Es ist die Anerkennung eines Konkurrenten für den bisher grössten Coup 2022 in der Uhrenindustrie. François-Henry Bennahmias, Chef von Audemars Piguet, lobte kürzlich in einem Interview die Kooperation von Omega und Swatch, aus der die so erfolgreiche Moonswatch hervorgegangen war. «Ihre Zusammenarbeit war eine grossartige Idee», sagte er der Schweizer Newsplattform «Luxury Tribune».

Die Kollaboration habe die Integrität von Omega in keiner Weise beeinträchtigt, konstatierte Bennahmias. Das lässt sich auch mit Fakten belegen. So hat der Hype um den 250-Franken-Zeitmesser auch die Verkäufe von Omega beflügelt.

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Der Umsatz der ursprünglichen Speedmaster Moonwatch – Kostenpunkt rund 7000 Franken – ist laut Swatch-Group-Chef Nick Hayek seit der Lancierung der Moonswatch im März um mehr als 50 Prozent gestiegen. Und auch die Verkäufe Über alle Speedmaster-Modelle hinweg hätten «im zweistelligen Bereich» zugelegt.

Uhrenbranche schöpft Potenzial nicht aus

Die gesamte Schweizer Uhrenbranche erzielte 2021 einen Exportwert von 22 Milliarden Franken – ein neuer Rekord. Die konservative, risikoaverse und oft selbstreferentielle Industrie habe aber noch viel Luft nach oben, findet Bennahmias. Diese 22 Milliarden Franken seien nichts im Vergleich zum vorhandenen Potenzial, das aufgrund der grossen Faszination der Bevölkerung für Uhren vorhanden wäre – «einschliesslich der Faszination der jüngeren Generationen». Die Branche vernachlässige diese fatalerweise, weil sie jungen Menschen fälschlicherweise fehlendes Interesse an der traditionellen Uhrmacherei unterstelle. 

«Wir müssen die Art und Weise ändern, wie sich die Industrie promotet», sagte der Augemars-Piguet-Chef. Mit der Moonswatch, die Vermählung einer ikonischen Schweizer Luxusuhr mit dem Massen-Appeal einer Billigmarke, würden Swatch und Omega eine «innovative Strategie» verfolgen. «Sie klärt die junge Generation über die Ikonen der Uhrmacherei auf.» Kritik an dieser Innovation sei deshalb unangebracht.

Damit greift Bennahmias die Idee auf, was die Swatch Group mit der Kooperation von Swatch und Omega erreichen wollte. «Ich wollte mehr Spass und Provokation in die Branche bringen», sagte Hayek in einem Interview mit der «Bilanz».

Augemars Piguet arbeitet an langjährigem Projekt

Ob all dieser Lobeshymnen für die zwei Konkurrenten der Swatch Group stellt sich die Frage: Plant Bennahmias noch einen grossen letzten Coup, bevor er nächstes Jahr Audemars Piguet nach langjähriger Regentschaft an der Konzernspitze verlässt? Ist also eine Swatch-Version eines Augemars-Piguet-Klassikers zu erwarten? Eine Royal Oak, swatchified?

Schliesslich haben die Waadtländer mit der Royal Oak eine ikonische Uhr im Sortiment, die sich extrem grosser Beliebtheit bei der Sammlerschaft erfreut. Das hat die viel beachtete Versteigerung des Auktionshauses Phillips zum 50-Jahr-Jubiläum der Serie letztes Jahr gezeigt.

Die Idee einer preisgünstigen Royal Oak im Swatch-Gewand liesse sich also gut kopieren. Und würde dann eben die vernachlässigte junge Generation ansprechen. Dazu passt, dass sich zum Megatrend der letzten Jahre mit immer teureren Luxusuhren gerade eine Gegenbewegung entwickelt hat, wonach auch wieder mehr Tiefpreis-Marken und Günstigmodelle «en vogue» sind. Die Frage ist eher, ob Swatch, die Billigmarke des Hayek-Imperiums, da mitmacht.

Zumindest ein Projekt für die Zukunft hat Augemars Piguet in petto, das Bennahmias schon seit Jahren verfolgt, wie er im Interview mit «Luxury Tribune» verriet: «Eines davon ist eine Uhr, die nach meinem Abgang 2024 oder 2025 auf den Markt kommen wird und auf die ich schon seit zehn Jahren warte. Das macht mich verrückt!»

Was der abtretende Audemars-Piguet-Chef danach macht

François-Henry Bennahmias wird Ende 2023 nach elfjähriger Amtszeit als Chef von Audemars Piguet zurücktreten. Das hat er in einem Interview mit «Le Temps» im Juni bestätigt, nachdem bereits seit Jahresbeginn darüber spekuliert worden war. 

Bennahmias gilt als Freigeist in der Branche. Er wagt es, laut auszusprechen, was viele im Stillen denken. Als CEO von Augemars Piguet verpasste er der schlummernden Marke, die von aggressiveren Konkurrenten herumgeschubst wurde, neuen Schwung. In zehn Jahren hat sie ihren Umsatz und ihre Betriebsgewinnmarge mehr als verdoppelt. Gleichzeitig hat es Bennahmias geschafft, die Marke begehrlich zu behalten. 

Im Interview mit der «Luxury Tribune» deutete er an, was er nach dem Ende bei Audemars Piguet machen will: «Ich bin sehr daran interessiert, Kunstschaffende und Athleten zu coachen.»  Sich neue Lösungen auszudenken, die Leistung zu verbessern, indem man verschiedene Welten oder Branchen miteinander verbinde, die nichts gemeinsam hätten, sei etwas, das ihn anspreche.

Gewisse Erfahrungen im Coaching eines Sportler konnte Bennahmias schon sammeln. So hilft er seit einigen Jahren dem französischen Biathleten Quentin Fillon Maillet, fünffacher Medaillenträger an Olympischen Spielen und Markenbotschafter für Audemars Piguet, in dessen Entwicklung. «Die Kultur des Siegens ist ein Prozess, der mir Spass macht, da er direkt mit Menschen zu tun hat.»

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