Am 23.  November durch­brach der Kurs von Moderna die Grenze von 100  Dollar und schloss bei 101.03. Die Börse feiert den US-Impfstoffhersteller seit Wochen frenetisch – allein in diesem Jahr gab es ein Plus von über 400 Prozent. Kein Wunder: Mit seinem Covid-19-Impfstoff, der eine Wirksamkeit von 94,5 Prozent aufweist, hat das erst zehn Jahre alte Start-up neue Hoffnung im Kampf gegen das Virus geweckt.

Lange sah es nicht danach aus, dass Moderna eine derartige Erfolgsgeschichte werden würde. Im Gegenteil: Bis zum jetzigen Impfstoff hat das Biotech-Unternehmen noch kein einziges Produkt zur Marktreife bringen können.

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Gelder von langfristig denkenden Schweizer Investoren

So hatte CEO Stéphane Bancel viel Überzeugungsarbeit zu leisten, als er auf Geldsuche für die Finanzierung der jungen Firma gehen musste. Er fand sein Glück in Genf: Wie Bancel das Magazin «Bilan» ­wissen liess, kam ein Grossteil der im Rahmen der Finanzierungsrunde nach Juni 2012 eingesammelten ­Gelder von Schweizer Investoren, «namentlich von der Pictet-Gruppe und grossen Schweizer Familien».

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Bancel soll vor allem auf das langfristigere Denken von Schweizer Investoren gesetzt haben. Details zur dama­ligen Finanzierungsrunde geben weder Pictet noch Moderna bekannt, doch aus Investorenkreisen ist zu vernehmen, dass die damaligen Investments umgerechnet einem Preis pro Aktie zwischen 1 und 5 Dollar entsprachen.

Pictet soll die Anteile einerseits für reiche Privatkunden, andererseits für sich selbst gekauft haben, vor allem für die Verwendung in ­ihren Fonds, die dann wiederum bei den Kunden landeten. Die we­nigen Millionen, die nach Schätzungen von Firmenkennern in dieser frühen Runde investiert wurden, dürften sich also bis heute unter Umständen bis zu verhundertfacht haben.

Bancel sagte gegenüber ­«Bilan», dass sich noch heute rund 10  Prozent der Aktien in Schweizer Händen befänden, es seien früher aber bis zu 20 Prozent gewesen.

Pictet hält 3 424 242 Moderna-Aktien

Was die Fonds betrifft, ist die Sache leichter nachzuverfolgen als bei den reichen Privatinvestoren. Laut Bloomberg hält Pictet unter dem Sammelbegriff Pictet Funds 3 424 242 Moderna-Aktien, 0,87 Prozent des Kapitals, was einem Wert von 345 Millionen Dollar entspricht.

Die Aktien im Besitz von Pictet stammen vor allem aus zwei grossen Tranchen: 761 020 Aktien wurden nach dem IPO von Moderna vom Dezember 2018 gemeldet. Beim Börsengang wurden über 600 Millionen Dollar eingesammelt, zu einem Durchschnittskurs von rund 23 Dollar pro Aktie.

Pictet war aber schon früher im Jahr als Investor in Erscheinung getreten, war die Bank doch bei der Finanzierungsrunde vom Februar 2018 dabei. Es war die dritte Runde und mit einem Volumen von mehr als 500 Millionen Dollar die grösste. Ebenfalls dabei waren diesmal auch andere Schweizer Investoren wie BB Biotech oder die Bank Julius Bär.

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Pictet als geschickter Private-Equity- und Fondsinvestor

Im zweiten Quartal 2019 stockte Pictet ihren Anteil an Moderna um weitere 3 938 948 Aktien auf, laut Bloomberg zu einem Durchschnittspreis von 19.90 Dollar. Eingecasht wurden seither rund eine Million Aktien, der Wert des Rests hat sich angesichts der heutigen Rekordkurse verfünffacht.

Dass gerade eine Bank wie Pictet, die vor allem als Private-Banking-Institut bekannt ist, sich als derart geschickter Private-Equity- und Fondsinvestor entpuppt, ist nur auf den ersten Blick überraschend. Längst bildet das Asset Management nebst dem Privatkundengeschäft die zweite starke Säule der Bank. Auch bei den alternativen Anlagen und den Investments in Private Equity ist Pictet seit Jahren ein wichtiger Player.

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Als Architekt des Bereichs gilt Bertrand Demole, einer der sieben Teilhaber der Bank, der den Bereich aufgebaut hat. Head von Pictet ­Alternative Advisors und damit das Investment­gewissen ist Nicolas Campiche, ein Urgestein der Bank, der in der Branche einen ausgezeichneten Ruf geniesst.