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Smartphone
Zehn Apps, die Chinas Erfolg im mobilen Internet zeigen

China-Smartphone Xiaomi: Ein ganzes Land geht mobil ins Netz. Xiaomi

Die Entwicklung des Internets ging lange Zeit vom Silicon Valley aus. Doch bei den Smartphone-Anwendungen sind die Amerikaner nicht mehr die Besten. Diese zehn Apps beweisen es.

Von Gabriel Knupfer
am 21.10.2016

Jeder zweite Internetnutzer der Welt lebt in China. Die überwiegende Mehrheit der Chinesen nutzt dabei Smartphones für den Zugang ins Netz. Kein Wunder, dass die chinesischen Techkonzerne bei der Entwicklung von Apps inzwischen die Führungsrolle übernommen haben.

Trotz staatlicher Kontrolle und Zensur ist das Internet in China zu einem gigantischen Wirtschaftsfaktor geworden. Für chinesische Techkonzerne ist die Abschottung des World Wide Web von ausländischen Einflüssen sogar ein Segen. Ohne Facebook, Google und Co. war der Weg frei für eigene Lösungen – und diese sind in vielen Fällen sogar besser als ihre Vorbilder.

Diese zehn Apps aus China zeigen, wie die Zukunft des mobilen Internets auch bei uns aussehen könnte:

1. WeChat

Der Kurznachrichtendienst von Tencent hat sich dank seiner geschützten Stellung in China – westliche soziale Medien sind gesperrt – zur «Superapp» für alle Lebenslagen entwickelt. WeChat übernimmt in China die Rolle von Whatsapp, Facebook, Twitter, Tinder und anderen Diensten.

WeChat hat inzwischen 800 Millionen aktive Nutzer. Zudem hat der Dienst eine Möglichkeit gefunden, den Erfolg zu Geld zu machen. Die Einführung einer Bezahlfunktion hat die App seit 2013 für Millionen Chinesen zum wichtigsten Tool im Netz gemacht.

2. Didi Chuxing

Jahrelang und mit riesigem Einsatz versuchte der US-Fahrdienstvermittler Uber in China Fuss zu fassen. Dass die Bemühungen nicht fruchteten, lag vor allem am einheimischen Konkurrenten Didi Chuxing (früher Didi Kuaidi). In diesem Sommer gab Uber schliesslich auf und verkaufte seinen China-Ableger an Didi.

Mit rund 300 Millionen Nutzern in 400 chinesischen Städten hat die Firma eine enorme Marktmacht erlangt. 2015 wurden 1,4 Milliarden Fahrten über die Plattform organisiert. Didi ist die einzige Techfirma in die mit Baidu, Alibaba und Tencent alle drei grossen Internetkonzerne des Landes investiert haben.

3. Alipay

Das chinesische Onlinebezahlsystem war zunächst auf die Plattformen von Mutterkonzern Alibaba zugeschnitten. Inzwischen arbeitet Alipay aber mit zahlreichen Finanzinstituten und hunderttausenden chinesischen Geschäften zusammen. Der Dienst ist zu einem zentralen Treiber des E-Commerce-Booms im Land geworden. 60 Prozent der Bezahlungen mit Alipay erfolgen von einem mobilen Gerät aus.

Die Zahlen, die Alipay bekannt gibt, sind eindrücklich. 400 Millionen registrierte Nutzer und 175 Millionen Transaktionen pro Tag lassen Apple Pay und Co. vor Neid erblassen. Die Expansion nach Europa erfolgt aber zunächst nur für chinesische Kunden. Grund sind mögliche Probleme mit den europäischen Datenschutzgesetzen.

4. Ele.me

Die Lieferdienst-App für Mahlzeiten startete vor acht Jahren als Service für Studenten in Shanghai. Inzwischen hat Ele.me 70 Millionen Nutzer und bewältigt fünf Millionen Bestellungen pro Tag. Zum Vergleich: Die US-Firma Grubhub kommt auf 7,4 Millionen User und bekommt an einem durchschnittlichen Tag nur gerade 270'000 Bestellungen.

Ein grosser Teil des Erfolges von Ele.me und anderen chinesischen Lieferdiensten sind die niedrigen Arbeitskosten und Sonderangebote. Sich das Essen liefern zu lassen, kommt oft billiger als ins Restaurant zu gehen. Häufig werden die Lieferkosten im Rahmen von Werbeaktionen sogar ganz erlassen.

5. Dianping

Auch Dianping ist ursprünglich eine Essensapp, allerdings mit einem anderen Fokus als Ele.me. Als User bewertet man Restaurants und bekommt dafür Rabatte. Das Geschäftsmodell ist damit vergleichbar mit dem US-Unternehmen Groupon.

Inzwischen ist Dianping nicht nur eine Referenz für Restaurants, sondern auch für Hotels, Kinofilme, Karaokebars und vieles mehr geworden. Obwohl die Kommentare auf Chinesisch sind, ist die App dank Sternchenbewertung auch für ausländische Touristen in China ein gutes Tool.

6. Tmall

Mit der App trägt man die Einzelhandelsplattform des Alibaba-Ablegers Taobao in der Hosentasche. Tmall ist einer der grössten Online-Händler der Welt und ist besonders in den Bereichen Fashion und Elektronik stark aufgestellt.

Namhafte Marken wie beispielsweise Adidas, Levi’s, Ray-Ban, Sony und Samsung haben integrierte Shops in der App. Mit relativ hohen Eintrittsgebühren für Händler werden Hersteller von Plagiaten oder qualitativ minderwertigen Waren ausgesiebt.

7. JD.com

Vergleichbar mit Tmall ist Hauptkonkurrent JD.com (früher 360buy). Mit der App können zahlreiche Luxus- und Alltagsgüter bestellt werden. Auch JD.com setzt auf Markenprodukte und bekannte Partner wie P&G oder Rakuten, die führende E-Commerce-Plattform in Japan.

Das am Nasdaq kotierte Unternehmen ist nach eigenen Angaben das grösste Onlineversandhaus in China. Praktisch ist das von Amazon bekannte «instant checkout», mit dem Zahnpasta und Ähnliches bereits am nächsten Morgen geliefert wird.

8. Tujia

Vor kurzem hat die chinesische Kopie von Airbnb erste Angebote in der Schweiz freigeschaltet. Wie beim westlichen Vorbild können über die App und Webseite Privatunterkünfte gebucht werden.

In Europa sind insgesamt erst rund 6000 Objekte buchbar. Wichtiger ist für Tujia der Heimmarkt. Dort gehen die Dienstleistungen viel weiter als bei Airbnb. Tujia sieht sich als One-Stop-Solution-Provider, bei dem Verwaltung der Immobilien, Vermarken der Objekte, Kundenvermittlung, Renovation und Beratung zusammenlaufen.

9. 58.com

Auch diese App ist wieder ein Onlinemarktplatz. Die an der New Yorker Börse kotierte Firma bringt in 360 chinesischen Städten lokale Serviceanbieter mit potenziellen Kunden zusammen.

Wer sich auf dem Heimweg von der Arbeit verspannt fühlt, kann sich über 58.com einen Masseur nach Hause bestellen.

10. Ayibang

Eine Besonderheit in China ist die Breite des O2O-Angebots («online to offline»). Dazu gehören auch Spezialistenapps wie Ayibang (deutsch: Helfende Tante). Die Plattform vermittelt Putzpersonal auf Stundenlohnbasis.

Davon profitieren beide Seiten. Putzleute haben dank der App ein geregeltes Einkommen. Und alle anderen können die Unordnung in der Wohnung mit ein paar Knopfdrücken auf dem Smartphone beseitigen lassen.


 

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