Ich ging durch die Stadt und sah, dass der Swisscom Shop am Kramhof voller Menschen war. Gab es dort etwas umsonst?

Eher nicht. Das neue Infinity Abo des Halb-Staatsunternehmens bietet neu zwar das kostenfreie Telefonieren in Europa an, es ist aber auch teurer. Gerade vor den Ferien ein verlockender Gedanke – mit den Lieben daheim so telefonieren wie gewohnt, das hat doch was. Aber sind es dann noch Ferien, wenn man die Schwiegermutter wie üblich morgens am Telefon hat, um die Schlaflosigkeit der letzten Nacht zu besprechen (in der man seit langem mal wieder die Nacht zum Tage gemacht hat und jetzt lieber in Erinnerungen schwelgen möchte)?

Ist es Entspannung, wenn sich abends wie üblich die beste Kollegin über ihre lieblose Beziehung beklagt oder die Kollegen im Büro «schnell anrufen», anstatt die Akte selbst zu suchen? Man möchte doch auch einmal davon «Ferien machen», will sich vielleicht selbst sogar ein wenig an den Kommunikationsentzug gewöhnen und die gewonnene Zeit in direkte Gespräche mit dem Partner oder einfach in das eigene Vergnügen investieren. Was passieren kann, wenn das nicht passiert, zeigt einem ja die Kollegin zuhause fast allabendlich.

Willkommener Ausweg aus quälenden Beziehungsgesprächen?

Gefährdet die neue Freiheit beim Telefonieren (die übrigens gar nicht so neu ist, andere Anbieter waren hier Vorreiter in der Schweiz) Ruhe und Frieden in den Ferien? Oder bietet sie einen willkommenen Ausweg aus quälenden Beziehungsgesprächen, der Notwendigkeit, sich mit sich selbst zu beschäftigen oder den ewig gleichen Diskussionen mit den Kindern im Teenageralter um die Bedingungen für den Ausgang?

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Ob sich die Menschen der Tücken dieser neuen Freiheit bewusst sind?

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