Das Umfeld für Börsengänge ist schwierig. Die hohe Volatilität an den Aktienmärkten hat schon viele Schweizer Emittenten verschreckt. Im ersten Quartal 2022 fand kein einziger klassischer Börsengang statt, und auch für das zweite Jahresviertel angekündigte Transaktionen wurden vorerst auf Eis gelegt – so hat ABB das IPO ihrer E-Mobility-Tochter verschoben, und auch die ehemalige Nestlé-Tochter Galderma hat die Pläne für einen milliardenschweren Börsengang vertagt.

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«Die Preisfindung ist in diesem Umfeld viel anspruchsvoller als in Phasen tieferer Volatilität», sagt Andreas Neumann, Leiter Equity Capital Markets bei der Zürcher Kantonalbank. Neumann erwartet, dass die Volatilität an den Aktienmärkten in den kommenden Monaten hoch bleiben wird – entsprechend würden auch die Emittenten mit Börsengängen eher zuwarten.

Eine Reihe chinesischer Emittenten trotzt den Turbulenzen an den Aktienmärkten und bringt sich für den Gang an den Schweizer Aktienmarkt in Position. In den vergangenen drei Monaten haben sieben Unternehmen aus China angekündigt, sogenannte Global Depositary Receipts (GDR) an der Schweizer Börse auszugeben. Der grösste Debütant ist Joincare Pharmaceutical, eine Biopharmafirma aus Shenzhen mit einer Marktkapitalisierung von 23 Milliarden Dollar.

Mit Hilfe des grenzüberschreitenden Listing-Programms möchte Joincare in der Schweiz 300 bis 400 Millionen Dollar aufnehmen. Das Segment für GDR-Listings gibt es in der Schweiz schon seit 2007, bisher wurden aber keine dieser Papiere hier auf den Markt gebracht. Daher müssen noch einige Formalitäten angepasst werden. Der SIX ist es wichtig, dass für die chinesischen Firmen dieselben Anforderungen gelten wie für andere bei SIX kotierte Unternehmen.

So müssen etwa die Handelszeiten in Europa oder die Ad-hoc-Publizitätspflicht – Meldungen müssen selbstverständlich ausser auf Chinesisch auch auf Englisch veröffentlicht werden – geregelt sein. Drei der geplanten Börsengänge sind schon weit fortgeschritten, die Prospekte wurden bereits eingereicht.

ABWARTEN Kein gutes Timing für IPOs finden Björn Rosengren (ABB, l.) und Flemming Ørnskov (Galderma).

Kein gutes Timing für IPOs finden Björn Rosengren (ABB, l.) und Flemming Ørnskov (Galderma).

Quelle: Joseph Khakshouri, Reuters

Der Schweizer IPO-Markt ist im Vergleich zu anderen Ländern auch in besseren Marktphasen klein. Das grosse Interesse chinesischer Emittenten – im Februar wurde die Schweiz in das Stock-Connect-Programm aufgenommen – ist angesichts der anhaltenden Unsicherheit an den Finanzmärkten für den Börsenbetreiber SIX ein kleiner Triumph.