Es war eine Stabübergabe der besonderen Art. An der Generalversammlung von Anfang April wurde Herbert Scheidt (70) verabschiedet, nach zwanzig Jahren bei der Bank, davon neun Jahre als CEO und dann elf Jahre als Präsident. Sein Abgang markiert eine Zeitenwende, denn Scheidt hat die Bank bis ins Mark geprägt. Dies in enger Zusammenarbeit mit CEO Zeno Staub, der 2011 den operativen Chefposten übernahm.

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Den Erfolg der Bank – die verwalteten Vermögen haben sich in der Zeit von 45 auf 244 Milliarden verfünffacht, die Mitarbeiterzahl von 940 auf 2100 mehr als verdoppelt – führen Bankkenner auch auf das gute Zusammenspiel von Staub und Scheidt zurück, die auch persönlich ein gutes Verhältnis hatten.

Klar ist also, dass Nachfolger Andreas Utermann, vorher lange Chef der Investmentgesellschaft Allianz Global Investors, in grosse Fussstapfen tritt. Und dass sich das Machtgefüge neu einspielen muss.

Im Rahmen des Stabwechsels scheinen alle Beteiligten daher auf eine Message besonderen Wert zu legen: Kontinuität. «Meine oberste Aufgabe wird sein, den eingeschlagenen Weg von Vontobel in seiner Umsetzung mit langfristigem Blick zu unterstützen», so Utermann in seiner Rede.

Kontinuität soll offenbar auch im persönlichen Zusammenwirken der beiden Chefs signalisiert werden. Und so überhäufen sich Staub und Utermann auf Social Media mit Nettigkeiten. Auf LinkedIn gratuliert Staub dem neuen Chairman nach der Wahl, und dieser bedankt sich mit den Worten: «You are a key reason I came – let’s have fun.»

Vontobel: Präsident Andreas Utermann / CEO Zeno Staub

STIRNRUNZELN Die Wortwahl im LinkedIn-Post sorgt für Verwunderung.

Quelle: Screenshot Linkedin

Der Wortwechsel sorgte vielerorts in der Bank für Stirnrunzeln, denn der Präsident wirft sich seinem CEO damit regelrecht an den Hals. Dass er Staub als Hauptgrund dafür nennt, dass er selber zur Bank gekommen ist, lässt die für die Rolle eines Chairmans nötige Distanz vermissen, denn der Chairman ist der Vorgesetzte des CEO und muss diesen im gegebenen Fall auch absetzen können.

Dass Utermann in der Euphorie auch noch ein Tippfehler unterläuft – «togather» statt «together» –, passt zum Bild des fast reflexartigen Schulterklopfens (siehe oben).

Seine Huldigung an Staub stärkt diesen weiter. Der erfolgreiche Aufbau der Bank in den letzten zehn Jahren hat das Selbstbewusstsein des CEO geschärft und seine Position in der Bank gestärkt, umso mehr, als Scheidt in den letzten Jahren wegen anderer Aufgaben, etwa als Präsident der Bankiervereinigung, oft anderweitig absorbiert war. Dass Staub intern keinen klaren Nachfolger aufgebaut hat, trägt zu seiner Unersetzlichkeit bei.

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Dabei wäre es für Utermann gar nicht nötig, das gute Verhältnis im neuen Führungsduo zu demonstrieren. Denn es gibt keinen Grund, dass nicht auch Staub und Utermann ebenso gut wie das bisherige Gespann funktionieren sollten – und in der Bank wird auch nicht von Spannungen berichtet.

Utermann und Staub ergänzen sich gut, und der Deutsche bringt als langjähriger Asset-Management-Profi auch das passende Rüstzeug mit als Präsident für die neu ausgerichtete Vontobel-Gruppe, die sich heute vor allem als Investmenthaus sieht und von sich selbst schon gar nicht mehr als Bank redet.

Dass er im Duett führen kann, hat Utermann ebenfalls bewiesen, bekleidete er in seiner Karriere doch mehrmals Co-Head-Posten. Vor seiner Zeit bei Allianz Global Investors war er lange für Merrill Lynch Investment Managers tätig. Auch der akkurate Suchprozess für den Nachfolger von Scheidt – laut Insidern wurde die Suche nach einem neuen Präsidenten bereits 2019 gestartet – spricht für eine gut abgestützte Wahl. Im Rahmen der Suche hat Utermann auch mehrere Tage mit Vertretern der Besitzerfamilie und der Bankführung verbracht – unter anderem auch mit Zeno Staub.