Unerwartet und hart hat das Coronavirus und die daraus resultierenden Folgen der global verhängten Reisebeschränkungen die Airlines weltweit getroffen. Mit Ausnahme von Ryanair bedeutete dies an der Börse zumeist eine Halbierung des Marktwerts der Fluggesellschaften.

 Auch die Deutsche Lufthansa hat es entsprechend hart getroffen. Sie musste sich mit einem Milliardenpaket aus Deutschland, der Schweiz und Österreich retten lassen.

Christos Maloussis ist Market Analyst und Premium Client Manager bei der IG Bank.

Zwar reagierte der Aktienkurs zunächst euphorisch, jedoch setzte die Ernüchterung bei den Anlegern schnell ein. Das zwischenzeitliche Kurshoch bei 12,56 Euro liegt wieder in weiter Ferne, da die Aktionäre zwischenzeitlich verstanden haben, dass sie die leidtragenden der aktuellen Krise sein werden. Neben dem Ausbleiben einer Dividendenzahlung, als Auflage für die staatliche Unterstützung, wird sich der Konzern in den kommenden Jahren über den Kapitalmarkt verschulden müssen, um die Staatskredite zurückzuzahlen. Auch ein Verkauf einzelner Unternehmensbereiche, zur Reduzierung der Schuldenlast, wäre denkbar.

Zudem werden die Auswirkungen der Coronakrise auf die Passagierzahlen noch weit ins nächste Jahr hineinreichen, sodass mit einer Rückkehr der Passagierzahlen auf das Niveau aus 2019 wohl frühestens 2022 zu rechnen ist.

Ryanair kann sich halten

Anders sieht es bei der Ryanair aus. Dank strikter Kostenkontrolle und dem auf Kurzstrecken ausgelegten Streckennetz kommt Ryanair besser als die Konkurrenten durch diese schwierige Zeit. Darüber hinaus sind die Liquiditätsreserven mit über 4 Milliarden Euro prall gefüllt. Bei einer wöchentlichen Cash-Burn Rate von 60 Millionen Euro kann sich die Airline quasi aus der Portokasse, einen kompletten Stillstand des Luftverkehrs für weitere 16 Monate leisten ohne dabei an den Kapitalmarkt gehen zu müssen.

Zudem hat Ryanair entschieden, Basen in Deutschland zu schliessen, da die Lohnverhandlungen mit den Piloten scheiterten. Dies zeigt die Fähigkeit der Airline die Kostenbasis, wenn nötig, kompromisslos zu senken und somit das eigene Überleben zu sichern. Und das spiegelt sich auch im Aktienkurs wider.

Während die Lufthansa seit Jahresbeginn mehr als 48 Prozent an Wert verlor, fielen die Anteilsscheine der Billigairline um weniger als 25 Prozent. Damit ist Ryanair in Sachen Marktkapitalisierung mittlerweile zweieinhalb Mal mehr wert als die Airline mit dem Kranich und nur noch knapp hinter dem Branchenprimus, Delta Airlines.

Lufthansa charttechnisch angeschlagen

Neben schlechten Aussichten für die Lufthansa zeichnet sich auch im Kurschart ein ungemütliches Bild ab. Nach der kurzfristigen Erholung Mitte Mai bis Anfang Juli, fiel der Kurs sowohl unter die wichtige Fibonacci-Retracement-Linie von 50 Prozent und 61.8 Prozent.

Damit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit eines vollständigen Rücksetzers des Kurses auf das Ausgangsniveau bei 7,12 Euro. Sollte auch diese wichtige Unterstützung fallen, könnte ein weiterer Abverkauf bis auf das 127.2-Prozent-Fibonacci-Niveau bei 5.65 Euro folgen. Da, wo aktuell auch die untere Trendkanallinie des seit Januar 2018 intakten Abwärtstrends verläuft. Einzig die bullische Divergenz im MACD Indikator, deutet aktuell auf eine kurzfristige Erholung hin.

Die Folgen der Coronakrise, dürften Airlines auch in den kommenden Jahren zu spüren bekommen. Die Krisengewinner könnten Low-Cost-Carrier werden, welche primär die Kurzstrecke bedienen und eine niedrige Kostenbasis vorweisen können.

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