Grosse Firmen mit Weltrang sind für kleine Länder ein Segen, sie schaffen Arbeitsplätze und füllen die Staatskassen. Aber die Dominanz eines Unternehmens ist auch ein Klumpenrisiko. Das gilt vor allem für systemrelevante Banken, wie die Too-big-too-fail-Debatte um die neue UBS zeigt.

Der Erfolg der Abnehmspritze Wegovy und des Medikaments Ozempic stellt nun aber ein anderes kleines Land ins Rampenlicht. Der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk ist unterdessen das wertvollste Unternehmen Europas. 2300 Milliarden Dänische Kronen beträgt die Börsenkapitalisierung, das sind etwa 300 Milliarden Franken. Der Schweizer Nahrungsmittelriese Nestlé bringt «nur» 280 Milliarden auf die Waage.

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Mit seinen rund 6 Millionen Einwohnern und Einwohnerinnen ist Dänemarks Wirtschaft aber nur halb so gross wie jene der Schweiz. Auf 2800 Kronen wird das letztjährige BIP geschätzt. Damit macht der Börsenwert von Novo Nordisk über 80 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung aus. Die Abnehmmedikamente haben sozusagen Novo Nordisk selbst übergewichtig gemacht.

Eine solche Dominanz ist ein Europa sondergleichen. Das zeigt die Grafik der Woche mit der Börsenkapitalisierung der grössten Unternehmen im Verhältnis zum Bruttoinlandprodukt (BIP) des jeweiligen Landes.

 

Gegen den Fussabdruck von Novo Nordisk verblasst selbst jener, der Nestlé für die Schweiz hat. Der Börsenwert des Tech-Konzerns ASML macht noch einen Viertel des niederländischen BIP aus. Auch die beiden Riesen AB Inbev und Nordea können nicht mit Novo Nordisk mithalten. In den grösseren europäischen Volkswirtschaften fallen die Grosskonzerne naturgemäss kaum ins Gewicht. Ausnahme ist der französische Luxuskonzern LVMH.   

Dänische Kennzahlen mit und ohne «Novo»

Im Börsenwert steckt manchmal viel Zukunftsfantasie, und er sagt unter Umständen wenig über die wahre wirtschaftliche Bedeutung eines Unternehmens für das Land aus. Aber in Dänemark ist der Novo-Effekt so gross, dass sich die Statistikerinnen überlegen, separate Kennzahlen mit und ohne den Pharmariesen auszuweisen. 

Letztes Jahr kamen zwei Drittel des dänischen BIP-Wachstums aus der Pharmabranche, die von Novo Nordisk mit einem Umsatz von über 20 Milliarden Dollar dominiert wird. Im ersten Halbjahr 2023 schoss der Gewinn auf umgerechnet knapp 6 Milliarden Dollar. 

Weil Novo Nordisk vor allem im Ausland produziert, hat der Boom jedoch keinen nennenswerten Effekt auf die Beschäftigung. Doch dafür ist der Pharmakonzern Dänemarks wichtigster Steuerzahler. 

 

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rop
Peter Rohnerist Chefökonom der Handelszeitung.Mehr erfahren