Digitale Communitys aufbauen und unterhalten: Es gab dieses Thema bereits vor der Pandemie in einzelnen Bereichen der Eventbranche. So haben sich bei Finanzanalysten Telefonkonferenzen längst etabliert, in Kombination mit Analystentagen, die dann einmal jährlich analog stattfinden.

Inzwischen sind diese auch durch «digitale Roadshows» ergänzt worden. Auch globale Unternehmen aus der Softwarebranche hatten schon vor einigen Jahren virtuelle Town-Hall-Meetings eingeführt, damit die über die ganze Welt verstreuten Programmierer und Coder mitmachen konnten.

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Alle Varianten digitaler Konferenzen schlagen sich mit mehreren Herausforderungen herum: Zunächst ist die Streaming-Technologie auf robuste Bandbreite angewiesen. Dann muss ein Networking unter den Teilnehmenden organisiert werden. Viele Veranstalter planten dafür bei Live-Events extralange Kaffee- und Lunchzeiten. Digital funktioniert das nur noch eingeschränkt.

Jetzt zum Ende der Pandemie müssen digitale und traditionelle Varianten beim Aufbau und Unterhalt der Communitys geschickt kombiniert werden – denn schon die gekürzten Reisebudgets werden Besuche von eintägigen Konferenzen an einem anderen Ort fast unmöglich machen. «Zurzeit erlauben die Unternehmen weiterhin keine Reisen», stellt Alain Egli fest, Sprecher des Gottlieb Duttweiler Institute (GDI) in Rüschlikon bei Zürich.

Streaming bleibt

«Unserer Konferenzen wurden schon immer über Livestreams begleitet», sagt Tom Rieder, der das Swiss Economic Forum (SEF) organisiert. «Infolge von Corona und Veranstaltungsverbot haben wir jedoch verschiedene neue Formate ausprobiert und lanciert: Von kurzen Talk-Runden über den Mittag oder an Randzeiten, Ganztageskonferenzen, mehrtägigen Online-Festivals, Grossproduktionen im TV-Studio über Produktionen vor Ort vor einer kleinen Schar geladener Gäste – wir haben nichts ausgelassen.»

Sein Fazit: «Die Inszenierung und Programmierung von grossen und guten hybriden oder virtuellen Veranstaltungen ist sehr aufwendig und muss spezifisch auf das Online-Publikum zugeschnitten werden. Das Publikum schätzt die Möglichkeit einer virtuellen Teilnahme, gerade wenn eine Teilnahme vor Ort nicht oder nur beschränkt möglich ist.»

«Reine Online-Formate hatten leicht höhere Anmeldezahlen»

Pascal Novotny

Nachdem 2020 bei hybriden Events der Anteil von virtuellen Teilnehmenden noch bei rund 50 Prozent lag, sei dieser nun auf etwa 15 Prozent geschrumpft. «Wir haben gesehen, dass reine Online-Formate vom FuW-Forum leicht höhere Anmeldezahlen hatten», ergänzt Pascal Novotny, Managing Director beim Finanz und Wirtschaft Forum aus Zürich. «Die No-show-Ziffer war aber auch höher.»

Auch komme es auf das Zielpublikum an, ob ein Format virtuell funktioniert oder nicht. «Grundsätzlich funktionieren Gratiswebinare zu spezifischen Themen wie Anlagen oder KI sehr gut», so Novotny. «Kostenpflichtige Foren funktionieren eher als Ergänzung zum Live-Event. Auch sind simple Streams von Live-Events für unsere Partner nicht befriedigend. Das persönliche Networking fehlt.»

Digitale Communitys

«Für eine Branche, in der es seit Jahren wenig Innovation gab, ergeben sich jetzt eigentlich nur Chancen», sagt Alain Egli. «Virtuelle Events ermöglichen es, dass mehr Leute aus ganz unterschiedlichen Regionen Wissen und Ideen teilen können. Theoretisch kann man jetzt die ganze Welt einladen, beispielsweise am WEF Davos teilzunehmen.» Die technischen Möglichkeiten, um solche Riesenkongresse durchzuführen, werden schnell besser und billiger.

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«Ich gehe davon aus, dass wir bald ein ‹Netflix für Kongresse› haben werden», so Egli weiter. «In Zukunft werden wir uns ähnlich wie in der physischen Welt in digitalen Zwillingswelten bewegen und begegnen können.» Es seien aber neue Match-Making-Algorithmen nötig, die dann spannende Zufallsbegegnungen ermöglichen. «Wir sehen aber auch eine Online-Müdigkeit und spüren, dass sich die Menschen wieder in die Augen schauen wollen, Hände schütteln und miteinander beim Apéro anstossen wollen», sagt Novotny.

«Sehr herausfordernd ist, dass viele Plattformen für Online-Veranstaltungen technisch noch nicht ausgereift sind», berichtet Rieder aus der Praxis. Hier hat man viele Formate ausprobiert, von Speeddating, über Themen-Round-Tables bis hin zu Quiz-Sessions. Gemeinsam einen Tag zu erleben, sich inspirieren zu lassen, verbinde Menschen. «Online fehlt dieser Teil», so Rieder.

«Kurze Formate zur Inspiration sind online gut durchführbar. Längere, mehrtägige Konferenzen werden aus meiner Sicht auch in Zukunft live durchgeführt.» Technologien aus dem Gaming würden zukünftig dazu beitragen, dass gemeinsame virtuelle Erlebnisse immersiver und somit besser werden. «Hybrid bleibt aber relevant, um verpasste Referate im Nachhinein zu konsumieren», so Rieder.

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