Hat jemand noch die Übersicht darüber, was «nachhaltig» in Bezug auf Finanzinvestments genau heisst?
Ed Gordon: Anleger können Nachhaltigkeitsrisiken nur dann fundiert einschätzen, wenn sie Zugang zu guten, verlässlichen Informationen haben. Es ist darum notwendig, die Kategorien bezüglich Nachhaltigkeit von Finanzinvestments weiter zu standardisieren. Um verlässlichere Informationen zu bekommen, haben wir vor einem Jahr die Unternehmen aufgefordert, ihre Nachhaltigkeitsberichte an den Empfehlungen der Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) und den Standards des Sustainability Accounting Standards Board (SASB) auszurichten. Die Entwicklung seither ist ermutigend: Die Zahl der Unternehmen, die Berichte gemäss den SASB-Empfehlungen erstellen, ist um 363 Prozent gestiegen. Und mehr als 1700 Organisationen orientieren sich nach eigenen Angaben bei ihren Veröffentlichungen an den TCFD-Vorgaben.

Angenommen, jemand hat 100'000 Franken und möchte dieses Geld nachhaltig in Fonds investieren. Wie soll man vorgehen?
Eine Möglichkeit ist, Nachhaltigkeit mit börsenkotierten Indexfonds (ETF) umzusetzen. Blackrock hat das Angebot an ESG-ETF um 51 neue Indexprodukte auf weltweit 141 erweitert.

Viele nachhaltige Fonds funktionieren nach dem Ausschlussprinzip: In ungeliebte Branchen wird nicht investiert. Macht das Sinn?
Ja. Auch Blackrock bietet seinen Kunden ETF an, die bestimmte Branchen ausschliessen.

Ed Gordon

Ed Gordon
Quelle: ZVG

Ed Gordon ist Leiter iShares und Wealth bei Blackrock Schweiz.

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Ist der Best-in-Class-Ansatz von Vorteil?
Der Best-in-Class-Ansatz bildet die Grundlage, um die Nachhaltigkeit von Unternehmen miteinander zu vergleichen. Er bietet darum die Chance, auch konventionellen Anlegern nachhaltige Geldanlagen nahezubringen, was diesen Geldanlagen aus ihrem Nischendasein heraushelfen kann. Negativ beim Best-in-Class-Ansatz ist allerdings, dass es keinerlei Kriterien gibt, um ökologisch oder ethisch bedenkliche Branchen auszuschliessen. Blackrock hat sich darum wie erwähnt entschlossen, die Unternehmen selbst aufzufordern, ihre Nachhaltigkeitsberichte an den Empfehlungen der TCFD und den Standards des SASB auszurichten. So wird eine breitere Palette wesentlicher Nachhaltigkeitsfaktoren abgedeckt.

Ist es sinnvoll, in Themenfonds zu investieren, bei denen spezifisch in einzelne Sektoren wie Wassertechnologie oder erneuerbare Energien investiert wird?
Ja. Themenfonds lassen Anleger aller Art, auch solche mit wenig Geld, in gesellschaftliche Megatrends investieren. Das sind globale ökonomische, soziale, technologische und demografische Veränderungen, die unseren Alltag betreffen. Dazu gehören technologische Durchbrüche, neue ökonomische Machtverhältnisse, der Klimawandel und die rasche Verstädterung. Anlegern bieten sich so interessante Möglichkeiten, um die positive Schubkraft der entsprechenden Veränderungen in ihren Portfolios zu nutzen.

Der Schweizer Finanzplatz will nachhaltig sein, ist aber nicht konsequent. Wie es Anlegern dennoch gelingen kann, klimafreundlich zu investieren. Lesen Sie mehr.

Kann man mit Nachhaltigkeit auch eine befriedigende Performance bekommen?
Ja. Wir wissen ja, dass Klimarisiken Investmentrisiken sind. Aber wir sind auch überzeugt davon, dass die klimabedingten Veränderungsprozesse historische Anlagechancen mit sich bringen. Denn sobald die Märkte beginnen, das Klimarisiko bei Wertpapieren einzupreisen, wird dies eine grundlegende Umschichtung von Kapital in Gang setzen. Vergangenes Jahr haben vier von fünf globalen Nachhaltigkeitsindizes eine bessere Wertentwicklung abgeliefert als ihre nicht nachhaltigen Vergleichsindizes.

Die Gebühren von nachhaltigen Fonds sind oft ziemlich hoch. Ist das gerechtfertigt?
Je mehr Angebote es gibt, desto mehr werden jedenfalls die Gebühren von nachhaltigen Anlagen sinken. Was ETF angeht, sind wir überzeugt, dass indexbasierte Investments im Bereich Nachhaltigkeit diesbezüglich das Gleiche bewirken werden, was sie für Obligationen und Aktien bewirkt haben. Bis vor kurzem waren nachhaltige Anlagestrategien fast ausschliesslich im Rahmen aktiv gemanagter Strategien mit hohen Gebühren oder in individuellen Mandaten erhältlich. Global betrachtet aber liegt die durchschnittliche Gebühr eines aktiv gemanagten nachhaltigen Publikumsfonds fünfmal so hoch wie bei unseren nachhaltigen ETF.

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