Für Nestle-Präsident Paul Bulcke und Henri de Castries, Chef des Nestlé-Nominationskomitees, ist es ein grosser Erfolg: Den umworbenen Italo-Amerikaner Luca Maestri in den Verwaltungsrat zu locken, demonstriert eindrücklich die Attraktivität des weltgrössten Nahrungsmittelkonzerns. Maestri, seit acht Jahren Finanzchef bei Apple, hätte in Europa in jedes Board einziehen können – er entschied sich für den Olymp Nestlé.

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NEU IM BOARD: Apple-Finanzchef Luca Maestri.

Quelle: ZVG

Allerdings: Auch die Ansprüche sind hier höher. Das musste Kasper Rorsted erfahren, Chef des Sportartikelherstellers Adidas und Mr. Coolness der deutschen Konzernszene. Er habe «sich entschieden, aus dem Verwaltungsrat auszuscheiden», heisst es zwar rituell-diplomatisch in der Medienmitteilung.

Doch die ganze Wahrheit ist das kaum: Nach nur vier Jahren geht niemand freiwillig bei Nestlé – die Amtslimite liegt bei zehn Jahren und kann sogar auf zwölf Jahre verlängert werden.

Für Unmut sorgte offenbar die Wahl von Rorsted in den Aufsichtsrat von Siemens. Für den Dänen, der in München wohnt und von dort an den Adidas-Hauptsitz im fränkischen Herzogenaurach pendelt, war die Anfrage des deutschen Industrieriesen ein Ritterschlag.

3,5 Mio. Fr.bezog Nestlé-Präsident Paul Bulcke im Jahr 2021. Siemens-­Aufsichtsratschef Jim Hagemann Snabe kam auf 612 000 Euro.

Er wurde vor einem Jahr in das 20-köpfige Kontrollgremium gewählt, allerdings mit einem vergleichsweise schwachen Resultat von 76,5 Prozent. Die Belastung als Adidas-Chef und Nestlé-VR passte manchem angelsächsischen Grossanleger nicht.

Und auch die Nestlé-Granden waren wenig begeistert, zumal Rorsted sie nicht einmal zu dem Siemens-Mandat konsultiert haben soll. Die Quittung gab es an der letzten Generalversammlung im April: Alle Verwaltungsräte erhielten Zustimmungsraten von mehr als 90 Prozent, Rorsted sackte jedoch auf  62 Prozent ab.

Paul Bulcke, chairman of Nestle SA, poses for a photograph following a Bloomberg Television interview in London, U.K., on Tuesday, Dec. 18, 2018. Bulcke signaled he'd consider a complete sale of the company's dermatology unit amid efforts to focus on its core food businesses. Photographer: Simon Dawson/Bloomberg

UNMISSVERSTÄNDLICH: Nestlé-Präsident Paul Bulcke und Henri de Castries haben den Abgang des Adidas-Chefs sanft begleitet.

Quelle: Bloomberg

Und so legten Bulcke und de Castries dem Adidas-Chef offenbar sanft und dennoch unmissverständlich den Abgang nahe.

Für den erfolgsverwöhnten Adidas-Chef, einst auch als ABB-Lenker im Gespräch, eine herbe Schlappe. Der 60-Jährige denkt offenbar schon an seinen Ausstieg bei Adidas in zwei bis drei Jahren und wollte langsam seine VR-Karriere hochfahren, sehr gern in der Schweiz, wo die  schönsten Tantiemen locken. Doch jetzt ist die Erde erst mal verbrannt.