Ganz neu ist der Zwiespalt ja nicht: Man hört ständig, dass ältere Menschen auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt werden – als Erste entlassen, als Letzte zum Bewerbungsgespräch eingeladen. Anderseits besagen die Daten der Arbeitsämter, dass die Zahl der über Fünfzigjährigen nicht grösser ist als beispielsweise jene der jungen Altersgruppen. Nun kommt der Branchenverband für Outplacement ACF Switzerland und bestätigt das Bild: «Arbeitslose über fünfzig fanden schneller einen neuen Job als der Durchschnitt», lautet der Titel einer Mitteilung von heute.

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Der Verband erfasste die Wege von 4200 Stellensuchenden, die sich 2021 von den ACF-Mitgliedern professionell beraten und begleiten liessen. Im Durchschnitt fanden diese Personen nach rund sieben Monaten eine Neuanstellung. Das war kürzer als 2020 – und sogar kürzer als 2019, dem letzten Jahr vor Corona.  

Die «Great Resignation» ist was für Jüngere

Speziell erfolgreich bei der Stellensuche waren Personen, die älter als fünfzig Jahre waren: Der Wert lag unter sieben Monaten. Konkret: Im Schnitt fanden diese Menschen nach 6,73 Monaten einen neuen Job – gegenüber 7,04 Monaten bei allen Kandidatinnen und Kandidaten.

Allerdings: Das heisst nicht, dass Arbeitssuchende über fünfzig weniger Stress haben. Im Gegenteil. Dies jedenfalls deutet die Erklärung der Outplacement-Coaches an, sie berichten: Stellensuchende über fünfzig seien aktiver bei der Suche und investierten auch mehr Zeit in Weiterbildungsmassnahmen. Sie engagieren sich also, um ihre Arbeitsmarktfähigkeit zu verbessern – was dann offenbar auch tatsächlich oft zum gewünschten Erfolg führt.

Anders gesagt: Jüngere leisten es sich in dieser Zeit der «Great Resignation» eher, die Suche nach dem neuen Job locker anzugehen.

Insgesamt fanden 85 Prozent der betreuten Stellensuchenden innert acht Monaten eine neue Beschäftigung.

Im letzten Jahr kam die grösste Gruppe der Stellensuchenden (43,85 Prozent) erstmals aus dem Industriesektor, gefolgt vom Dienstleistungssektor (42,59 Prozent). Leicht zugenommen hat erneut die Zahl der Stellensuchenden aus Verwaltungsstellen (6,52 Prozent). Als auffallend bezeichnen die Outplacement-Berater zudem den sehr starken Anstieg des Non-Profit-Sektors (7,04 Prozent gegenüber 5,37 Prozent 2020). In der Vergangenheit hatten staatliche Verwaltungen und Non-Profit-Organisationen Outplacement-Dienstleistungen eher weniger genutzt.

Den Schritt in die Selbstständigkeit wagten 2021 nur noch rund 5 Prozent der betreuten Kandidatinnen und Kandidaten – nach einem Höchststand im Vorjahr (2020: knapp 10 Prozent). «Dies lässt sich dadurch erklären, dass der Arbeitsmarkt 2021 als logische Erholung nach dem ersten Pandemiejahr viele Möglichkeiten bot», so die Interpretation des ACF Switzerland.

(rap)