Die Covid-19-Pandemie ist am Ende eines verlängerten Kreditzyklus ausgebrochen. Die Bewertungen waren so hoch, dass schon eine geringe wirtschaftliche Störung eine Marktkorrektur hätte auslösen können. Doch die Covid-19-Krise hatte einen weitaus grösseren Schock zur Folge und sorgte für die höchste Marktvolatilität seit der globalen Finanzkrise 2008. Infolge der Pandemie hat sich das Wirtschaftswachstum verlangsamt.

Eine weltweite Rezession ist sehr wahrscheinlich. Ungewiss ist, wie tief und langwierig sie sein wird.Die Anleger reagierten mit der Veräusserung von Risikoanlagen auf die Krise. Die Situation lässt sich mit den Hamsterkäufen vergleichen, die in den Supermärkten für leere Regale sorgten. Statt Toilettenpapier und Nudeln horteten die Anleger aber Barbestände.

Viele gaben Fondsanteile zurück, und zahlreiche Anleihenfonds sahen sich daraufhin zum Verkauf ihrer liquidesten Werte gezwungen, in der Regel erstklassige Anleihen mit kurzer Duration. Die Banken – die traditionellerweise Liquidität bereitstellen – gerieten durch die Inanspruchnahme von Kreditlinien selber unter Druck. Die Liquidität wurde knapp, die Transaktionskosten und die Risikoaufschläge stiegen.

Korrektur braucht Zeit

Eine Lösung erhofften sich viele Anleger von den Notenbanken und Regierungen. Bis deren Konjunkturmassnahmen, Kreditbürgschaften und Zinssenkungen ihre Wirkung entfalten, wird es jedoch einige Zeit dauern. Zudem muss ihr Effekt ausreichen, um die Stimmung an den Märkten zu ändern.

Die Korrektur wird daher in zwei Phasen verlaufen: In der ersten Phase müssen die Anleger ihre Vermögenswerte veräussern können, um Barbestände aufzubauen. Die Notenbanken werden sie auch weiterhin dabei unterstützen. Auch die Mittelabflüsse aus Fonds müssen abnehmen und einen Wendepunkt erreichen, was schon bald der Fall sein dürfte. Die zweite Phase betrifft die wirtschaftlichen Auswirkungen, die sich erst nach längerer Zeit bemerkbar machen werden.

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Vorteil durch Grösse

Anleger, die in Anleihen investieren, müssen sich angesichts all dieser Faktoren mit Fragen der Preisfeststellung und des Fair Value auseinandersetzen. Am gesamten Anleihenmarkt sind die Liquiditätsprämien gestiegen und erhebliche Preisverwerfungen aufgetreten.

Zu einem gewissen Grad sind immer Preisunterschiede zu erwarten. Schliesslich werden Anleihen im Allgemeinen ausserbörslich gehandelt und es kann nicht immer einen einheitlichen Clearing-Preis geben. Doch zuletzt gingen die Preisverwerfungen über das normale Mass hinaus.

Hier sind grössere Anbieter im Vorteil. Sie können in einigen Fällen Käufer und Verkäufer intern zusammenführen – und beiden Parteien einen besseren Preis bieten. Enge Beziehungen zu zahlreichen Marktteilnehmern ermöglichen in volatilen Marktphasen einen effektiveren Handel.

Möglichst tiefer Tracking Error

Mit einer gezielten Liquiditätssteuerung können Anbieter die Folgen der Krise eindämmen. Ein Sampling-Ansatz hilft, das optimale Gleichgewicht zwischen Indexnachbildung und Kosten zu finden. Durch Sampling können die Anleihen ausgewählt werden, welche die Merkmale der entsprechenden Benchmark am besten und am kostengünstigsten abbilden, und gleichzeitig den Tracking Error möglichst tief halten.

Ein Swing-Pricing-Verfahren schützt bestehende Anleger bei hohen Rücknahmevolumen. Steigen die Transaktionskosten, werden Käufer und Verkäufer durch Swing Pricing stärker belastet als Anleger, die an ihren Fondsanteilen festhalten. Dabei ist zu beachten, dass Preisunterschiede nicht kumulieren und sich mit der Zeit ausgleichen sollten. Die Fonds, bei denen Swing Pricing angewendet wird, können eine höhere Volatilität aufweisen als die Basiswerte.

Den Kurs halten

Zudem zahlt sich Prävention im Liquiditätsmanagement aus. Dazu gehören die laufende Bewertung der Liquidität der Anlageinstrumente sowie der Einsatz von Liquiditätsinstrumenten wie etwa die Zusammenfassung und Verrechnung von Rücknahmen und Käufen innerhalb eines Fonds.

Die Erfahrung zeigt, dass die Märkte Zyklen durchlaufen und sich langfristig erholen. Für Anleger bedeutet das, sie sollten den Kurs halten. Niemand sollte das Ausmass der gegenwärtigen Krise unterschätzen, aber kurzfristige Auswirkungen sollten nicht den Blick auf die langfristige Entwicklung verstellen.

Kunal Mehta ist Senior Investment Product Specialist bei Vanguard.