Zwei Faktoren könnten die Wachstumsentwicklung der Weltwirtschaft begünstigen: eine stärker als erwartete Erholung des Dienstleistungssektors und ein signifikanter Anstieg der privaten Ersparnisse und der überschüssigen Unternehmenseinlagen. Der Dienstleistungssektor hat bislang eine eher verhaltene Erholung erlebt. Wir erwarten, dass die Einschränkungen der Bewegungsfreiheit allmählich gelockert werden, wenn die Wirkung der Impfstoffe einsetzt.

Nachdem die Menschen einen Grossteil des Jahres 2020 in ihren Häusern eingesperrt waren, dürfte die Verbreitung des Impfstoffs auch dem Verbrauchervertrauen einen dringend benötigten Schub geben.

Dies dürfte gut mit den zusätzlichen privaten Ersparnissen und den überschüssigen Unternehmenseinlagen einhergehen, die sich im vergangenen Jahr angesammelt haben.

Dhiraj Bajaj ist Leiter Asien Fixed Income bei Lombard Odier IM.

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Uns ist auch klar, dass die Erholung der Kreditwürdigkeit der verschiedenen Schwellenländer sehr differenziert verlaufen wird.

Während es so aussieht, als hätten die entwickelten Märkte einen unmittelbaren Vorsprung gegenüber den Schwellenländern, erwarten wir eine signifikante Differenzierung innerhalb des Emerging-Market-Universums, die ihre Zukunft im Jahr 2021 und darüber hinaus bestimmen wird.

Dies wird wahrscheinlich durch die Geschwindigkeit der Rückkehr zum Wachstum, die Begünstigung durch ein Wiederaufleben des Multilateralismus und die erwartete Durchführbarkeit der Bilanzsanierung bestimmt werden.

Der Schlüssel zur Identifizierung von Schwellenmarkt-Wachstums-Outperformern im Jahr 2021 wird von drei Hauptfaktoren abhängen: dem Ausmass der Impfbereitschaft, dem Delta zum normalisierten Wachstum auf den Niveaus von 2020 und einem stabilisierten Wert des langfristigen Potenzialwachstums, der nach der vollständigen Bewältigung von COVID-19 erreicht werden kann.

Das Schlimmste überstanden 

Im Hinblick auf die Entwicklung der Länderratings erwarten wir, dass die schlimmsten Herabstufungen, die durch COVID-19 verursacht wurden, hinter uns liegen.

In Anbetracht der durch die Krise entstandenen Bilanzschäden erwarten wir jedoch für das nächste Jahr eine Fortsetzung des milden Abwärtstrends für die Schwellenmärkte.

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China als Trendsetter

Mit Blick auf China glauben wir, dass die Umorientierung der Prioritäten zu einem neuen langfristigen strukturellen Trend für Asien führen könnte.

Nach der erfolgreichen Bewältigung der Pandemie haben die Behörden vom Feuerlöschmodus auf eine strategische Sichtweise der langfristigen Wirtschaftsentwicklung umgeschaltet.

Mittelfristig glauben wir, dass ihre obersten Prioritäten sein werden: Duale Kreislaufwirtschaft und Management der Finanzstabilität.

Basierend auf diesen beiden neu ausgerichteten Prioritäten sind wir der Meinung, dass China in der Lage sein wird, auf kontrollierte Weise strukturelle Wachstumsmöglichkeiten zu schaffen, die das BIP-Wachstum bis 2035 um 75-100 Prozent steigern können.

Darüber hinaus sind wir der Ansicht, dass Chinas Ziel der Kohlenstoffneutralität zu einem höheren Investitionswachstum führen wird.

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Die Politik der drei roten Linien zur Kontrolle des Schuldenwachstums von Bauträgern wird wahrscheinlich zu einer erfolgreichen Beruhigung des Immobiliensektors führen.

Indien verlangsamt durch Pandemie

Es wird angenommen, dass sich das Wachstumspotenzial Indiens aufgrund der Störungen durch die Pandemie, der Bilanzbeschränkungen und der moderaten politischen Reaktion auf 6 Prozent verlangsamt hat.

Da die Regierung jedoch fest entschlossen ist, das mittelfristige Wachstumspotenzial freizusetzen und Impfstoffe zur Verfügung zu stellen, erwarten wir, dass die Rating-Agenturen eine abwartende Haltung gegenüber den indischen Staatsratings einnehmen werden.

Indem Indien sein Wachstumspotenzial ausschöpft, könnte es unserer Ansicht nach, eine Herabstufung seiner Bonität abwenden.