Die Heiterkeit war trügerisch. Noch im Oktober schien Jérôme Gilg als Manor-Chef fest im Sattel und voller Zuversicht: In der Genfer Stammfiliale an der Rue de Cornavin mischt er sich an einem Donnerstagabend unter die mehrheitlich jungen Modefans. Die grösste Warenhauskette hat treue Kunden, Influencer und Medienvertreter eingeladen, das 120-jährige Bestehen der Warenhauskette soll gefeiert werden. Manor gibt sich hip: In einem abgesperrten Bereich heizt ein DJ mit House-Musik ein, am zur Bar umfunktionierten Verkaufstresen gibt es bunte Drinks, und die junge Zürcher Designerin Yael Anders präsentiert ihre Kollektion, bestehend aus Kleidern, Accessoires und NFT-Kunst, die sie zum Jubiläum für Manor kreierte und die anderntags in den Verkauf gehen wird. Der wirbelige Vormann Gilg ist ein gefragter Gastgeber, in bester Laune schüttelt er Hände und gibt sich dem Smalltalk hin. In einem kurzen Gespräch mit BILANZ bekräftigt er seine Zustimmung für ein seit vielen Monaten angedachtes Interview; Ende 2022 sollte es am Manor-Hauptsitz in Basel stattfinden. Die Themen: Wie will er das Warenhaus fit trimmen, und wie schreitet die Onlinestrategie voran?

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Überraschender Wechsel

Der Termin kommt nie zustande. Erst heisst es seitens Manor, im ersten Quartal passe es besser. Im ersten Quartal kommt jedoch nicht die Terminbestätigung, sondern die Meldung, dass Gilg ersetzt werde. Und der neue Chef bereits sechs Tage nach Bekanntgabe starte. Gilgs Engagement wird mit keinem Wort verdankt, wie das sonst üblich ist in solchen Meldungen. Befeuert wurde die Verwirrung um Manor obendrein fast zeitgleich wegen Verkaufsgerüchten, wonach das Mutterhaus Maus Frères (MF) die Warenhäuser abstossen wolle. Was ist los in Genf?