Im Pandemiezeitalter hört man den Satz häufig: «Der erfolgreichste Chief Digital Officer der Welt heisst Covid-19.» Einen Digitalisierungsschub, der sonst mindestens zwei Jahre gebraucht hätte, hat Corona der Schweiz gebracht, so die gängige Meinung. Wie aber ändert die Pandemie die Haltung der Schweizer zur Digitalisierung? Was sind ihre Ängste und Hoffnungen bezüglich ­einer digitalisierten Welt? Das wollte die Unternehmensberatung Oliver Wyman wissen.

Für ihre Studie «Digital DNA» befragte sie Ende September 1500 Schweizer. Die Kernaussagen: «Die Hoffnung auf neue Jobs durch die Digitalisierung steigt, besonders in krisen­resistenten Branchen», sagt Nordal Cavadini, Partner bei Oliver ­Wyman. Dabei sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen jedoch enorm.

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Die einen sehen Chancen, die anderen haben Angst

Auffallend, dass ­Ausländer die Digitalisierung eher als Chance sehen denn die Schweizer – «dieser Personenkreis arbeitet hierzulande auch oft in der IT», so Kolja Dutkowski, Prin­cipal bei Oliver Wyman.

Ganz unterschiedlich zeigt sich in den ­Berufsgruppen auch die Angst, mit dem Fortschritt nicht mehr mithalten zu können: Besonders ausgeprägt ist diese Befürchtung im Gastgewerbe und im Bau, weniger im verarbeitenden Gewerbe oder bei Freiberuflern.

Männer bewerten die Effekte der Digitalisierung auf die Gesundheit deutlich positiver als Frauen: Besonders junge Frauen fühlen sich unter Druck durch das Internet – der Selbstdarstellungsdrang auf sozialen Medien dürfte hier ein Faktor sein.

Akzeptanz digitaler Lösungen im Gesundheitswesen

Zudem ist im Gesundheitswesen die Akzeptanz digitaler Lösungen klar gestiegen, etwa zur Krankheitsdiagnose – «naheliegend, dass die Covid-Tracing-App hier ein Faktor ist», so Cavadini.

Auch hat sich die Bereitschaft erhöht, in diesem Kontext sensible Daten weiterzugeben. Sehr skeptisch sind die Schweizer weiterhin, wenn es gilt, ihre Daten Onlinehändlern wie Amazon oder Techfirmen wie Google zu überlassen.

Die Sharing Economy in der Schweiz ist durch Corona – wenig überraschend –nicht vorangekommen. Und 26 Prozent der Schweizer sehen das Internet noch immer vornehmlich als Bedrohung: Die Datenpannen bei der Swisscom und die Hackerangriffe auf den Rüstungs­konzern RUAG dieses Jahr dürften hier mit reinspielen. 

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