Ende Januar hat die EU mit Indien einen Handelsvertrag abgeschlossen, der die Zölle auf europäische Produkte, inklusive Wein, massiv senkt. So sollen die Zölle für Premiumweine von bisher 150 Prozent nach und nach auf 20 Prozent sinken, die für Weine des mittleren Preissegments auf 30 Prozent.

Für einmal war die Schweiz aber schneller als die Nachbarn aus der EU, denn die Efta-Staaten Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz haben bereits im Oktober 2025 ein ähnliches Abkommen mit Indien unterzeichnet.

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Export als Absatzmotor für Schweizer Wein?

Kann die darbende Schweizer Weinindustrie also aufatmen? Nicht wirklich. Zuerst müssen unsere Weine an den Mann bzw. die Frau gebracht werden. Das dürfte nicht einfach sein.

Die Schweizer Weinproduktion ist auf dem Weltmarkt ein unbekanntes Zwerglein. Weniger als 0,2 Prozent der weltweit produzierten Weine kommen aus der Schweiz. Und nur ein Prozent der helvetischen Weine gelangen in den Export.

«Das macht Schweizer Wein zu einer der rarsten Kostbarkeiten des globalen Weinbaus», folgert Swiss Wine Promotion (SWP), das nationale Promotionsorgan für Schweizer Wein. «Made in Switzerland. Poured in India.» Dies das Motto des Indienprojekts, das Swiss Wine mit einem nicht näher bezifferten Betrag unterstützt.

<p>Vikram Bhatnagar steht hinter dem Swiss-Wine-goes-to-India-Projekt.</p>

Vikram Bhatnagar steht hinter dem Swiss-Wine-goes-to-India-Projekt.

Quelle: ZVG

Ein Informatiker exportiert Schweizer Wein nach Indien

Hinter dem Projekt steht der 38-jährige Vikram Bhatnagar. Er wurde zwar in Indien geboren, kam aber bereits als Baby in die Schweiz, kennt also beide Kulturen aus dem Effeff. Von Beruf ist er Informatiker, hat jahrelang in der Cyber Defense gearbeitet und mit Erfolg Start-ups begleitet.

Während der Corona-Krise erwarb er zusammen mit zwei Kollegen einen Rebberg in Visperterminen, einer der höchstgelegenen Weingemeinden Europas. Kein Wunder, kamen die Neo-Winzer irgendwann auf die Idee, ihren Heida, den sie in Zusammenarbeit mit der St. Jodernkellerei produzieren, nach Indien zu exportieren.

«Ich habe die Verhandlungen der Efta-Staaten mit Indien gespannt verfolgt», erzählt Vikram Bhatnagar. «Indien verwandelt sich rasend schnell und es gibt eine wachsende Schicht gut ausgebildeter, international vernetzter Menschen, die weit gereist sind und genügend Geld haben für Luxusgüter. Etwa für rare Weine aus der Schweiz.» Die Schweiz und ihre Produkte genössen in Indien hohes Ansehen. «Und Wein ist eines der bestgehüteten Geheimnisse der Schweiz…» Was sich allerdings ändern soll, wenn es nach Vikram geht.

Unternehmer und Kulturvermittler

«Der Schweizer Weinkonsum sinkt. Weshalb also die Schweizer Weine nicht dorthin bringen, wo sie die Wertschätzung geniessen, die sie verdienen?» Doch einfach ist das nicht. Die bürokratischen Hürden sind hoch, die kulturellen Unterschiede gross. Vikram Bhatnagar sieht sich auch als Kulturvermittler zwischen seinen beiden Heimatländern. 

An der ProWine Mumbai im Herbst 2025 präsentierten er und seine Partner 54 Schweizer Weine von zehn Produzenten, die sehr positiv aufgenommen wurden. Mittlerweile möchten etliche weitere Schweizer Weinbaubetriebe beim Indien-Projekt mitmachen.

<p>Kriti Singh, die Swiss Wine Sommelière, präsentiert die Schweizer Weine in Mumbai.</p>

Kriti Singh, die Swiss Wine Sommelière, präsentiert die Schweizer Weine in Mumbai.

Quelle: ZVG

Um den ganzen Prozess von den Produzenten bis hin zu den Endverbrauchern in Indien – momentan ausschliesslich Fünfsternehotels und Fine-Dining-Restaurants in den Regionen Dehli, Mumbai und Bangalore – zu kontrollieren, haben Vikram Bhatnagar und seine Partner eine indische Tochterfirma gegründet. Und sie versuchen, die Produkte mit QR-Codes auf den Rücketiketten vor Fälschungen zu schützen.

«Natürlich wird Schweizer Wein ein Nischenprodukt bleiben, aber ein begehrtes», ist sich der junge Unternehmer sicher. In fünf Jahren spätestens soll das Projekt schwarze Zahlen schreiben. Man darf gespannt sein.

 

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