Der Ablauf ist meist der gleiche: Vorfall, Empörung, Gesetz, Verordnung. Dass die Schweiz zureguliert wird, ist längst bekannt. Doch Politik und Wirtschaft tun sich schwer damit, die ausufernde Bürokratie einzudämmen.

Dies will die Initiative «5vor12 – Preis für schlaue (De-) Regulierung» ändern, indem sie innovative Ansätze zur Eindämmung der Gesetzesflut kürt. Lanciert haben den Preis die Stiftung StrategieDialog21 (SD21) und die KMU-Vereinigung Swiss Venture Club (SVC). Die drei Finalisten sind Thierry Burkart, Fiona Hostettler und Andri Silberschmidt.

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Flexiblere Arbeitszeiten

Die Initiative von Nationalrat Thierry Burkart nennt sich «Mehr Gestaltungsfreiheit bei Arbeit im Homeoffice». Burkart will damit die Arbeit von zu Hause flexibler gestalten.

Das aktuelle Arbeitsgesetz sei noch auf die Arbeit in Industriebetrieben ausgerichtet und trage den Bedürfnissen von Arbeitnehmern, die ihre Arbeit im Homeoffice verrichten, zu wenig Rechnung, begründete Burkart seinen Vorstoss. Denn im Arbeitsgesetz sind Arbeitszeiten klar geregelt. Wer zum Beispiel um 7 Uhr beginnt, darf ab 21 Uhr keine E-Mails mehr beantworten.

Burkart verlangt, dass der maximale Zeitrahmen von bisher 14 Stunden auf 17 Stunden ausgeweitet wird. Damit könnte sich ein Angestellter, der seine Kinder um 21 Uhr zu Bett gebracht hat, auch danach nochmal an den Computer setzen.

Keine automatische Pensionierung

Fiona Hostettler von den Jungen Grünliberalen will hingegen die automatische Pensionierung abschaffen. Denn mit dem Erreichen des 65.Lebensjahres ist das Weiterarbeiten oft nur mit komplizierten Spezialverträgen oder selbständiger Tätigkeit möglich.

Laut Hostettler setze dies die falschen Anreize in einer Gesellschaft, in der man immer älter wird, aber auch immer länger gesund und aktiv bleibe. Wenn gesunde und willige Arbeitnehmer länger arbeiten, würde laut Hostettler nicht nur die Wirtschaft profitieren, sondern auch das Rentensystem entlastet. Gleichzeitig würde die Abschaffung nichts daran ändern, ab welchem Alter der Bezug einer Rente möglich ist.

Leere Büros zwischenutzen

Der dritte Finalist Andri Silberschmidt will den Wohnungsmarkt beleben. Dass besonders junge Menschen es schwer haben, in Städten wie Zürich eine Wohnung zu finden, ist ihm ein Dorn im Auge. «Die Stadt Zürich zum Beispiel hat eine Leerwohnungsziffer von 0.22 Prozent, obwohl über 215‘000 Quadratmeter Büroflächen leer stehen», sagt Silberschmidt.

Der Chef der Jungfreisinnigen will daher leere Büroflächen als temporäre Wohnungen zwischennutzen. Nur: Eine temporäre Umnutzung von Büroflächen scheitere meist bei den vielen Auflagen und regulatorischen Rahmenbedingungen. Silberschmidt schlägt daher Pop-Up Lizenzen mit beschränkten Laufzeiten vor, die die Zwischnutzung ermöglichen. «Der Eigentümer kann so seine Kosten decken, der Mieter erhält seinen langersehnten Platz und die öffentliche Hand ermöglicht innovative Lösungen», so Silberschmidt.

Am Dienstag, 18. September dürfen die drei Finalisten im Berner Rathaus ihre Projekte vor rund 150 geladenen Gästen vorstellen. Dafür hat jeder Finalist fünf Minuten Zeit. Zur Jury gehören nebst Beat Brechbühl, Managing Partner von Kellerhals Carrard, etwa auch Economiesuisse-Chefökonom Rudolf Minsch, die ehemalige Bundeskanzlerin Annemarie Huber-Hotz und der Digitec-Mitgründer und Nationalrat Marcel Dobler. Der Sieger wird fünf Minuten vor Mitternacht ausgezeichnet. Hauptpreis ist eine Uhr der Marke Armin Strom.