Deutschland lahmt. Mit der Flaute im grössten Land der EU und der Euro-Zone kann auch die gesamte Gemeinschaft keine Sprünge machen. So sollen die Länder der Euro-Zone in diesem Jahr um 1,3 Prozent zulegen und im nächsten mit 1,6 Prozent kaum schneller vorankommen.

Auch wenn das grosse Bild nicht gut aussieht, es gibt dennoch auch in der EU Wachstumszonen mit enormem Tempo. In Polen, Tschechien, Ungarn und Rumänien kommt man sich fast vor auf einem anderen Planeten. 

Das Konsumentenvertrauen ist auf einem Vieljahreshoch

Während die EU im Ganzen nämlich lustlos und unmotiviert vor sich hindämmert, geht es in den genannten Ländern steil nach oben. Nach Angaben von BNP Paribas ist das Konsumentenvertrauen in Polen auf einem Fünfjahreshoch. In der Tschechischen Republik ist es fast auf einem Fünfjahreshoch. In Ungarn ist es deutlich höher als 2015, 2016 und 2017 und in Rumänien ist die Zuversicht der Verbraucher seit Anfang 2018 im steilen Aufwärtstrend.

Die Zuversicht verwundert nicht. Denn die Volkswirtschaften der vier Staaten sind fast nicht zu bremsen. Im zweiten Quartal ging es mit der Wirtschaftsleistung in Polen, Ungarn und Rumänien um 4,9 und jeweils 4,4 Prozent nach oben. Sogar das Wachstumsschlusslicht des Quartetts, Tschechien, schaffte zwischen April und Juni einen Anstieg der Wirtschaftsleistung um 2,7 Prozent.

Stark gesunkenen Arbeitslosigkeit

«Obwohl sich das Wachstum in den vier Ländern im zweiten Quartal im Vergleich zum Zeitraum Januar bis März etwas abgeschwächt hat, hält sich das Wachstumstempo nahe am Mehrjahreshoch. Und das signalisiert für den Zeitraum April bis Juni eine Fortsetzung des starken Wirtschaftswachstums», erklärt Wojciech Stępień, Ökonom bei BNP Paribas.

Das Wachstumstempo in den vier Volkswirtschaften ist aber kein Strohfeuer, sondern liegt bereits seit etwa fünf Jahren im Durchschnitt um zwei bis rund vier Prozent über dem Wachstum in der Eurozone. Und mit dem Wirtschaftsaufschwung hat sich auch die Arbeitslosenquote in den Ländern enorm verbessert.

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Die Löhne steigen, das Geld sitzt locker

Egal wohin man blickt – nach Warschau, Budapest, Prag oder Bukarest – seit 2013 fällt die Arbeitslosigkeit in den vier genannten Ländern steil nach unten. Im Osteuropa-Quartett hat sich die Quote zumindest halbiert und liegt in Polen nun bei unter sechs Prozent. Ungarn, Rumänien und Tschechien weisen sogar nur noch einen Stand der Arbeitslosen von weniger als vier Prozent aus. «Als Folge des starken Arbeitsmarkts steigen die Löhne und das sorgt für hohen Konsum und stabiles Wirtschaftswachstum», berichtet der BNP-Volkswirt Stępień.

Aber nicht nur der Konsum ist eine Stütze der Wirtschaft, sondern auch der Export. «Die Unternehmen Ost- und Zentraleuropas sind stark auf die Eurozone konzentriert und weniger auf China. Deshalb sind sie jetzt vom Handelsstreit zwischen USA und dem Reich der Mitte auch weniger betroffen», weiss Stępień.

Zentraleuropa eilt dem Rest Europas davon

Das bedeutet: Das Wachstum in den vier Ländern wird weitergehen. «Zental-Europa wird sein robustes Wachstum in 2019 fortsetzen und auch wenn die Zuwächse im nächsten Jahr etwas zurückgehen, wird die Region auch 2020 schneller zulegen als die Eurozone», prognostiziert der Ökonom.

Anleger werfen deshalb einen Blick auf Aktien aus der Region. Osteuropa-Fonds wie der SEB Eastern Europe Small and Mid Cap Fund (ISIN: LU0086828794) schneiden dabei deutlich besser ab als der MSCI World. Während der Index in den letzten fünf Jahren um 65 Prozent steigen konnte, bringt der SEB Eastern Europe im selben Zeitraum ein Plus von 90 Prozent.

Sollte sich die globale und insbesondere die Konjunktur in der Euro-Zone vom Handelskrieg zwischen USA und China wieder befreien können, bekommen die vier Länder möglicherweise sogar noch mehr Dynamik und die Outperformance könnte weitergehen.