Frau Budde ist 93 Jahre alt. Frau Budde läuft. Mit dem Rollator. Aber es läuft bei ihr. Frau Budde ist meine Nachbarin. Sie sieht kaum noch etwas. Deshalb ist es ihr egal, ob es früher dunkel wird im Herbst. «Wenn Sie mir Hallo sagen wollen, wenn ich an Ihnen vorbeirolle, dann sagen Sie, wer Sie sind, Herr Kleiss! Sonst erkenne ich sie nicht. Ich will Sie doch so gern begrüssen, wissen Sie?», sagte Frau Budde vor einem Jahr. Es war zu Herbstbeginn.

Neulich traf ich sie wieder. Und sagte, wer ich bin. Es ist nicht heller um Frau Budde geworden, aber sie ist noch immer sehr helle im Kopf. Es war kurz vor halb sieben am Abend: «Ah, Sie gehen wieder laufen. Ist es schon richtig dunkel? Sind Sie auch warm angezogen? Haben Sie Taschentücher dabei? Haben Sie eine Taschenlampe? Und essen Sie genug Vitamine?», fragte Frau Budde.

Alles andere ist abgedeckt

Nichts davon hatte ich. Und ich hatte ein schlechtes Gewissen. «Alles tipptopp, Frau Budde. Ich muss los, es wird dunkel», sagte ich, drückte ihre Hand und mogelte mich in den dunklen Wald, in dem mir andere Läufer entgegenstolperten. Immer wieder tauchten sie aus dem Nichts auf. Nicht ungefährlich. Und ich ärgerte mich. Über mich selbst. Ich war so was von unequipped! Unfassbar!

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Wir reden von Laufschuhen, die Füsse und Gelenke schonen. Wir reden von gesunder Ernährung, wir reden von atmungsaktiver Kleidung. Davon, genug Flüssigkeit zu uns zu nehmen. Um dann in der Dunkelheit mit den Köpfen aneinanderzuknallen, um uns wegen schlechter Kleidung eine Grippe einzufangen. Am Ende werden wir von Autos platt gefahren, weil uns niemand sieht. Aber Hauptsache darüber diskutieren, ob man abends nun Kohlehydrate isst oder nicht.

Noch krasser ist es bei Radfahrern. Wenn Menschen in den Skiurlaub fahren, tragen sie einen Helm. Nun ist das Skifahren nicht unbedingt eine tägliche Beschäftigung. Viele fahren aber mit dem Rad. Täglich. Ohne Helm. Erklären Sie mir mal die Logik?

Dank Reflektoren und Co. freie Bahn

Es gibt keine Logik. Radfahrer sind auch nur Radfahrer und eitel. Läufer sind auch nur Läufer. Und eitel. Und wer will schon eine unsexy Stirnlampe tragen, um auszusehen wie ein Bergarbeiter? Und wer will schon blinkende Reflektoren tragen und aussehen wie ein fleischgewordener Weihnachtsbaum? Und eine gelbe Warnweste anziehen und aussehen wie ne Reifenpanne? Wer? Ich!                                  

Vor ein paar Tagen. An der Alster in Hamburg. Und ich kann Ihnen sagen, ich war so was von uncool zwischen all den Lauf-Hipstern. Und wissen Sie was? Es war zunächst mal ein riesiger Spass. Ich hatte an der total Jogger-überfüllten Alster Platz. Richtig viel Platz zum Laufen. Ich hatte mir für knapp 30 Euro eine moderne Stirnlampe gekauft, dazu eine sehr, sehr schöne grelle Streak-Warnweste für 25 Euro und ein paar blinkende Reflektoren für die Arme für je 13 Euro.

Die Massen waren geblendet von mir. Und ich teilte den Weg. Ein Traum. Ich wurde gesehen. Und ich konnte sehen. Ein Invest von rund 70 Euro brachte im ersten Moment jede Menge Ärger der anderen Läufer. Im zweiten Moment unglaublich viel Spass.

So was können echte Läufer tragen

Ich gestehe, es ist ein anderes Lauferlebnis, wenn man mit Stirnlampe läuft. Es hat einen gewissen «Wow»-Effekt. Der Lichtkegel schafft einen kühlen und doch angenehmen Kegel. Dennoch nehmen Sie den Weg ausserhalb dieses erleuchteten Radius durchaus wahr. Skurril und schön zugleich. In jedem Fall ein Erlebnis, und plötzlich macht es richtig Spass in der Dunkelheit zu laufen.

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Die LED-Kirmesbeleuchtung an den Armen hat zunächst etwas sehr Kindliches. Aber endlich rempelt Sie niemand mehr an. Weniger blaue Flecken, mehr Freiheit. Das Kindliche wird durch die Warnweste wieder wettgemacht. Sie steht für männlich, Schrauber, Öl, Stahl und Motoren. Echte Läufer können so etwas tragen.

Wichtig ist, dass Sie bei der Auswahl dieser Sicherheitselemente darauf achten, dass gerade die Reflektoren den europäischen Sicherheitsstandard erfüllen und die Zertifizierung DIN EN 471 haben.

Es gibt endlich keine Ausreden mehr

Für rund 70 Euro kann man sich nicht nur jede Menge Spass kaufen. Man erkauft sich auch Freiheit. Denn endlich ist der Druck weg. Sie müssen sich nicht mehr abhetzen, um noch im Hellen nach dem Job laufen zu können. Im Gegenteil, Sie freuen sich auf den Nachtlauf. Wichtig ist: Es gibt endlich keine Ausreden mehr. «Es ist noch/es ist dann doch schon dunkel, ich kann nicht laufen», ein für alle Mal zählt das nicht mehr.

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Entscheidend aber ist: Für wenig Geld bekommen Sie maximale Sicherheit. Sie schützen nicht nur sich selbst. Andere Läufer mögen vielleicht genervt, aber sollten Ihnen dankbar sein. Denn Zusammenstösse können recht schmerzhaft sein und böse enden.

Der allerwichtigste Grund für mich, diese Tools zu benutzen und nur noch im Dunkeln zu laufen, ist jedoch: Ich muss Frau Budde nicht mehr sagen, dass ich es bin. Selbst sie erkennt den irren Lauf-Kleiss in Zukunft schon von Weitem. So läuft es.

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