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Yodelay: Ein Schweizer Joghurt für den US-Markt

Yodelay: Produkt aus Wisconsin nach Schweizer Tradition.  zvg

Name, Gründer, Zubereitungsart: Das US-Joghurt Yodelay strotzt vor Schweiz-Bezügen. Hergestellt wird es aber in Wisconsin. Ein neuer Trend könnte dem Produkt von Markus Candinas zum Erfolg verhelfen.

Von Julia Fritsche
am 06.06.2017

«Grüetzi!» und «Wilkommen!» – ganz lupenrein ist das Schweizerdeutsch auf der Webseite von Yodelay zwar nicht, doch die Botschaft ist klar: Markus Candinas' Joghurt will schweizerisch sein. Zuhause ist Yodelay aber in Madison im US-Bundesstaat Wisconsin, 40 Kilometer von New Glarus.

Dort kommt denn auch die Hauptzutat Milch her. Sowohl der Ort als auch Milchlieferant «Voegeli Farms» wurden vor über 100 Jahren von Schweizer Auswanderern gegründet. Selbst die Kuhrasse Swiss Brown hat mit dem Braunvieh Vorfahren in der Schweiz.

Von Schokolade zu Joghurt

Und auch Yodelay-Gründer Markus Candinas hat Bezüge zur Schweiz. Seine erste Passion galt der Schokolade: Als Sohn Schweizer Eltern liess er sich in ihrem Heimatland sechs Jahre lang in der Kunst des Schokoladenmachens ausbilden. Mit Erfolg: Die Produkte seiner Manufaktur Candinas Chocolatier wurden vielfach ausgezeichnet.

Mit Yodelay will der Amerikaner an diese Erfolge anknüpfen. Auch beim Joghurt nimmt er seine Sache ernst: Bereits 2003 begann er den Lern- und Experimentierprozess. Nun sind die ersten Joghurts im Verkauf – in den Geschmacksrichtungen Rhabarber, Pfirsich-Himbeere, Kirsche, Ananas, Erdbeere oder Blaubeere. Nach eigenen Angaben soll es das einzige Schweizer Joghurt aus US-Produktion auf dem Markt sein.

Griechische und australische Joghurts

An Vorbildern mangelt es Candinas nicht. «Internationale» Joghurts haben auf dem US-Markt einen wahren Siegeszug hingelegt. Allen voran die griechischen Joghurts von Chobani. Innert weniger Jahre konnte die Firma von Gründer Hamdi Ulukaya einen Marktanteil von über 10 Prozent erobern. Marktführer ist weiterhin Danone-Tochter Dannon. Viel Presse war dem Unternehmen garantiert, als Gründer Ulukaya 10 Prozent seines Unternehmens an langjährige Mitarbeiter abgab und damit einige von ihnen kurzerhand zu Millionären machte.

Chobani ist dabei nicht das einzige griechische Joghurt auf dem Markt, das sich gut verkauft. Noch 2008 fristete die Joghurtsorte mit 4 Prozent Marktanteil ein Nischendasein, sechs Jahre später war die Hälfte aller Joghurts griechischer Art. Eng verwandt mit den «Griechen» ist das australische Joghurt. Ebenfalls cremig und proteinreich unterscheidet es sich offenbar durch die Zugabe von Honig. Bekannt wurde diese Sorte durch Noosa. Das Unternehmen mit Sitz in Colorado wurde von einer Australierin mitgegründet, mit dem Namen ihres Joghurts – ein beliebter australischer Urlaubsort – zahlt sie ihrer Heimat Tribut.

Emmi setzt auf Käse statt Joghurt

Dritter im Bunde der «internationalen» Vorbilder ist das isländische Siggi's. Gegründet 2004 von Siggi Hilmarsson gegründet wird Siggi’s inzwischen in rund 11'000 Geschäften verkauft. Dieser Erfolg hat auch Emmi überzeugt. 2013 ist der Luzerner Milchverarbeiter bei The Icelandic Milk and Skyr Corp., dem Produzenten von Siggi’s, eingestiegen und hielt Ende 2016 rund 22 Prozent am Unternehmen.

Seine eigenen Joghurtpläne für die USA hat Emmi dagegen nach einem kurzen Gastspiel wieder begraben. Den Produktionsbetrieb verkauften die Luzerner nach nur vier Jahren, die Joghurts von Siggi's werden aber noch immer dort hergestellt. Im wichtigen US-Markt – inzwischen wird dort jeder fünfte Franken erwirtschaftet setzt Emmi hauptsächlich auf Käse. Im Käse-Bundesstaat Wisconsin etwa ist Emmi Roth USA beheimatet. Stark vertreten ist der Milchverarbeiter in Kalifornien. Erst letztes Jahr hat er dort zwei weitere Unternehmen gekauft.

Hoffen auf Wachstumsmarkt

Markus Candinas' Yodelay steht erst am Anfang. Doch der Trend zu internationalen Joghurts und sein Bekenntnis zu lokalen und natürlichen Zutaten sprechen für ihn und sein Produkt. Klar ist auch, in den amerikanischen Kühlregalen ist einiges in Bewegung. Während vor 2010 grosse Anbieter mit wenigen Geschmacksrichtungen die Supermärkte beherrschten, gibt es inzwischen immer mehr Auswahl von kleinen Anbietern. Der Wandel hat dazu geführt, dass heute zwar nicht erheblich mehr Joghurts verkauft werden, damit aber mehr Geld gemacht wird, wie Statistiken des Marktforschers IRI zeigen.

Noch immer sind die USA ein Entwicklungsland in Sachen Joghurt, Euromonitor rechnet denn auch mit einem jährlichen Wachstum von 2 Prozent in den nächsten Jahren. Für eine starke Entwicklung spricht laut den Analysten, dass das Milchprodukt als ausgewogenes, gesundes und geschmackvolles Convenience-Produkt gegenüber anderen verpackten Nahrungsmitteln punkten kann.

Auf den Spuren der Griechen

Yodelay wird heute erst in Geschäften in und um Madison verkauft. Das soll aber nicht das Ende sein. Candinas ist überzeugt, dass Konsumenten sein Schweizer Joghurt lieben werden. Gegenüber einem lokalen Nachrichtenportal sagte er denn auch: «Vor zehn Jahren gab es ausserhalb von Griechenland noch nirgends griechisches Joghurt. Dann ist es einfach explodiert.» Sein Joghurt und seine Geschichte bekannt machen – wie die Griechen, das ist sein Ziel.

Wer wissen will, ob der ambitionierte Amerikaner sein Ziel erreicht und welche neuen Geschmacksrichtungen Yodelay ins Sortiment aufnimmt, kann sich für den Newsletter anmelden – mit einem Klick auf «Fröit mi!».

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