Die Franzosen wurden beim Judgement of Paris im Mai 1976 sowohl bei den Weiss- als auch bei den Rotweinen vom Podest gestossen.
Der Weinkritiker Steven Spurrier (†) organisierte die legendäre Verkostung, die dem französischen Selbstbewusstsein einen empfindlichen Dämpfer versetzte und zeigte, das kalifornische Weine in einer eigenen Spitzenliga spielen und mitnichten eine Kopie der «Vorbilder» aus Frankreich sind.
Mehr Austausch als Kräftemessen
Heute geht es weniger darum, welche Weine besser bewertet werden. Spannend ist vielmehr, ob geübte Verkoster Weine gleicher Jahrgänge geografisch korrekt zuordnen können.
Das ist nicht einfach, wie eine Vergleichsverkostung in der WY Bar in Schaan LI zeigte. In den Ring stiegen Weine verschiedener Jahrgänge von Ridge Monte Bello aus Kalifornien (mit dem 1971er war das Gut schon in der Paris-Verkostung 1976 vertreten) gegen Grands Crus aus Burgund (Chardonnay) und Bordeaux (Rotweine aus Médoc und Graves). Beschrieben sind hier die spannendsten Begegnungen.

Ridge Monte Bello in den Santa Cruz Mountains südlich von San Francisco gehört zu den besten Weingütern Kaliforniens.
Pazifische Frische
Ridge Monte Bello steht für Konstanz und Langlebigkeit und gilt als der «Bordeaux Kaliforniens». Zweiundzwanzig Autominuten westlich von Cupertino liegt die Winery in den Santa Cruz Mountains. Stilistisch gleichen die Monte Bello-Weine eher den Gewächsen aus Bordeaux als den Weinen aus Napa Valley und Sonoma County.
Die Weinberge liegen zwischen 400 und 800 Meter über Meer, rund zwanzig Kilometer vom Pazifik entfernt. Das sorgt für kühle Temperaturen und Nebel im Herbst. Der Nebel mindert die Sonneneinstrahlung und die Trauben reifen langsamer und das ergibt kühle Fruchtnoten, feine Gerbstoffe und Eleganz im Glas.

Paul Draper, Jahrgang 1936, prägte die Ridge Weingüter Monte Bello, Lytton Springs in Sonoma sowie Paso Robles als Chief Winemaker von 1969 bis 2016. Er erkannte das Potenzial pazifischer Kühle für eine perfekte Frucht und setzte auf Weine aus Einzellagen. Der emeritierte Ausnahme-Önologe gehört als Verwaltungsratsmitglied nach wie vor zum Ridge-Team.
2015 Premier Cru Meursault-Charmes, Comtes Lafon
2015 war nach 2003 einer der heissesten Jahrgänge im Burgund: Mit Noten von Zitrus und exotischer Frucht, sowie der präzisen, vibrierenden Säure am Gaumen machte der Premier Cru dem Burgund alle Ehre.
Der Monte-Bello-Chardonnay präsentierte sich üppiger mit Noten von gelben Blüten und etwas Honig. Am Gaumen gefiel die würzige, ätherische Frische.
2015 Pichon-Longueville Comtesse de la Lande, Pauillac
Cassis, Veilchen sowie erste Reifenoten prägen den Grand Cru Classé aus Pauillac. Die feine Gaumenaromatik mit wohldosierten Röstnoten harmoniert mit dem griffigen Tannin. Grosse Eleganz aus einem erstklassigen Bordeaux-Jahrgang.
Das Pendant aus Kalifornien zeigte mehr dunkle Frucht, dazu Noten von Tabak und Gebäck. Weil der Wein in amerikanischer Eiche mit leichtem Toasting reifte, sind die Röstnoten sehr diskret und weniger würzig als beim Wein aus dem Médoc.
2010 Château Smith Haut Lafitte, Pessac-Léognan
Wow! Beide Weine feiern die pure Eleganz im Glas. Monte Bello präsentiert Waldbeeren, ein Hauch von Eukalyptus und, very nice, Mokka sowie After Eight am Gaumen.
Smith Haut Lafitte ist etwas stoffiger, mit Noten von Holunderbeeren, dunkle Schokolade und Tabak. Es war definitiv schwierig herauszufinden, welcher Wein aus Bordeaux und welcher aus Kalifornien stammt.
2005 Château Haut-Bailly, Péssac-Léognan
Hier schlägt der Jahrgang durch. 2005 zählt zu den besten Jahrgängen der letzten beiden Dekaden in Bordeaux. Das Wetter war ideal, die Trauben perfekt reif. Wer darauf achtete, hatte leichtes Spiel mit der Herkunftsbestimmung.
Gegen die aromatische Bordeaux-Kraft (Cassis, Pflaume, Backgewürze und Tabak), punktet der Monte Bello mit viel Noblesse, kühler, rotbeerige Frucht und einer kreidigen, sehr feinen Tanninstruktur. Dazu muss man wissen, dass bei den Monte Bello-Weinen der Alkohogehalt traditionell die 13,5 Volumenprozent nicht übersteigt.
1990 Château Montrose, Saint-Esthèphe
«Jetzt kommen wir in den Bereich trinkreifer Weine», wurde im Publikum gejubelt. Und tatsächlich: Diese Runde war grossartig. Die Fruchttiefe, die Würze und das elegante Tannin zeigen, wie hervorragend Monte Bello reifen kann.
Der Montrose war ein wenig robuster mit Noten von Brombeeren, Efeu, dem reifen Tannin und diesem frischen Duft von Kieselsteinen nach einem kurzen Sommerregen. Eben mehr Gironde, Atlantik als Monterey Bay, Pazifik.
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