Eine umfassende Finanzplanung beinhaltet eine detaillierte Analyse der finanziellen Ausgangssituation und vernetzte Empfehlungen zu den Themen Vorsorge, Anlagen, Immobilien, Steuern sowie Ehe- und Erbrecht. Was dies bedeutet, lässt sich durch ein einfaches Beispiel erläutern: Kunde X erbt 50000 Franken und möchte wissen, wie er dieses Kapital investieren soll. Wird dann im Rahmen einer Anlageberatung ein auf das Risikoprofil des Kunden abgestimmter Vorschlag erstellt mit Empfehlungen für Aktien, Obligationen oder weitere Wertschriften, handelt es sich um eine klassische Themenberatung. In einer Finanzplanung hingegen wird zuerst in Abstimmung mit den Zielen und Bedürfnissen des Kunden entschieden, in welche Bereiche - wie etwa Vorsorge, Liegenschaften oder Wertschriften - das Geld investiert werden soll. Daraus kann beispielsweise resultieren, dass ein Einkauf in die Pensionskasse zur Stärkung der Vorsorge oder die Amortisation der Hypothek einer Investition in Wertschriften vorzuziehen ist.

Individuelle Bedürfnisse

Eine Finanzplanung bringt nur einen Nutzen, wenn die individuelle Ausgangssituation und die Wünsche und Pläne des Kunden in die Lösungsvorschläge einfliessen. Dafür muss der Berater in einem persönlichen Gespräch die Ziele einer Finanzplanung aufnehmen und die finanzielle Gesamtsituation des Kunden vor Augen haben. Es sollten also keine generellen Annahmen getroffen werden in der Art: «Sie erhalten bestimmt die maximale AHV-Rente.» Für eine individuelle und professionelle Finanzberatung müssen konkrete Unterlagen eingefordert werden, sprich die Steuererklärung inkl. Beilagen wie Vorsorgeausweis und Reglement der Pensionskasse, Liegenschaftenunterlagen oder Konto- und Depotauszüge. Eine gute Beratungsqualität wünscht sich jeder von seinem Finanzplaner. Allerdings ist die Qualität einer Finanzplanung für einen Laien nur schwer messbar. Es fehlt das notwendige Know-how zur Beurteilung der Empfehlungen, und es mangelt an Vergleichsmöglichkeiten.

Ein Anhaltspunkt kann da die Fachausbildung des Beraters sein. In aller Regel ist eine finanzplanerische Weiterbildung unabdingbar. Aussagekräftig für die Qualität sind auch allfällige, im Beratungsprozess eingeplante Kontrollschritte, beispielsweise ein Vieraugenprinzip. Vorteilhaft ist zudem, wenn der Finanzplaner im Rahmen seiner Organisation oder über ein externes Netzwerk Zugriff auf weitere Spezialisten aus den verschiedenen Fachbereichen hat und etwa einen Steuerexperten beiziehen kann.

Anzeige

Wer sich nach einem Finanzplaner umsieht, befasst sich unweigerlich mit dem Preis oder dem Preismodell des Anbieters. Häufig werden Finanzplanungen nach Stundenaufwand abgerechnet, wobei je nach Anbieter ein Kostendach vereinbart wird. Für umfassende Finanzplanungen muss mit Kosten von 3000 bis 5000 Franken kalkuliert werden. Allerdings gibt es im Markt auch günstigere Preise oder Gratisangebote. Wieso diese Unterschiede? Natürlich kommt es auf den Inhalt der Dienstleistung an - Themenberatung oder Finanzplanung ist nicht das Gleiche und mit mehr oder weniger Aufwand verbunden. Günstige Preise können durch einen Rabatt auf den üblichen Preis zustande kommen, beispielsweise wegen einer langjährigen Geschäftsbeziehung. Oder ein Gratisfinanzplan ist an Anschlussgeschäfte geknüpft wie den Transfer eines Wertschriftendepots, den Abschluss einer Versicherung oder einer Hypothek. Ohnehin gilt es auf die Trennung von Beratung und Verkauf respektive Strategie und Umsetzung zu achten. Die Beratung des Finanzplaners erfolgt idealerweise unabhängig von der Auswahl erforderlicher Produkte.

Finanzplan und dann?

Beim Entscheid für einen Finanzplaner gilt es unbedingt, die vorgesehene Umsetzung nach Abschluss der Finanzplanung mit zu berücksichtigen. In der Praxis werden oft langfristige Finanzpläne erarbeitet, die in der Schublade verschwinden. Einige Jahre später stellt man erstaunt fest, was alles vorgesehen war und doch nicht realisiert wurde. Im besten Falle wird ein Kunde durch einen Berater an die entscheidenden Termine erinnert. Auch eine Anpassung des Finanzplanes sollte regelmässig erfolgen. Stellt der Finanzplaner sicher, dass Veränderungen in der persönlichen und finanziellen Ausgangslage laufend miteinbezogen werden? Ein gutes Zeichen ist auf jeden Fall, wenn ein regelmässiger Kontakt zwischen Kunde und Betreuer eingeplant ist.