Gerade in den Lockdown-­Wochen wurde die Job-Sinn­frage für viele zum ständigen Begleiter. Hat das, was ich mache, überhaupt einen Zweck? Bin ich auf der richtigen Spur? Und wie verhindere ich, dass mit dem Auslaufen der Homeoffice-Zeit der Trott wieder von vorne beginnt? Der frisch erschienene Ratgeber «Traumjob für Dummies» will denjenigen, die sich mit diesen Fragen quälen, eine Schritt-für-Schritt-Anleitung bieten.

Autor und Diplompsychologe Christoph Burger ist als zertifizierter Change Manager und Management-Trainer in der Nähe von Stuttgart tätig. Neben zwei Büchern darüber, wie man Wut und Zorn gekonnt in positive Energie umwandelt, veröffentlichte er das Werk «Karriere ohne Schleimspur – Wie Sie Charakter zeigen und trotzdem Erfolg haben» (Linde 2012).

Job-Ratgeber mit Mitmach-Pflicht

Sein neuestes Werk will, in sechs grosse Themenbereiche unterteilt, praktische Hilfestellung auf dem Weg hin zum Traumjob leisten. Gleich zu Beginn rechnet er mit einem Credo ab, das gängige Traumjob-Ratgeber gemein haben: «Es gibt eine Berufung für jeden Menschen!»

Christoph Burger schliesst nicht aus, dass es eine Mission geben kann, die «tief im Inneren schlummert und darauf wartet, von Ihnen entdeckt zu werden», er will aber diejenigen aufrütteln und befreien, die auf der verbissenen Suche nach der Entdeckung ihrer Berufung verzweifeln. Denn: Es sei egal, ob man eine Berufung habe oder nicht.

Weitere gängige Glaubenssätze, die eine realistische Erwartungshaltung unmöglich machen, zählt er in der Liste «Zehn Missverständnisse zum Thema Traumjob» auf. Darunter: «Der Traumjob wendet alles zum Besseren», «Jeder Mensch braucht einen Traumjob», «Der Traumjob ist genau ein Job», «Traumjobs werden traumhaft bezahlt» oder «Der Traumjob gibt sich sofort zu erkennen».

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In der Job-Frage gekonnt Entscheidungen treffen

Auch wenn der Autor eifrigen Traumjob-Suchenden damit ein Fünkchen ­Euphorie zu rauben scheint, kommt das Buch keineswegs mit strengen Beleh­rungen daher. Vielmehr will Burger den Leser frei von blockierenden Glaubens­sätzen machen und zum Nachdenken, Hinterfragen und Tun animieren: «Seien Sie mutig! ­Gehen Sie es an!»

Dabei geht er sowohl da­rauf ein, wie Menschen gekonnt Entscheidungen treffen, als auch darauf, wie ­Arbeitsmarkt und Personalabteilungen funktionieren und wie Bewerbende ihre Jobchancen ­beeinflussen können.

Im praktischen Teil des Buches helfen Mitmach-Tabellen ­dabei, die eigene Ist-Situation zu analy­sieren, Stärken, Talente, Sinnwahrnehmung, Werte und Antreiber zu erkennen und im Einklang mit der eigenen Persönlichkeit Entscheidungen zu treffen.

Burger nennt auch Modelle und weiterführende Links, die bei der systematischen Analyse eigener Persönlichkeitsmerkmale und Interessen helfen können. Schliesslich mündet das Werk in konkreten Psychologie-­Tricks rund ums Unterbewusstsein und die Vermeidung von Stressfaktoren. Mit ­deren Hilfe kann man dann das Bild des Traumjobs konkreter werden lassen und durch klare Etappenziele, Disziplin und ein positives Mindset die Motivation auf dem Weg hin zum Traumjob aufrechterhalten.

Der aktuelle Job als Traumjob?

Von einem erzwungenen oder überstürzten Neuanfang hält er wenig. Sein Tipp: «Den aktuellen Job optimieren – später kündigen.» So kann in Ruhe und ohne Druck vom neuen Job geträumt und später für den neuen Job gekämpft werden. Und auch stets fragen: «Könnten Sie nicht auch Ihren aktuellen Job zum Traumjob machen?»

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Christoph Burger: «Traumjob für Dummies». Wiley-VCH, Weinheim. 314 Seiten, 26.90 Franken.

Quelle: PD

Gespickt von eindringlichen Sätzen wie «Ohne Sinn kein Traumjob» oder «Kluge Entscheidungen nutzen immer Verstand und Gefühl» geht der Autor schnell ans Eingemachte. Trotz umfassenden Informationen, die wertvolle aktuelle Erkenntnisse aus den verschiedensten Bereichen der Arbeits-, Persönlichkeits- und Sozialpsychologie zusammenfassen, aktiviert Burger die Leserinnen und Leser auf unterhaltsame Weise, ohne zu überfordern. Er spricht sie dabei direkt an.

Zahlreiche Zwischenüberschriften bieten Orientierung – so muss das 314 Seiten dicke Werk nicht von A bis Z gelesen werden. Grafisch gekennzeichnete Tipps, Merksätze, Checklisten, Mitmach-­Tabellen und Beispiele lockern den Lesefluss zusätzlich auf und nehmen den Leser praktisch an die Hand.

Traumjob als Zwang zum Glück

Studien zeigen, dass besonders die ­Generationen Y und Z, also die heute unter 35-Jährigen, die mitten in Jobeinstieg und Selbstfindung stecken, Sinnhaftigkeit im Job suchen. Wie die Psychoanalyti­kerin Maja Storch vom Institut für Selbstmanagement und Motivation in Zürich weiss: «Die Werte dieser Generationen sind geprägt von einem selbstauferlegten Zwang zum Glücklichsein – eine Riesenlast, die bei schnellen Entscheidungen hemmt und zu Orientierungslosigkeit führt.» Umso wertvoller scheint das ­aktuelle Werk von Christoph Burger.