Greta? Welche Greta? Die Häme war nicht zu überhören, als die erste Corona-Welle die Schweiz erfasste und die grüne Welle überlagerte. Alle Welt sprach vom Virus, die Kids blieben gezwungenermassen zu Hause, auch freitags. Und das Mädchen aus Schweden, das ein Jahr zuvor die Weltbühne betreten hatte, war aus den Schlagzeilen verschwunden. Doch nur weil man etwas nicht sieht, heisst es noch lange nicht, dass es nicht da ist.

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Faktor Grün allein erklärt Verschiebungen nicht

Ihr Vormarsch geht auf Kosten der bürgerlichen Parteien, die FDP hat bis anhin 17, die SVP 14 Sitze verloren. Aber die Grünen gewinnen auch auf Kosten der Sozialdemokraten, die aktuell mit 12 Sitzen im Minus stehen.

Doch der Faktor Grün allein reicht nicht, um die tektonischen Verschiebungen zu erklären, die derzeit die Schweizer Politlandschaft erfassen und die etwa am 27. September zum Fast-Absturz der neuen Kampfjets geführt haben.

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Frauen agieren politisch eigenständig

Der zweite und wohl noch gewichtigere Grund dürfte die deutlich verstärkte ­Mobilisierung bei den Frauen sein, die ­zudem beim Ausfüllen des Stimmzettels – ­salopp gesagt – nicht länger die Meinung des Ehemanns abfragen und sich viel früher als in der Vergangenheit eine eigene Meinung bilden.

Auch der Politologe Lukas Golder vom Gfs.Bern vermutet, dass die grösste Veränderung im politischen Gefüge von den «zusätzlich mobilisierten und eigenständig politisch agierenden» Frauen ausgehe. Sie seien tendenziell umwelt- und klima­freundlicher, solidarischer und armeekritischer, in identitären Fragen aber durchaus ähnlich konservativ wie Männer.

 

Am 7. Februar 1971 sagten 65,7 Prozent der Männer und 15½ Kantone Ja zur Einführung des Frauenstimmrechts. 50 Jahre später zeigen sich die Folgen.

Das heisst, ein Teil dieser neu ­mobilisierten Frauen hat sich tendenziell gegen den Flieger, aber für die Begrenzungsinitiative der SVP ausgesprochen. Und das heisst auch, dass das alte Links-rechts-Schema nicht mehr reicht, um die komplexe Realität zu erklären.

Wer aus Bequemlichkeit weiter darauf baut, dürfte an der Urne die eine oder andere Niederlage einfahren. Und so werden 50 Jahre nach der Einführung des Frauenstimmrechts die Karten definitiv neu gemischt.