Die Füsse im Infinitypool, das Cocktailglas auf dem Beistelltischchen und den Laptop auf dem Schoss, um E-Mails zu versenden: Das ist Workation – die Verbindung von Arbeit und Ferien. Warme Destinationen wie Bali oder Portugal prägen das Bild des Arbeitsplatzes am Ferienort. Doch es muss nicht immer das Ausland sein. Workation funktioniert auch in der Schweiz.

Statt des Pools lockt der Ausblick auf Gipfel und Bergsee. Statt Sandalen stehen die Wanderschuhe auf der Matte. Und neben dem Laptop wartet anstelle des Cocktails das lokale Bier oder der heimisch geröstete Kaffee. 

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Dabei punktet die Schweiz nicht nur mit ihrer idyllischen Natur. Ausgestattet mit einer fortschrittlichen Infrastruktur bietet das Land alles, was es für einen erfolgreichen Workation-Aufenthalt braucht. Und mit kurzen Wegen von den Ballungszentren in die ruhige Landschaft liegt die Verbindung von Arbeit und Urlaub besonders nahe. 

Einen Arbeitsplatz im Büro, einen zu Hause und dann temporär noch einen dritten in einer Feriendestination – vieles spricht für die Abwechslung. Arbeitgebende sehen den Trend als neue Möglichkeit, um sich von der Konkurrenz abzuheben und, gerade in Zeiten des Fachkräftemangels, um Mitarbeitende für sich zu gewinnen. Diese wiederum sehnen sich nach einem Tapetenwechsel und weniger Stress

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Doch nicht nur die Nachfrageseite lässt Workation-Angebote aufblühen. Hoteliers und Marketingleute sehen auch eine Möglichkeit, die Betten in der Nebensaison auszulasten. Die Entwicklung in der Schweiz befindet sich zwar noch in den Anfangsstadien, doch es gibt bereits erste Möglichkeiten. Wir stellen drei davon vor:

1. Workplayz: Die Plattform für Workation in der Schweiz

Workplayz bildet das Bindeglied zwischen Bergdestinationen und Firmen, die ihren Mitarbeitenden einige Tage im Bergoffice bieten möchten. Die Firma bucht dabei für eine bestimmte Anzahl Mitarbeitende und einen definierten Zeitraum für Workation-Aufenthalte.

Die einzelnen Mitarbeitenden können dann – ohne Aufpreis für das Unternehmen – aus einer der zwanzig Destinationen auswählen: vom Hotel mit Wellnessbereich in Adelboden über die Destination mit Langlaufloipe im Tessin bis zum Co-Working in Burgdorf.

Workplayz bietet Destinationen wie Burgdorf oder Adelboden

Wellnessbereich in Adelboden (Bild links) und Co-Working in Burgdorf (Bild rechts): Workplayz hat über zwanzig Orte im Angebot.

Quelle: ZVG

Gemäss Mitgründerin Deborah Luetolf-van Zee buchen Unternehmen Workation-Aufenthalte, um neue Mitarbeitende anzuziehen und bestehende zu behalten. Der Arbeitsplatz in der Feriendestination zielt dabei vor allem auf die Generation Z (Jahrgänge 1997 bis 2010) ab, die bekanntlich mehr von zukünftigen Arbeitgebenden fordert als vorangehende Generationen. 

Durchschnittlich drei bis vier Wochentage verbringen Mitarbeitende in der Bergidylle. Einigen gefalle es so gut, dass sie das Wochenende für einen Kurzurlaub anhängen, so Luetolf-van Zee. «Beliebt sind Workation-Aufenthalte vor allem in der touristischen Nebensaison – September bis November und Mai bis Juni», erzählt die Mitgründerin. Das helfe den Partnerhotels beim Füllen der Nebensaison.

2. Hotel Zermama: Das umfunktionierte Berghotel in Zermatt

Im Hotel Zermama trifft Co-Working auf Hotel – ein Gemeinschaftsprojekt der traditionellen Hotelleriefamilie Julen und dem Co-Working-Anbieter Puraworka. Hier startet ein Workation-Aufenthalt mit einem ausgiebigen Frühstück. Dann werden die Mails im Co-Working-Space beantwortet, bevor am frühen Nachmittag die Zermatter Bergwelt ruft. 

Zu diesem Zweck verwandelten Sandrine Julen (Inhaberin des Hotels Zermama) und Neil Beecroft (Mitgründer von Puraworka) das ehemalige Hotel Admiral in einen Raum für Ferien und Arbeit. Einige Räumlichkeiten nutzt das Zweiergespann dabei multifunktional: Der Weinkeller wird tagsüber zum Meetingraum und das Frühstücksrestaurant zum Co-Working-Space.  

Auf diese Weise sollen die Workation-Gäste das Beste aus beiden Welten – Arbeit und Freizeit – für sich entdecken. Im Unterschied aber zu anderen Workation-Anbietenden möchte das Hotel Zermama die zwei Welten nicht verschmelzen lassen, sondern sie einander näherbringen. Denn den beiden Drahtziehern ist eine Trennung von Arbeit und Freizeit nach wie vor wichtig.

Damit das gelingt, haben sie die Infrastruktur der Schlafräume ebenfalls angepasst: Gäste finden dort keine Tische mehr, damit die Erholung im Fokus steht. Gleichzeitig soll dadurch die Motivation zur Nutzung des Co-Working-Spaces steigen und die räumliche Trennung von Arbeit und Ferien gelingen.

3. Innhub La Punt: Das Zukunftsprojekt 

Im Talboden von La Punt im Engadin sollen bis 2025 auf gut 7000 Quadratmetern Arbeits- und Seminarräume, ein Geschäft für lokale Produkte, ein Sport- und Medizinzentrum, Wohnungen sowie ein Café entstehen. 

Nach Gioia Deucher, CEO des Innhub La Punt, schafft das Projekt einen Campus der Innovation, welcher über Workation hinausgeht. Dafür werden gezielt verschiedene Disziplinen zusammengebracht. Eine breite Vielfalt an Personen trifft sich, die Arbeit, Freizeit und Natur verbinden möchten. Bei der Arbeit in der Begegnungszone können sich neue Netzwerke ergeben.

Für Gruppen, aber auch Einzelpersonen bildet der Innhub La Punt somit Arbeitsplatz und Treffpunkt zugleich. «Dies fördert gezielt neue Ideen und Denkansätze», erklärt Gioia Deucher.    

Das Potenzial der zukünftigen Begegnungszone unterstreicht der Blick in die Liste der Investoren und Investorinnen. Unter ihnen finden sich das Unternehmerpaar Regula und Beat Curti, der On-Gründer Caspar Coppetti, die Community Mia Engiadina sowie der Rechtsanwalt und Digitalisierungsförderer Christian Wenger.

Die 300 besten Hotels

Die Villa Feltrinelli ist das beste Ferienhotel Europas. Das zeigt das jährliche Ranking der «Bilanz». Die Villa stammt von 1892 und war einst der Sommersitz einer italienischen Papiermagnatenfamilie. Es liegt idyllisch an der Küste des Gardasees. Ein Landhaushotel mit jeder Menge Platz und Privacy. «Wir sind alle stolz darauf, hier tätig zu sein», sagt Markus Odermatt, seit 2001 Hüter des Juwels, gebürtiger Luzerner. 

In der Schweiz verteidigt das Alpina Gstaad den Spitzenplatz. Die 56 Zimmer im feinsten Chalet Chic gehören seit Jahren zum Besten, was die helvetische Hotellerie hervorbringen kann, dicht gefolgt vom Castello del Sole in Ascona, das auch in diesem Jahr wieder bestens gebucht ist. 

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