Nie zuvor war das Interesse an nachhaltigen Anlagen so gross wie heute. Die jüngste Krise hat den bereits bestehenden Trend hin zu grünen Anlagen zusätzlich beflügelt. Nachhaltige Fonds verzeichneten daher speziell im Frühjahr dieses geschichtsträchtigen Jahres Rekordzuflüsse – und der Trend hält weiter an.

Andrew Parry ist Head of Sustainable Investment von Newton IM, eine Investmentgesellschaft von BNY Mellon Investment Management.

Das ist gut – allerdings gibt es auch Unternehmen, die nur scheinbar grün sind. Hier gilt es zwischen echt und unecht zu unterscheiden. Genau das kann aber in dieser noch neuen Branche eine Herausforderung sein.

Zwar gibt es inzwischen zahlreiche Anstrengungen, einen Branchenstandard für das zu entwickeln, was Nachhaltigkeit sein soll. Zu nennen wären zum Beispiel das Climate Disclosure Standards Board (CDSB) oder das Sustainability Accounting Standards Board CSASB).

Doch ist die Qualität der verschiedenen Daten nicht überall gleich gut. Daher kann es für Investoren schwierig sein, die Nachhaltigkeit einzelner Anlagen zu bestimmen. Anleger müssen sich zudem in Dickicht von ganz unterschiedlichen nachhaltigen Ansätzen und Terminologien zurechtfinden.

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Solche Grauzonen können deshalb zum «Greenwashing» verleiten. Beim Greenwashing geben sich Unternehmen scheinbar ein umweltfreundliches und verantwortungsbewusstes Image, um Investitionen anzuziehen.

Druck auf Unternehmen wächst

Im Gegenzug sollte man aber bedenken, dass der Druck auf Unternehmen wächst, klarere Informationen in Bezug auf ihre Nachhaltigkeit bereitzustellen. Die wachsende Nachfrage nach grünen Anlagen stellt auch eine Gelegenheit dar, glaubhaft zu zeigen, dass Firmen Nachhaltigkeit nicht als willkommenen Marketing-Trick verstehen, sondern als integrierten Bestandteil ihrer Geschäftstätigkeit.

Dabei haben nicht wenige Firmen noch Nachholbedarf in puncto Nachhaltigkeit. Als Beispiel seien Modeunternehmen genannt, die ihre Umweltfreundlichkeit betonen, während sie gleichzeitig auf billige Arbeitskräfte setzen.

Die Liste liesse sich noch weiterführen. Greenwashing ist also eine grosse Herausforderung und benötigt eine klare Sprache. Denn was man unter Nachhaltigkeit versteht, kann unterschiedlich sein. Bei der Beurteilung, ob eine Firma sich dem Vorwurf des Greenwashings stellen muss, sollte man daher nicht nur das anschauen, was eine Firma veröffentlicht, sondern vor allem das, was eine Firma wirklich tut.

Tatsächlich tragen auch die Ratingagenturen, die nachhaltige Anlagen überwachen, oft unabsichtlich zur Verunsicherung bei. Dies deshalb, weil sie teilweise weniger klare Ratings aufstellen. Einige Unternehmen erhalten dann fälschlicherweise ein gutes Nachhaltigkeitsrating.

Die Wirklichkeit sieht dann aber leider anders aus. Hinzu kommt, dass einige Unternehmen den Markt mit Daten in der Hoffnung auf ein gutes Rating fluten. Hier besteht die Gefahr, dass das Rating zu einem simplen Aushängeschild verkommt, ohne das wirklich etwas dahintersteckt.

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Auf Ehrlichkeit setzen

Allerdings gibt es Bestrebungen, bessere und transparentere Methoden der Berichterstattung für Unternehmen zu finden. Damit würde man die Risiken in den Portfolios für Investoren verständlicher und nachvollziehbarer machen, damit sie fundiertere Entscheide fällen können.

Vorteilhaft wäre es, die gesamte Geschäftspraxis in Bezug auf Nachhaltigkeit in die Unternehmensanalyse ungeschönt einfliessen zu lassen, statt sich nur auf Ratings zu verlassen. Dies würde dabei helfen, das tatsächliche Engagement des Unternehmens genauer zu bestimmen.  

Greenwashing kann man oft bei Firmen ausmachen, die nur über die positiven Aspekte ihrer Geschäftstätigkeit sprechen und negative Faktoren auslassen. Dies entspricht jedoch nicht der Realität. Die Entwicklungsziele der UNO zielen eben genau darauf ab, ökologische und soziale Defizite der Unternehmen anzupacken.

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Firmen, die nachhaltige Anlagen mit einer ehrlichen Haltung angehen, sind in der Regel auch bereit, die Herausforderungen ihres Betriebes zu thematisieren. Nur so kann der Übergang zu einer wirklich nachhaltigen Wirtschaftsweise gelingen.