Die griechische Tragödie nimmt ihren Lauf, da seit den Neuwahlen vom 25. Januar 2015 die Athener Regierung in Brüssel die europäischen Finanzminister nicht überzeugen konnte. Sie müssen bis Ende Mai tragfähige und ausgearbeitete Pläne vorlegen, die Brüssel sowie die Europäische Zentralbank (EZB) überzeugen.

Ein immer wieder geforderter Schuldenschnitt bringt keine Lösung. Sollten diese Unterlagen nicht überzeugend für Brüssel sein, könnte dies für die Griechen der Austritt bedeuten, da sie kein Geld mehr erhalten.

Sie glaubten in den Verhandlungen als Profis auszutreten, sind aber als Amateure gescheitert. Bisher konnte die Europäische Zentralbank (EZB) das Land noch über Wasser halten, aber auch diese Geldschöpfung ist künftig trocken gelegt. Falls sich die Lage immer mehr zuspitzt sind soziale Unruhen in Griechenland nicht mehr auszuschliessen und ein Run auf die Banken wäre erst der Beginn einer griechischen Tragödie.

Keine Ansteckungsgefahr

Obwohl es die Europäer und ganz besonders die deutschen Steuerzahler treffen würde, wäre ein Austritt der Hellenen verkraftbar sein. Mehr als Dreiviertel aller Staatsschulden liegen bei privaten Gläubigern. Eine Ansteckungsgefahr auf die anderen Krisenländer innerhalb der Eurozone kann man ausschliessen, da ein solcher Weg die anderen Länder noch mehr zusammenschweissen würde.

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Es ist zu hoffen, dass es soweit nicht kommt. Denn in den Maastrichter Verträgen ist ein Ausscheren aus der gemeinsamen Währung nicht vorgesehen. Einen solchen Schritt könnte Griechenland nur selbst unternehmen, bei allen poltischen Streitigkeiten sieht es derzeit nicht danach aus, dass sich die Hellenen von den EU-Fleischtöpfen entfernen wollen.

Zudem muss Deutschland, falls es zu einem Hilfspaket kommt, die Zustimmung vom Parlament einholen. Dies ist aber zunehmend ungewiss, ob es dazu eine Mehrheit gibt. Die bisherigen Hilfeleistungen an Griechenland von über 260 Milliarden Euro haben das Parlament entzweit. Die Abgeordneten können Zusagen für weitere Hilfspakete zu Hause bei ihren Wählern nicht mehr vermitteln, daher muss das Kanzleramt alle Kraftanstrengungen unternehmen, um auch die abtrünnigen Politiker zu überzeugen. 

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