Roberto Schmidt, nicht nur Mitglied der Walliser Regierung, sondern als Präsident der Konferenz Kantonaler Energiedirektoren (EnDK) auch national gesehen in der Energiedebatte eine wichtige Stimme, scheute sich nicht, kürzlich in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» düstere, ja fast endzeitliche Bilder zu zeichnen.

Er warnte vor «Plünderungen» und warf die Frage auf, wie die Kommunikation sichergestellt werde, «wenn Internet und Mobilfunk nicht mehr funktionieren». «Wie reagiert die Bevölkerung auf ein Blackout? Gibt es Panikreaktionen? Hamsterkäufe?» – man fühlte sich in die düsteren Strassenschluchten von New York der siebziger Jahre zurückversetzt.

Auch interessant
 
 
 
 
 
 

Echt jetzt: Plünderungen? Im Wallis? Und ja, Hamsterkäufe wird es geben, wenn man nur über die Medien genug Panik schürt, das haben wir schon beim WC-Papier während der Corona-Pandemie gesehen.

Noch ärgerlicher ist die Massnahme, die Schmidt für die Abwehr all dieses Unheils fordert: Der Bundesrat solle per sofort übernehmen und «schon jetzt die Strommangellage ausrufen». Das politische System in der Schweiz mit einer klaren Verteilung von Aufgaben und Kompetenzen hat sich in der Schweiz über Jahrzehnte bewährt, doch heute scheuen sich die Kantone offenbar vermehrt davor, bei Problemen primär selbst hinzustehen und Lösungen zu suchen, und rufen nach starken (Notrecht-)Signalen aus Bern. Ist natürlich einfacher, als selbst Verantwortung zu übernehmen.

BILANZ Briefing abonnieren
Tragen Sie hier Ihre E-Mailadresse ein. Nach der Anmeldung erhalten Sie per E-Mail einen Bestätigungslink. Bitte klicken Sie dann auf diesen Link, um Ihre Newsletteranmeldung abzuschliessen.
BILANZ Briefing abonnieren

Wie dramatisch die Stromlage wird, bleibt abzuwarten. Auch wenn es punktuell kritisch werden könnte, gibt es doch keinen Grund für Endzeitszenarien: «Wir gehen davon aus, dass wir beim Strom ohne Bewirtschaftungsmassnahmen durch den Winter kommen», liess Bastian Schwark, Energiekrisenmanager des Bundes, die «NZZ» jüngst wissen. Nach der starken Hand der Zentralregierung zu rufen, ist zu einem vorschnellen Reflex verkommen, und das ist bedenklich – denn die Schweiz ist bisher meist gut damit gefahren, wenn sie auf Eigenverantwortung gesetzt hat.

Roberto Schmidt (60) ist der oberste Energiedirektor der Schweiz.