Diesen Herbst grünt es am Schweizer Kapitalmarkt. Der Bund wird in den nächsten Wochen erstmals Green Bonds begeben. Bisher gab es keine «Eidgenossen», wie Schweizer Staatsanleihen scherzhaft genannt werden, mit einem grünen Label. Die Mittel, die mit diesen Anleihen aufgenommen werden, dürfen ausschliesslich in klimafreundliche Projekte fliessen.

Der Bund möchte beispielsweise den öffentlichen Verkehr, die Erhaltung von Biodiversität sowie den Bau umweltfreundlicher Gebäude damit fördern.

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Ende vergangenen Jahres hatte der Bundesrat entschieden, mit der Emission grüner «Eidgenossen» ein Zeichen zu setzen – zum einen, um den Finanzplatz bei nachhaltigen Anlagen in eine Spitzenposition zu bringen, gleichzeitig als Vorbild für private Emittenten.

Katrin Schneeberger, neue Direktorin des Bundesamts fuer Umwelt (BAFU), stellt sich den Medien vor, am Donnerstag, 28. Mai 2020, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Katrin Schneeberger, Direktorin des Bundesamts für Umwelt (BAFU)

Quelle: Keystone

Die Eidgenössische Finanzverwaltung unter der Leitung von Sabine D’Amelio-Favez hat daraufhin zusammen mit dem Bundesamt für Umwelt, geleitet von Katrin Schneeberger, das Rahmenwerk erarbeitet. Pro Jahr plant der Bund einige hundert Millionen Franken mit grünen Staatsanleihen am Kapitalmarkt aufzunehmen. Demgegenüber stehen «grüne» Ausgaben in Höhe von 4,5 Milliarden Franken.

Anleger werden sich über das neue Angebot der Schweizer Schuldenmanager freuen. Bisher gab es grüne Staatsanleihen nur im Ausland – mit entsprechendem Währungsrisiko. Länder wie Frankreich, Deutschland, Spanien, Italien und England machen einen Teil ihrer roten Zahlen schon seit vielen Jahren mit grünen Anleihen.

«Im ersten Halbjahr 2022 wurden 835 Green Bonds begeben und damit 245  Milliarden Dollar aufgenommen.»

Am Franken-Kapitalmarkt ist das Volumen ausstehender Green Bonds in diesem Jahr auf elf Milliarden Franken gestiegen. Emittenten sind Banken, allen voran die Kantonalbanken, Versicherer wie Bâloise, Helvetia und Swiss Life, die Kantone Basel-Stadt und Genf, sowie die Kantonsspitäler Aarau und Winterthur. Weltweit ist der Markt für grüne Anleihen massiv gewachsen.

Im ersten Halbjahr 2022 wurden 835 Green Bonds begeben und damit 245  Milliarden Dollar aufgenommen. Bereits im Vorjahr hatte sich das Volumen dieser Zinspapiere auf 572 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt.

Die nächste Auktion Eidgenössischer Anleihen findet am 14. September statt –die grünen «Eidgenossen» könnten dann bereits zur Zeichnung angeboten werden. Alle Details wie Volumen, Laufzeit, Coupon und Rendite – die vom Finanzierungsbedarf sowie den Marktbedingungen abhängig sind – werden kurz vor der Emission veröffentlicht.