Während zu Beginn des Jahres die Sorge vor Dürren gross war, rechnete der Markt für März mit ausreichenden Regenfällen. Dies führte zu einer positiveren Ernteaussicht, und der Kakaopreis sank seit Mitte Februar um mehr als 25 Prozent. Dazu kam die Corona-Krise, die einen negativen Einfluss auf die Nachfrage nach Kakao haben dürfte. Nun scheint sich aber eine Unterstützungszone zu entwickeln.

Obwohl der Kakaomarkt im Vergleich zu anderen Rohstoffen eher ein Nischenmarkt ist, spielt er für die Schweiz eine gleich doppelt wichtige Rolle. Nicht nur, dass die Schweiz mit Nestlé und Lindt & Sprüngli gleich zwei namhafte Unternehmen in den Top 10 der weltweit grössten Schokoladenproduzenten vorzuweisen hat.

Mit einem laut Statista durchschnittlichen pro Kopf Verbrauch zwischen 10 und 12 Kilogramm Schokolade pro Jahr zählt die Schweiz zu den Ländern mit dem höchsten Schokoladenwarenkonsum. Doch während der globale Schokoladenkonsum für die nächsten 5 Jahre um durchschnittlich bis zu 4,5 Prozent pro Jahr wachsen soll, befindet sich der Kakaopreis seit seinem Allzeithoch im März 2011 in einem langfristigen Abwärtstrend. Folgende Faktoren spielen eine wichtige Rolle bei der Kursfindung:

  • Starke Wetterabhängigkeit: Wie die meisten Rohstoffe reagieren Kakaoplantagen sehr empfindlich auf wechselnde Wetterbedingungen. Sie erfordern ein warmes Klima und regelmässige Niederschläge. Wenn die Pflanzen keine gesunden Bohnen produzieren können, wird das Kakaoangebot sinken und die Preise steigen.
  • Politische Risiken: Die Elfenbeinküste, Ghana und Indonesien produzieren mehr als zwei Drittel der weltweiten Kakaoernte. Verschärfte Arbeitsvorschriften und politische Instabilität haben einen entscheidenden Einfluss auf die Preise wie zuletzt gesehen bei den Unruhen in der Elfenbeinküste 2011 als der Kakaopreis um 50% fiel.
  • Schädlinge: Die globale Erwärmung hat nicht nur Auswirkungen auf unser Wetter, sondern fördert auch die Verbreitung von Schädlingen und Krankheiten. Diese wiederum führen zu einem verringerten Angebot und einer Erhöhung der Preise. 2010 führte ein Pilzbefall der Kakaopflanzen zu einem Verlust von bis zu einer halben Million Tonnen Kakao. Bei einer aktuellen Jahresernte von etwa 4.8 Millionen Tonnen hat dies massive Auswirkungen auf den Preis.

Unterstützung gefährdet

Die genannten Faktoren, hatten in der Vergangenheit starke Auswirkungen auf den Kakaopreis, der mit Kursab- und aufschlägen von bis zu 50 Prozent innerhalb kurzer Zeit reagierte. Während sich der Kakaopreis seit Februar um 25 Prozent verbilligt hat, konnten sich die Kurse aktuell oberhalb von 2200 Dollar je Tonne stabilisieren. Der letzte CFTC Report zeigt jedoch, dass die Spekulationen auf weiter fallende Kurse deutlich zugenommen haben.

Anzeige

Ob die Unterstützung im Bereich bei 2180 bis 2200 Dollar je Tonne (ICE Cocoa Future CC) hält, wird auch von den oben genannten Faktoren abhängen. Insbesondere die Niederschläge in der aktuellen Regensaison dürften eine entscheidende Rolle dabei spielen. So haben Kakao-Plantagenbesitzer aus der Elfenbeinküste berichtet, dass die aktuellen Niederschläge deutlich unter den Durchschnittswerten vergangener Jahre liegen und eine geringere Ernte, insbesondere der qualitativ hochwertigeren Kakaobohnen, erwarten lassen.

Dies dürfte eine Erklärung für die aktuelle Stabilisierung in den Kursen sein. Sollte in den kommenden Wochen der Regen jedoch zunehmen und eine üppige Ernte fördern, so könnte die genannte Unterstützung bald erneut getestet werden. Ein Durchbrechen dieser Unterstützung dürfte wohl einen schnellen Test der Tiefststände aus dem August 2019 bei 2090 Dollar je Tonne nach sich ziehen. Darüber hinaus sind sich die Händler bewusst, dass die Nachfrage nach Schokolade in naher Zukunft aufgrund des Coronavirus sinken könnte.

Christos Maloussis ist Market Analyst und Premium Client Manager bei der IG Bank.