Die durch Covid-19 ausgelösten Lockdowns und massiven Einschnitte in die Märkte haben die Wirtschaft hart getroffen. Doch in manchen Bereichen wirkten sie auch wie ein Beschleuniger. Das ergaben die mehr als 170 virtuellen Panel-Diskussionen mit insgesamt 3000 Top-Führungskräften aus der ganzen Welt, darunter auch der Schweiz, die wir in den letzten eineinhalb Jahren durchgeführt haben.    

Mehr als 90 Prozent sind demnach überzeugt, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für eine fundamentale strategische Neuausrichtung ist. Und diese beabsichtigen rund drei Viertel der Befragten energisch voranzutreiben. Zusammenfassend lassen sich aus der Corona-Krise fünf Lehren für die Zukunft ziehen:    

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1. Veränderungs-Tempo aufrechterhalten    

Immer wieder war in unseren CEO-Diskussionen zu hören, dass sich Weichenstellungen und Projekte, für die sonst viele Jahre nötig gewesen wären, plötzlich in nur wenigen Wochen oder Monaten realisieren liessen. Dies betraf nicht nur die Flexibilisierung der Arbeit, sondern auch den Einsatz künstlicher Intelligenz, die Umsetzung nachhaltiger Geschäftsideen und insbesondere die Digitalisierung.
 

Thomas Lustgarten ist Chairman der Unternehmensberatung Bain & Company in der Schweiz.  

Insgesamt zeigte sich in den Unternehmen eine hohe Lern- und Anpassungsfähigkeit – das gilt gerade auch für die Schweiz. Dies ermöglichten vor allem die zusätzlichen Freiräume, die der Krisenmodus mit sich brachte. Die Mitarbeitenden handelte oft unternehmerischer und mit mehr Eigenverantwortung. Das gilt es nun langfristig in der Firmenkultur zu verankern!    

2. Grössenvorteile und Agilität kombinieren    

Wer sich schnell verändern will, braucht Agilität, partnerschaftliches Handeln und permanente Kommunikation – wie bei einer Neugründung. Gerade etablierte Firmen sollten ihre Grössenvorteile mit einem Selbstverständnis kombinieren, das dem reiferer Start-ups entspricht. Die Erfolgsformel lautet «Scale & Speed». Dabei dürfen sich die Unternehmen nicht in ihren Alltagsproblemen verstricken.

Vielmehr sollten sie Komplexitäten verringern und den verbindenden Geschäftszweck beider Welten möglichst einfach halten. Die Vision ist der Kompass. Wer Grosses wagt, so zeigte sich in den CEO-Panels, hat auch eine hohe Akzeptanz für den Future-Back-Ansatz. Dabei ist das Zukunftsbild immer klar vor Augen.    

3. Vom Purpose zur Aktion    

Die Mission Aufbruch muss an der Unternehmensspitze beginnen. Dabei spielt nicht mehr nur die betriebswirtschaftliche Sicht eine Rolle. Vielmehr befasst sich ein Kernteam aus den wichtigsten Führungskräften mit dem tieferen Sinn des unternehmerischen Handelns und entwickelt konkrete Leitlinien.

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«Purpose» oder «ESG» sind nicht länger blosse Schlagworte, sondern Sache des Topmanagements. Rund um den Globus ist CEOs bewusst, dass Unternehmen heute und in Zukunft liefern müssen, um zu echten «Citizen Firms» zu werden, die für eine neue Kunden- und Mitarbeitergeneration relevant bleiben.    

4. Nachhaltigkeit als strategisches Muss    

Themen rund um die ESG-Grundsätze (Environmental, Social, Governance) sind für die globale Wirtschaft das nächste grosse Thema nach der Digitalisierung. Die kürzlich vielerorts verschärften CO2-Neutralitätsziele werden fundamentale Veränderungen erfordern. Erhöht wird der Handlungsdruck dabei zunehmend auch durch Kapitalmärkte und Investoren – ein Beispiel hierfür ist nicht zuletzt Larry Finks «Letter to CEOs». Branchenübergreifend muss sich das Topmanagement in punkto Nachhaltigkeit künftig viel stärker als Antreiber, Kommunikator und Dirigent verstehen.    

5. Mehr Widerstandsfähigkeit in Zeiten des Wandels    

Die Resilienz etwa von Lieferketten wurde in den Jahren der Globalisierung nur wenig hinterfragt. Doch durch die Engpässe, die durch die Pandemie ausgelöst wurden, müssen Unternehmen solche Gefahren jetzt beachten. Der momentane Mangel an Halbleitern ist ein Paradebeispiel für die Verwundbarkeit ganzer Industrien. Um widerstandsfähiger gegen externe Umbrüche zu werden, bedarf es neuer Risikobetrachtungen. Das setzt voraus, dass CEOs neben dem finanziellen Aspekt auch strategische, operative, organisatorische und technologische Risiken wie die massiv gestiegenen Cyberangriffe im Blick haben.    

Tatsache ist: Unternehmen in der Pandemie und darüber hinaus auf Erfolgskurs zu halten, erfordert neben den richtigen Entscheiden auch viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung. Doch wer die fünf Lehren beherzigt, schafft es einen Fahrplan zu entwickeln, der die eigene Organisation fit für die Zukunft macht.      

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