Der Chef der Swiss-Muttergesellschaft warnt vor weiteren Einschränkungen des Flugbetriebs in Zürich: «Besonders eine Vorverlegung der Starts und Landungen spätabends um bis zu 25 Minuten, wie zurzeit diskutiert, würde den Hub-Betrieb in existenzielle Probleme bringen», sagt Carsten Spohr im Interview mit der «NZZ am Sonntag» (Paywall). 

Ohne Hubbetrieb werde sich Zürich mit weniger als zehn Langstreckenzielen zufrieden geben müssen statt 45 wie heute.

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«Die Menschen wollen fliegen»

Die Diskussionen rund ums Klima führten laut Spohr bislang nicht zu einem Buchungsrückgang. «Wir sehen derzeit keine Zurückhaltung - im Gegenteil.» Im Vergleich zum Vorjahr, das ein Rekordjahr war, erwarte die Lufthansa gruppenweit einen Passagierzuwachs von rund vier Prozent.

Auch die Swiss verzeichne weiter ein Wachstum. «Die Menschen wollen fliegen. Immer mehr möchten die Welt entdecken und international Geschäfte machen», sagte Spohr. Er verteidigte die Luftfahrt «als eines der effizientesten Transportmittel, vor allem für lange Strecken.» 

Global mache der CO2-Ausstoss aller Fluggesellschaften rund 2,8 Prozent der von Menschen verursachten CO2-Emissionen aus.

«Wildwuchs» bei Passagiersteuern

«Wenn wir jetzt aus unserer mitteleuropäischen Sicht einen Flugverzicht verlangen, dann fordern wir auch von Menschen in Schwellenländern einen Verzicht auf die Chance, die Welt zu entdecken. Das wird nicht gelingen», sagte Spohr weiter.

Der Airline-Chef kritisierte zudem den nationalen Wildwuchs bei den Passagiersteuern: «Das Klima schützen wir damit nicht.» 

Die Emirate erheben auch keine CO2-Abgaben

Allfällige Massnahmen sollten seiner Meinung nach innerhalb Europas wettbewerbsneutral gestaltet werden. «Unsere Konkurrenten für die Langstrecken sitzen heute in der Türkei, den Vereinigten Arabischen Emiraten oder für Flüge über den Nordatlantik in den USA. Die alle erheben bestimmt keine CO2-Abgaben.» Sie würden so aber Passagiere abziehen.

Gleichzeitig verurteilte Spohr aber Flugangebote von Billigairlines zu Spottpreisen. «Wettbewerber arbeiten tatsächlich teilweise mit Preisen pro Flug unter zehn Euro. Das ist ökonomisch, ökologisch und auch politisch unverantwortlich.»

Insgesamt gebe es in Europa weiterhin zu viel Kapazitäten im Markt. Er räumte ein, das auch die Lufthansa-Billigtochter Eurowings Trips für teils unter 35 Euro anbietet. «Weil wir unsere Heimatmärkte verteidigen müssen, können wir uns dem nicht vollständig entziehen.»

(sda / rap)