Zu Beginn des Jahres waren Schwellenländer eine Anlageklasse, die vor dem Hintergrund niedriger globaler Zinssätze anständige Renditen bot und bei der die Risikoprämien sinken sollten, wenn sich das makroökonomische Bild weltweit verbessert. 

Hintergrund war das näher rückende Ende des Lockdowns und die damit verbundene Rückkehr auf einen wirtschaftlichen Wachstumspfad.

Diese Entwicklung hat US-Staatsanleihen weiter unter Druck gesetzt. Zwar bekräftigen die US-Notenbank und die EZB ihre Strategie, die Niedrigzinspolitik und die allgemeinen Stützungsmaßnahmen für die absehbare Zukunft beizubehalten. Doch der Markt zweifelt zunehmend daran.

Entscheidend ist, sich die Auswirkungen eines derartigen Anstiegs der US-Treasury-Renditen auf festverzinsliche Schwellenländer-Anlagen bewusst zu machen.

Risikoreichere Schwellenländer mit höheren Renditen sind derzeit besser in der Lage, diese Herausforderungen zu meistern.

Nick Eisinger ist Fondsmanager für Schwellenländer-Anleihen bei Vanguard.

 

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Mittelfristiges Potenzial von Schwellenländeranleihen sowie einzelner Subsegmente

Wie jede Anlageklasse werden auch sie massgeblich von der Corona-Pandemie und entsprechenden Eindämmungsmassnahmen beeinflusst. 

Grundsätzlich hat der Kampf gegen die Pandemie die öffentlichen Haushalte in allen Teilen der Welt belastet. Die Ausgaben für medizinische Versorgung und Konjunkturprogramme sind gestiegen, die Steuereinnahmen mit dem Wirtschaftseinbruch sind dagegen zurückgegangen.

Zwar erreichten die öffentlichen Schulden der Schwellenländer bereits zu Beginn des Jahres 2020 den höchsten Stand seit 2002; wegen der niedrigen Zinsen erscheint diese Schuldenlast jedoch insgesamt tragbar.

Festzuhalten ist indessen, dass die Kreditqualität einzelner Schwellenländer sehr unterschiedlich ist – mit entsprechenden Folgen für die Finanzierung der Krisenmassnahmen und die Staatshaushalte.

Das wiederum hat Auswirkungen auf die Aussichten für die jeweiligen Anleihen. Aufschluss verspricht eine Analyse nach Risikosegmenten beziehungsweise Bonitäten.

Solvente Schwellenländer stehen weiter solide da

Unter den solventen Schwellenländern stachen Chile und Polen mit grossen Konjunkturpaketen heraus. Dazu zählten in beiden Ländern neben Steuersenkungen auch direkte Investitionen in ihre Gesundheitsversorgung und soziale Sicherungsprogramme. 

Sie konnten sich nicht nur zu historisch niedrigen Zinsen im Ausland verschulden, sondern auch an ihren eigenen hoch entwickelten Rentenmärkten. Auch gehören sie zu der Gruppe solider Länder, in denen die Zentralbanken Kaufprogramme für Staatsanleihen auflegen konnten. 

Diese Länder werden sich im Durchschnitt höher verschulden, um die Corona-Krise zu überwinden. Doch sie werden sich auch schneller erholen als weniger solvente Staaten, da sie aller Voraussicht nach auch weniger tiefe Rezessionsnarben davontragen werden.

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Dank hoher Finanzierungsflexibilität und gutem Marktzugang können sie ihre Wirtschaft ausserdem weiter stützen. Die Schulden dieser Länder werden steigen, doch ihre Schuldentragfähigkeit dürfte nicht gefährdet sein.

Allerdings müssen Anleger auch innerhalb der Gruppe solventer Schwellenländer die Verschuldung im Auge behalten. So droht Malaysia und Indien wegen steigender Schuldenquoten eine Abstufung. Eine sorgfältige Differenzierung nach dem Kreditprofil bleibt daher auch unabdingbar.

Eine Zweiteilung in Schwellenländern mit mittlerer Qualität

Das mittlere Qualitätssegment weist ein breites Spektrum sehr unterschiedlicher Kreditprofile auf. Im Mittelfeld finden sich einerseits grössere Länder mit höheren Schuldenquoten, aber funktionierenden Kapitalmärkten, über die sich die Regierungen finanzieren können.

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So haben sich Südafrika und Brasilien hohe Summen im Inland geliehen. Um die Kreditkosten möglichst niedrig zu halten, haben viele der Anleihen nur kurze Laufzeiten.

Durch die Finanzierung im eigenen Land sind die Risikoaufschläge nicht zu drastisch gestiegen, dafür steigen die Refinanzierungsrisiken an den inländischen Rentenmärkten.

Mittelfristig werden sich diese Länder um Schuldentragfähigkeit bemühen müssen.

Sie können sich nach wie vor im Ausland finanzieren; die Risikoaufschläge werden jedoch zunehmend auseinanderdriften – je nachdem, wie der Markt die Pläne für eine mittelfristige Konsolidierung sowie die Fähigkeit und Bereitschaft zur Umsetzung dieser Pläne einschätzt. 

Andere Länder sind zwar nicht extrem verschuldet, verfügen jedoch kaum über eigene Reserven oder effiziente Obligationenmärkte, was ihre Flexibilität in der Haushaltsfinanzierung einschränkt.

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Dazu zählen Paraguay, Jordanien und die Mongolei, die sich bisher durch Auslandsschulden und subventionierte Kredite von multilateralen Institutionen wie dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank finanziert haben. Auch aus den USA und anderen entwickelten Ländern erhalten sie Unterstützung.

Ärmere Länder werden auf zusätzliche Hilfen angewiesen sein 

Besonders betroffen von der Pandemie waren Länder mit schwacher Bonität und Krisenländer, die sich schon zuvor nur schwer finanzieren konnten. Länder wie Bahrain und El Salvador konnten Kredite im Ausland nur zu hohen Zinsen aufnehmen. 

Die meisten dieser Länder sind in hohem Masse von subventionierten multilateralen Krediten und bilateralen Schuldenerlassen wie der Debt Service Suspension Initiative der G20 abhängig.

Andere, darunter Ecuador, Argentinien und der Libanon, mussten ihre am Markt aufgenommenen Schulden restrukturieren. Die Haushaltsprobleme bestanden in vielen Fällen bereits vor der Pandemie, wurden jedoch durch die Krise weiter verschärft. 

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Ein wichtiges Differenzierungsmerkmal für Emerging Market Debt-Fonds wird daher die Fähigkeit ihrer Fondsmanager sein, die Entwicklung der öffentlichen Haushalte dieser Länder richtig vorherzusagen.

Die Regierungen stehen vor einem schwierigen Spagat: Einerseits müssen sie Haushalte konsolidieren, andererseits sind sie weiterhin auf multilaterale Finanzierungen und bilaterale Schuldenerlasse angewiesen – vor allem von China, ein bedeutender Gläubiger.

Schwellenland: Sri Lanka

Zu den Ländern, die an der Schwelle zur Überschuldung und vor schwierigen Entscheidungen stehen, gehört unter anderem Sri Lanka

In den kommenden Jahren wird es in dieser Gruppe zu weiteren Ausfällen und Restrukturierungen kommen.

Für aktive Emerging Debt Manager mit hoher Fundamentalanalyse-Kompetenz ergeben sich daraus jedoch durchaus strategische Chancen.

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Vielfach zu bevorzugen sind derzeit allerdings Länder aus dem Bonitäts-Mittelfeld. Vielfach sollten sie von einer Erholung der Weltwirtschaft profitieren.

Gleichzeitig bieten sie einen höheren Schutz vor möglicherweise weiter steigenden Zinsen in den USA, als es die Länder im oberen Bereich des Qualitätsspektrums bieten können.

In diesem Segment ist angesichts der historisch niedrigen Risikoaufschläge Vorsicht geboten.