In den letzten 40 Jahren hat sich Venture Capital zu einer dominierenden Kraft in der Finanzierung von innovativen amerikanischen Unternehmen etabliert. Trotz des geringen Alters dieser Industrie sind bereits mindestens ein Viertel der grössten börsennotierten US Firmen durch Venture Fonds finanziert (so auch Apple, Google, Amazon und viele mehr), während sie gleichzeitig für mehr als 40% der Forschungs- und Entwicklungsausgaben der öffentlich gehandelten Unternehmen verantwortlich sind. Beeindruckend ist, dass die VC Investitionen seit 2007 volumenmässig lediglich etwa 0.2% des US BIPs betragen, aber ganze 21% des US-amerikanischen BIPs generieren. Zudem sind US Startups für mehr als 30% der geschaffenen Arbeitsplätze verantwortlich. Alles in allem zeigt dies, wie enorm wichtig der mittel- und langfristige volkswirtschaftliche Beitrag der VC Industrie tatsächlich ist.

Im Vergleich zu den USA ist die Startup Branche in Kontinentaleuropa massiv unterfinanziert. Vor allem in der frühen Unternehmensphase (Serie A genannt), in der Gelder erster professioneller Investoren wie Venture Funds in Startups fliessen, mangelt es an Kapital. In der DACH Region steht pro Kopf gerechnet 100-mal weniger Venture Capital zur Verfügung als im Silicon Valley. Dies steht in markantem Gegensatz zur Tatsache, dass europäische Länder, allen voran die Schweiz, im globalen Innovationsranking die Spitzenplätze einnehmen. Angesichts der gesamtwirtschaftlichen Bedeutung dieser Anlageklasse für die Entwicklung von Startup Firmen zu marktführenden Unternehmen, ist dieses Ungleichgewicht problematisch.

Schwieriger Start der europäischen VC - Industrie

Die nach wie vor verbreitete Auffassung, europäische Venture Capital Anlagen seien im internationalen Vergleich weniger erfolgreich, beruht unter anderem auf dem schwierigen Start der europäischen VC Industrie in den späten 90ern. Während VC Fonds in den USA bereits langjährige Renditen aus Investitionen seit den 70ern und 80ern verzeichnen können, wurde in Europa Venture Capital in grösserem Umfang erst zu Beginn der Dotcom Bubble investiert, was nach deren Zusammenbruch  zu einer historisch schlechten Performance führte. In Folge verschoben viele Investoren ihren Fokus weg von Venture Capital und vermehrt auf die späteren Investitionsphasen.

Durch positive Entwicklung der VC Industrie in den USA über die letzten zehn Jahre, der kommerziell erfolgreichen Technologiefirmen und der amerikanischen Startup Kultur, erlangte diese Anlageklasse auch in Europa wieder mehr Aufmerksamkeit. Das Thema Startup wurde zunehmend von den Medien aufgegriffen, ist seither salonfähig geworden und hat sich auch für Abgänger der Top Universitäten zu einer attraktiven Karrieren-Alternative (im Vergleich zum Einstieg bei einem Grossunternehmen) entwickelt. Zudem wird dank grosser technologischer Fortschritte im ICT Bereich weniger Startkapital benötigt als noch vor zehn Jahren. Die Bedeutung der Startup-Förderung wurde inzwischen in vielen europäischen Ländern auch auf politischer Ebene erkannt und Gründer können heute von etablierten Förderstrukturen profitieren.

Blühendes Startup-Ökosystem

Zusammen mit der hohen Qualität der Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen hat dies zu einem Wandel in Europa hin zur Entwicklung eines blühenden Startup Ökosystems geführt. Die Dichte an Jungunternehmen mit hoch qualifizierten Gründerteams und globalem Potenzial und Anspruch ist so hoch wie nie zuvor, wobei in der Schweiz vor allem die Innovationshochburgen Zürich und Lausanne mit Nähe zu weltweit führenden Hochschulen als Startup Hubs herausstechen. Als Spitzenreiter in Sachen Innovation hat auch Europa einige sehr erfolgreiche Firmen (unter anderem Spotify, Actelion, Skype etc.) mit Bewertungen jenseits der Eine-Milliarde-Euro Grenze hervorgebracht. Dies hat dazu geführt, dass das internationale Investmentumfeld vermehrt nach Europa blickt, allen voran amerikanische Venture Fonds, und sich vermehrt an Folgefinanzierungen beteiligt.

Die bestehende Marktsituation – Kapitalknappheit gepaart mit einer Dichte an hochqualifizierten innovativen Startups - schafft eine einzigartige Gelegenheit für Investoren in Europa. Die geringe Anzahl an Privatinvestoren und der Mangel an Pensionskassen- und Stiftungsfonds, welche in den USA ungefähr 65% der VC Industrie ausmachen, haben in Europa einen äusserst attraktiven Käufermarkt geschaffen. Fondsmanager können sehr selektiv vorgehen und profitieren gleichzeitig vom signifikant tieferen Bewertungsniveau in Europa. Obwohl die durchschnittlichen Bewertungen europäischer Exits noch rund 25% tiefer ausfallen als amerikanische, generieren sie proportional die höheren Multiples, da im Vergleich zum US Markt nur die Hälfte des Kapitals benötigt wird, um Gewinner aufzubauen. Die jüngsten Performances Europäischer VC Fonds, sowie die hohe Innovationskraft Europas bieten somit die besten Voraussetzungen für Investoren, um vom grossen Pozential der aufstrebenden europäischen Startup Szene zu profitieren.

 

 

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