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  2. In der Schweiz bleibt Huawei trotz der US-Kampagne willkommen

Telekom
Was Trumps Pläne gegen Huawei für die Schweiz bedeuten

 (PPR/Nick Soland)
Manager von Huawei und Sunrise im Gruppenbild vereint, von links: Elmar Grasser CTO Sunrise, Dong Gang President Carrier Business Western Europe Huawei, Olaf Swantee CEO Sunrise und Xia Haijun CEO Huawei Schweiz.Quelle: Keystone

Die USA verschärfen die Gangart gegenüber Huawei. In der Schweiz bleibt der chinesische Konzern willkommen. Die Übersicht in drei Punkten.

Veröffentlicht am 15.05.2019

Zwischen den USA und China läuft ein Handelsstreit. Ein Konzern spielt beim Schlagabtausch der weltgrössten Volkswirtschaften eine Schlüsselrolle: Der chinesische Telekomkonzern Huawei.

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Die USA versuchen, befreundete Staaten von einer Zusammenarbeit mit Huawei beim Mobilfunknetz abzuhalten. Sie verdächtigen den Konzern, seine Infrastruktur für Spionage im Auftrag der Regierung zu nutzen. China bestreitet den Vorwurf und bezeichnet ihn als Versuch, einen erfolgreichen Konzern zu bremsen. Huawei ist der führende Infrastrukturanbieter für das neue Handynetz 5G - und zugleich einer der weltgrössten Handyhersteller.

Nun verschärft sich der Konflikt: Noch diese Woche dürfte die Regierung Donald Trumps US-Konzernen verbieten, Telekom von Huawei und anderen ausgewählten Konzernen zu verwenden. Huawei kommt in den USA noch stärker unter Druck.

Wie präsentiert sich die Situation für den chinesischen Konzern in der Schweiz?
Die Schweiz gehört für Huawei im Netzwerkgeschäft zu den wichtigsten Märkten in Europa, er hat hierzulande rund 350 Mitarbeitende. Mit Swisscom und Sunrise hat der Konzern die beiden führenden Mobilfunkkonzerne als Kunden. Sunrise lässt – anders als Swisscom - von Huawei sogar das Netz für 5G erstellen. Mit dem Paul Scherrer Institut setzt auch eine grosse Forschungsanstalt auf die Produkte der Chinesen – kürzlich gab das PSI laut einem Bericht von «CH Media» eine grosse Bestellung auf.

Die Schweiz soll für Huawei auch zur Forschungsstätte werden: Der Konzern will im Umfeld der Eidgenössischen Technischen Hochschulen zwei Zentren eröffnen.

Huawei bleibt in der Schweiz willkommen:
Zwar weckt der US-Spionagevorwurf auch in der hiesigen Politik Unbehagen – die Sicherheitspolitische Kommission des Ständerats nahm sich der Frage an. Aber weder der Nachrichtendienst noch das Bundesamt für Kommunikation wollen Huawei vom 5-Netz-Aufbau ausschliessen.

Auch die Geschäftspartner stellen sich hinter Huawei: «Wir kennen die Risiken, die eine enge Zusammenarbeit mit sich bringt», sagte Sunrise-Präsident Peter Kurer der «Neuen Zürcher Zeitung». Huawei könne sich als Marktführer gar nicht erlauben, seine Reputation durch Spionage zu beschädigen. Er vermutet auch politische Motive hinter dem US-Vorgehen: «Die Diskussion ist politisch und wird nicht mit Fakten geführt.» Trotzdem gab sich Kurer vorsichtig. «Wir sind nicht von Huawei abhängig. Das darf man nie sein.» 

Die USA führen weltweit eine Kampagne gegen Huawei. Verschiedene Länder, darunter Australien, Neuseeland und – mit Einschränkungen – Grossbritannien haben Huawei mittlerweile vom 5G-Netzwerk ausgeschlossen. Auch Telekom-Gigant Vodafone verzichtet beispielsweise in Europa auf eine Zusammenarbeit bei 5G.

Hierzulande sind keine US-Druckversuche bekannt. Zwar weilte kürzlich der Cybersecurity-Berater des US-Präsidenten, Joshua Steinman, in der Schweiz. Bei dem Treffen mit Vertretern der Telekombranche ging es aber offiziell nur um einen Informationsaustausch.

«Wir wissen genau, wie eine mögliche Eskalation der Amerikaner aussähe. Wir haben die Zusicherung, dass auch Huawei für einen solchen Fall einen Plan B hat.»*

Peter Kurer, rechts, neues Mitglied im Verwaltungsrat, verfolgt neben dem neuen CEO Olaf Swantee, links, die Bilanzmedienkonferenz ueber das Geschaeftsjahr 2015 der Schweizer Telekomfirma Sunrise am Donnerstag, 10. Maerz 2016 in Zuerich. Das Telekomunternehmen Sunrise hat im vergangenen Geschaeftsjahr einen Verlust von 113 Millionen Franken geschrieben nach einem Verlust von 115 Millionen im Vorjahr. Hauptgrund dafuer ist der Boersengang. (KEYSTONE/Ennio Leanza)
*Sunrise-Präsident Peter Kurer im Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung» von Mitte April.
Quelle: Keystone

«Bis jetzt hat es auf Sunrise keinen politischen Druck gegeben», sagte Sunrise-Präsident Peter Kurer. Sollten die USA den Streit mit Huawei eskalieren lassen, sei das Unternehmen aber gewappnet. «Sie können davon ausgehen, dass wir nicht nur einen Plan B, sondern auch einen Plan C und D haben. Wir wissen genau, wie eine mögliche Eskalation der Amerikaner aussähe. Wir haben die Zusicherung, dass auch Huawei für einen solchen Fall einen Plan B hat.»

(mbü)

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