. So einfach ist das.» Hinzu kommt: Chinesen zahlen auch gerne mit dem Smartphone – in China selbst, aber auch, wenn sie als Touristen unterwegs sind und sich zum Beispiel in der Schweiz mit Luxusuhren einzudecken. Auch diesbezüglich ist ein Partner wie Alibaba ein nicht zu unterschätzender Wettbewerbsvorteil.

Luxus wächst in China – vor allem bei Millenials

Bis 2025 wird die globale Luxusgüter-Industrie gemäss Schätzungen der Beratungsfirma Bain von aktuell rund 320 Milliarden Dollar auf rund 440 Milliarden anwachsen. Hauptgrund ist gemäss Bain die scheinbar unstillbare Lust der Chinesen auf Luxus.

Kommt hinzu: Das Wachstum der Luxusbranche wurde in den letzten 12 bis 18 Monaten von einer ganz spezischen Gruppe getragen: chinesische Millenials. Bei globalen Mega-Brands wie Louis Vuitton (LVMH), Gucci (Kering) oder Cartier (Richemont) sind sie für 40 bis 60 Prozent der weltweiten Verkäufe verantwortlich, schätzt die kanadische Bank RBC.

Im Klartext: Wer sich nicht auf chinesische Millenials einstellt, verliert. Wer es tut – wie Rupert mit dem Alibaba-Deal – hat die Chance zu gewinnen. Dies umso mehr, als die YNAP-Onlineshops Net-a-Porter für Frauen und Mr Porter für Männer nicht nur Richemont-Produkte verkaufen, sondern eben auch Marken der Rivalen Kering und LVMH.

Anzeige

Auch die Uhrenindustrie muss ihre Distribution fundamental neu aufstellen

Was für Luxusgüter allgemein gilt, trifft auch auf die Uhrenindustrie im speziellen zu. Heute werden gemäss Schätzungen von Morgan Stanley 88 Prozent aller Schweizer Uhren weltweit über Händler verkauft (blaue Balken, Grafik unten). In zehn Jahren wird dieses Grosshandelsgeschäft allerdings nur noch 48 Prozent ausmachen.

Dagegen wird der Absatz über Onlineshops von heute rund 1 Prozent auf 25 Prozent anwachsen (hellblaue Balken, Grafik unten).

Kurz: Johann Rupert tut genau das Richtige, wenn er voll auf E-Commerce setzt. Und auf China. Denn dort sind in den nächsten zehn Jahren seine wichtigsten Kunden. 

Online gewinnt.
Quelle: Morgan Stanley Research