Mitte Oktober liess Patek Philippe die Katze aus dem Sack. Der Genfer Uhrenhersteller lüftete den Schleier über acht neue Modelle. Darunter: die Nachfolgerin der Nautilus 5711/1A. Das bislang begehrteste Modell wird per Ende Jahr abgesetzt

Mit dieser Ankündigung hatte Patron Thierry Stern Anfang 2021 für einen grossen Aufschrei gesorgt. Unzählige Interessierte, seit Jahren auf den Wartelisten der Händler, sahen sich um ihre Chance gebracht, die beliebte Stahluhr über die offiziellen Vertriebskanäle zu erwerben.

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Entsprechend explodierte von einem Tag auf den anderen der Preis der 5711 auf dem Sekundärmarkt – vom Doppelten ihres Detailhandelspreises von 30’000 Franken auf fast das Fünffache. Seither hält sich der Sekundärmarktpreis wacker in diesen schwindelnden Höhen.

Es wird «nicht genügend Uhren für alle» haben

Auch die neue Doppelgängerin im Weissgoldgewand, die Nautilus 5811/1G, könnte zum Highflyer auf dem Sekundärmarkt werden. Zwar ist das Modell nicht limitiert, kommt aber nur homöopathisch dosiert auf den Markt.

Bis Ende 2022 werden rund 40 Prozent der jährlichen Produktion ausgeliefert, wie Stern in einem Interview mit der NZZ verriet. Jeder Händler werde pro Jahr mindestens ein Stück erhalten, die grossen etwas mehr. Dazu sagte der Besitzer und Chef von Patek Philippe: «Natürlich werden wir zu Beginn nicht genügend Uhren für alle Geschäfte haben. Das heisst, unsere Distributoren werden selektionieren müssen.» 

Das ist die neue Nautilus 5811/1G

Auf den ersten Blick sieht die neue Nautilus aus wie ein Zwilling der 5711, entpuppt sich beim genaueren Hinsehen aber nur als Doppelgängerin: Das Gehäuse der 5811 ist 41, nicht 40 mm breit. Sie ist nicht aus Stahl, sondern aus Weissgold und ist bezeichnet mit der Nummer 5811/1G – das G steht für Gold. Das Zifferblatt hat eine leicht andere Blaunuance und einen Verlauf ins Schwarze. Neu ist auch die von Patek Philippe patentierte Sicherheitsschliesse. Und das Gehäuse ist aus zwei Teilen gefertigt – gemäss dem Genfer Uhrenhersteller «eine Hommage an die ursprünglichen Nautilus-Modelle aus dem Jahr 1976». 

Das klingt nach den bekannten Wartelisten. Und lange Wartelisten könnten auch hier wieder eine Preisrally auf dem Sekundärmarkt auslösen. Dagegen will Patek Philippe nicht aktiv vorgehen. «Was kann ich tun? Ich kann nicht hinter jede Uhr einen Polizisten stellen», sagte Stern im NZZ-Interview.

Die Händler seien dazu angehalten, die Uhren nur an lokale Kundschaft zu verkaufen, also an Personen, von denen der Juwelier überzeugt sei, dass sie die Uhr nicht sofort mit Gewinn weiterverkaufen würden. 

In Bezug auf die Wartelisten sieht Stern die Händler ebenfalls in der Pflicht: «Wartelisten mit 200 Namen sind ein Unsinn. Ein Juwelier muss den Mut haben, zu sagen: ‹Es tut mir leid, aber ich kann Ihnen diese Nautilus nicht liefern. Ich habe bereits zehn Kunden auf meiner Liste und werde nur sehr wenige dieser Uhren pro Jahr bekommen.›» Es sei zu einfach, die Schuld auf Patek Philippe abzuschieben mit dem Argument, es würden nicht genügend Uhren hergestellt.

Patek plant keine weiteren Boutiquen

Im Gegensatz zu Konkurrenten wie Audemars Piguet oder Richard Mille, welche die Distribution in die eigenen Hände genommen haben, setzt Stern dennoch weiter auf das Fachhandelskonzept – «solange unsere Retailer gute Arbeit machen», wie er im Interview betonte. «Aber sobald das nicht mehr der Fall sein sollte, werde ich meine eigenen Läden eröffnen.» Dann würden weitere Boutiquen zu den drei bestehenden in Genf, Paris und London dazukommen.

Wohl nicht verändert wird die Produktion von derzeit 68’000 Uhren im Jahr – zumindest nicht in absehbarer Zeit. «Das ist eine Diskussion, die ich nun dringend mit meinem Direktorium führen muss.» Er sei überzeugt davon, dass er mit Patek auf dem höchsten Niveau der Uhrmacherei sein wolle. Und: «Qualität und Quantität vertragen sich nicht so gut.»

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