Der Tourismus ist in der Corona-Krise weltweit zum Stillstand gekommen. Die Branche steckt in der Krise – und so lässt sich auch der Zustand eines Konzerns beschreiben, der seit Jahren nur mit Erfolgsmeldungen aufgewartet hat: der US-Online-Zimmervermittler Airbnb.

Die Buchungen auf der Plattform sind seit März weltweit eingebrochen, der Konzern musste einen Viertel seiner Angestellten entlassen. Auch in der Schweiz blieben viele Airbnb-Unterkünfte leer.

Das zeigt eine Auswertung der Fachhochschule HES-SO Valais-Wallis: Im April lagen die Reservierungen schweizweit um über einen Drittel tiefer als im April des Vorjahres (reservierte Tage). Die Gäste buchten gut ein Fünftel weniger Objekte, und die Anbieter nahmen 18 Prozent weniger Miete ein.

Bereits im März waren 6 Prozent weniger Tage reserviert worden als ein Jahr davor.

Besonders in den Städten liessen sich viele Unterkünfte nicht vermitteln. In Zürich gingen die Reservierungen im April gegenüber dem Vorjahr um 36 Prozent zurück, in Genf sanken sie um 42 Prozent.

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In den Bergen ist das Bild weniger einheitlich: So gab es in Zermatt nur einen schwachen Rückgang von rund 5 Prozent, in Davos reservierten sich Gäste sogar 5 Prozent mehr Tage als im Jahr davor.

In Interlaken fehlen die internationalen Gäste

In Interlaken sank die Nachfrage allerdings scharf um über die Hälfte. Dieser Unterschied dürfte sich mit dem unterschiedlichen Publikum erklären: Zermatt und Davos locken auch viele Schweizer Gäste an. Gut möglich, dass sich einige Unterländer dort vorübergehend eine Bleibe suchten und beispielsweise ihr Home Office für die Telearbeit in die Berge verlegten.

Interlaken ist hingegen vor allem bei internationalen Touristen beliebt, namentlich Asiaten. Bei Schweizern ist es hingegen nicht eine populäre Feriendestination – das dürfte sich seit März nicht geändert haben.

Der Einbruch der Buchungen auf Airbnb seit März steht im starken Kontrast zur Entwicklung im letzten Jahr: Denn 2019 wuchs die US-Bettenvermittlerin in der Schweiz erneut stark. Erstmals waren weit mehr als 50'000 Unterkünfte im Angebot, die Mieteinnahmen stiegen auf 640 Millionen Franken.

Und auch zu Beginn des Jahres, im Januar und Februar, wurde die Online-Plattform noch rege genutzt. Im Februar lagen die Buchungen – gemessen in Anzahl Tagen – über 30 Prozent höher als ein Jahr davor.

Nun kommt der Tourismus wieder in Fahrt. Reisen innerhalb der Schweiz und in die umliegenden Ländern sind bald wieder ohne grosse Einschränkungen möglich. Und Schweizer, Franzosen und Deutsche buchen nebst den US-Amerikanern am häufigsten auf Airbnb (2018).

So steigt denn auch bereits wieder das Interesse an den Kurzzeitbleiben, wie ein Blick auf Google zeigt: Airbnb wird auf der Suchplattform in der Schweiz häufiger eingegeben, wenn auch nicht im Ausmass wie vor der Krise (siehe unten. Die Grafik finden Sie hier im Original).

BildGoogle

Seit April wird Airbnb auf Google Schweiz wieder häufiger gesucht.

Quelle: Google Trends
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Manche Anbieter wollen nicht warten, bis das Geschäft wieder in Schwung kommt: Sie haben ihre Wohnung oder das Zimmer von der Plattform zurückgezogen und das Angebot stattdessen auf herkömmlichen Immobilienportalen ausgeschrieben. Dieses Phänomen war etwa in Dublin oder im US-amerikanischen Nashville zu beobachten – beliebte Touristendestinationen also, in denen es sehr viele Airbnb-Angebote gibt.

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Vermutlich haben auch einige Schweizer «Hosts» ihre Bleiben nun anderweitig vermietet: Im April waren in den Städten deutlich weniger Objekte ausgeschrieben als noch vor einem Jahr.

Manche davon werden vielleicht als möblierte Wohnungen angeboten: Auf dem Immobilienportal Scout24 etwa stieg die Zahl solcher Inserate seit Ende April sprunghaft um über 600.

Aus Asien reisen heuer keine Gäste mehr an

Dass die Airbnb-Vermieter in den Städten weniger Standhaftigkeit beweisen, ergibt Sinn: Schliesslich dürfte es dort viel länger dauern, bis die Nachfrage wieder ein Niveau wie vor der Krise erreicht. Zürich, Genf oder auch Luzern ziehen viele Gäste aus Asien und Nordamerika an. Diese Besucher werden frühestens im nächsten Jahr in grosser Zahl zurückkehren.

Die Zahlen zu Airbnb in der Schweiz

Auf der Online-Plattform werden jährlich fast 60'000 Schweizer Unterkünfte angeboten. Am häufigsten werden Wohnungen und Zimmer in den Kantonen Wallis, Zürich und Waadt gebucht. Am längsten verweilen Airbnb-Gäste hingegen in Graubünden, nämlich durchschnittlich vier Tage – schweizweit sind es 3,6 Tage. In Zürich verdienten Vermieter mit einer Airbnb-Unterkunft 8660 Franken im Jahr – schweizweit liegt der Durchschnitt bei 11'265 Franken (2018). Auf Airbnb können viele Wohnungseigentümer höhere Renditen erzielen, als wenn sie das Objekt längerfristig vermieten – dies zeigt eine Analyse der Bank Raiffeisen.

(mbü/as)