Misst man den Effekt der monetären Massnahmen an der Entwicklung der Aktien und Obligationenmärkte, so darf man äusserst zufrieden sein mit der Arbeit unserer Zentralbanker. Ohne deren Unterstützung und Liquiditätsspritzen während der Covid-Krise würden die Finanzmärkte heute anders dastehen.

Jedoch lässt sich der effektive wirtschaftliche Effekt schwieriger evaluieren. Die Kreditvergabe billig zu halten, um die Wirtschaft weiter auf Fahrt zu bringen, hat sich über die Jahre vor Covid nur teilweise bewährt.

Mal abgesehen von der jährlichen Nullrunde für die Sparer, steht das Verhältnis zwischen ein bisschen mehr Wachstum gegenüber einer Immensen Unternehmens- und Staatsverschuldung in keinem guten Licht.

Matthias Jenzer ist CEO von Quilvest (Switzerland) Ltd.

Die sture zwei Prozent Inflationsmarke

Die Wirtschaft ist weit entfernt von jeglichem Inflationsdruck. Zieht man die kürzlich veröffentlichten Inflationserwartungen der EZB für die Europäische Union zu Rate, so ist zumindest für die nächsten drei Jahre mit keinerlei ernstzunehmender Inflation zu rechnen.

Negativzinsen «forever» – ein wahrscheinliches Szenario in Europa, das jedoch kaum zu Inflation führt, zieht man Bilanz aus den vergangenen Jahren. Die US Notenbank, im Gegenzug, passt nun ihre Rahmenbedingungen an.

Während man beharrlich am zwei Prozent Inflationsziel festhält, wird man in Zukunft die Inflation gewähren lassen. Die 2 Prozent Marke gilt neu als Durchschnittsziel. Kurzum: kein Druck mehr die Zinsen zu erhöhen sollte die Inflation tatsächlich steigen.

In der Summe gleicht dies einem Freifahrtschein, die Zinsen über Jahre nahe Null zu halten. «No matter what» - so die Devise. Man spürt jedoch die zunehmende Frustration, denn die Massnahmen der Notenbanken sind, so im Volksmund, «ausgelutscht». Sie haben zur Stabilisierung beigetragen, waren jedoch grösstenteils wirkungslos.

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Kommt die totale Kontrolle?

Was kommt als nächstes? Einerseits argumentieren Mitglieder diverser Notenbanken offenkundig über eine mögliche Totalkontrolle der Zinsen, nicht nur am kurzen Ende der Zinskurve, sondern auch am langen Ende.

Der Staat wird’s begrüssen, denn tiefe Zinsen bewirken tiefe Zinskosten für dessen fiskalpolitischen Pläne, der Aktienmarkt kann höheren Zinsen als ein möglicher Risikofaktor von der Liste streichen. Was Japan vor Jahren eingeführt hat, wird möglicherweise bald auch in der westlichen Welt zur Tatsache.

Dass dem Markt dadurch ein (weiterer) Preisbildungsmechanismus entzogen wird, scheint wenig zu kümmern, wäre aber bedenklich. Als letzter Faktor bleibt die Währung. Fragen über die Währung jedoch scheuen Zentralbanker wie der Teufel das Weihwasser.

Währungsmanipulationen sind tabu, oder gemäss offizieller Meinung zielen die diversen geldpolitischen Massnahmen nicht darauf ab, die Währung künstlich abzuschwächen. Abgesehen von direkten Währungsmanipulationen haben mittlerweile geldpolitische Massnahmen tatsächlich nur kurzfristig einen Effekt – denn legt eine Notenbank vor, ziehen andere sofort nach – es sitzen ja alle im gleichen Boot.

Gold als Konsequenz

Gefangen in der Nullzinszone – das (fragliche) Inflationsziel weit entfernt – die totale Zinskontrolle bald Realität. Da bleiben wenig Alternativen ausser Gold. Obwohl auf Allzeithöchst, zeigen alle Ampeln auf Grün. Die aktuelle Verschnaufpause ist eine gute Gelegenheit Gold und Goldminenaktien zuzukaufen!