Edelprostituierte verrichten weit angenehmere Dienste als Frauen auf dem Strassenstrich. Mit Vorstellungen wie dieser räumt eine frühere Prostituierte auf. Immer wieder macht sie in ihrem Buch deutlich: Es gebe nichts, absolut nichts Gutes oder Schönes an Prostitution.

Ein Viertel Jahrhundert ist es her, seit Julia Roberts im Film «Pretty Woman» einem reichen Geschäftsmann zu Diensten war. Wohl selten wurde das Leben einer Prostituierten so verklärt wie in dem Streifen. Behauptet zumindest die Britin Rachel Moran, die in ihrem Buch «Was vom Menschen übrig bleibt» über die raue Wirklichkeit berichtet.

Typische Folgen von Armut

Moran, 1976 geboren, wuchs mit vier Geschwistern in einem Sozialwohngebiet im Norden Dublins bei Eltern auf, die mit psychischer Krankheit, Drogenabhängigkeit und Suizidgefährdung kämpften. Mit 15 Jahren geriet sie als obdachlose Jugendliche in die Prostitution, mit 22 fand sie den Ausstieg.

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Moran erklärt, warum Prostitution eine typische Folge von Obdachlosigkeit ist und erzählt, wie sie sich den Verkauf an Männer anfangs vor sich selbst zur Mutprobe verbogen habe. Prostitutionsverfechter sprächen häufig von «erwachsenen Menschen, die in beiderseitigem Einverständnis handeln» - beide Aspekte seien einer kritischen näheren Betrachtung wert.

Moran lässt kein gutes Haar an der Prostitution

Im Buch wird mit der Vorstellung aufgeräumt, dass Strassenprostitution das Unterste vom Unteren sei, dass es so etwas wie Edelprostituierte gebe und Strippen eine Art harmloses Vergnügen sei. Es sei weder harmlos noch ein Vergnügen, von betrunkenen Männern Obszönitäten zugegrölt zu bekommen, schreibt Moran. «Es ist durch und durch ein Angriff auf den eigenen Körper.»

Viele Menschen unterschätzten die Schäden durch die Erniedrigung beim Strippen oder bei pornografischen Aufnahmen. Und auch in einem Fünf-Sterne-Hotel könne man aufs heftigste gedemütigt werden. Sie erhoffe sich von ihrem Buch, dass es zu mehr Verständnis führe, «wie unmenschlich Prostitution schlicht und ergreifend ist», erläutert Moran, warum sie sich ihren vielen schmerzlichen Erfahrungen beim Schreiben des Buches erneut stellte.

Schonungslos und ehrlich

Moran studierte nach ihrem Ausstieg Journalismus. «Das war keine Kleinigkeit.» Sie habe extreme Ängste gehabt, das ständige Gefühl, nicht dort sein zu dürfen, schlichtweg nicht das Recht dazu zu haben. Viele Frauen verharrten auch aus diesem Gefühl heraus in ihrer furchtbaren Situation.

Erst unlängst wurde der Vorstoss der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, sich künftig weltweit für die volle Entkriminalisierung von Prostitution stark zu machen, heftig kritisiert - vor allem von Frauenrechtlerinnen.

«Rachel Morans Buch ist das beste Werk, das jemals über Prostitution geschrieben wurde», wird Catherine MacKinnon, Professorin für Rechtswissenschaft in Michigan und Harvard, auf dem Titel des Buches zitiert. Es ist auf jeden Fall ein schonungsloses, ehrliches Buch jenseits aller beschönigenden Klischees.

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(sda/chb)