Können Sie das glauben? Wir schreiben erst Mitte Februar und die weltweiten Aktienmärkte liegen schon wieder deutlich über ihrem Dezembertief. Und die schweizerischen Aktien? Auch sie liegen klar darüber. Trotzdem warnen viele davor, dass ein langsameres Wirtschaftswachstum auf Buhmänner wie China und den Brexit stossen wird und damit die Kurs-Rally abwürgt.

Berufsprognostiker sagen für die US-Aktien in diesem Jahr eine Rendite von 16 Prozent voraus und unterstellen damit bis zum Jahresende nur noch träge Renditen, die es nicht mehr auf das Septemberhoch zurückschaffen. Für Europa sehen die Prognosen noch schlechter aus. Doch die globalen wirtschaftlichen Fundamentaldaten sind nicht schlecht. Die globalen Aktien dürften 2019 die Erwartungen übertreffen und Europa dürfte die Führung übernehmen.

Wo auch immer Sie hinschauen, überwiegt die negative Stimmung. Das Weltwirtschaftsforum in Davos ist eine grossartige Momentaufnahme dieser Gemütslage. Jedes Jahr steigen die Grossen aus Wirtschaft und Politik in der schweizerischen Alpenstadt ab und sinnieren über die Welt. Dieses Jahr waren sie alle schwermütig, sorgenvoll: China, Zölle, Präsident Trump, die Gelbwesten in Frankreich, schwache Wirtschaft in Deutschland und der Schweiz, Ende der EZB-Anleihenkäufe und der Brexit. Und dann kürzte der IWF seine globale BIP-Prog­nose von 3,7 auf 3,5 Prozent. Die Welt verlor die Nerven, die Märkte rauschten abwärts.

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Aber 3,5 Prozent sind gut! Aktien brauchen kein prompt reagierendes BIP oder zeitlich abgestimmtes globales Wachstum. Die Differenz zwischen 3,5 und 3,7 Prozent ist zudem bedeutungslos. Die Annahme, dass jemand das BIP-Wachstum so präzise vorhersagen könnte, ist einfach albern. Es gibt bei weitem zu viele Variablen und zu viel Unvorhersehbares, als dass es in ein Modell passen würde. Eine leicht verringerte Prognose bedeutet nur, dass eine Gruppe an ihrer Meinung gefeilt hat – ein Stimmungsbarometer, mehr nicht.

Der Kurssturz im Dezember wurde von Hedgefonds-Schliessungen ausgelöst

Der Markt sah im Januar aus wie die rechte Hälfte des traditionellen unteren V-förmigen Anstiegs einer globalen Aktienkorrektur. Der Einbruch im Dezember war die linke Seite. Das spiegelte aber nicht die Fundamentaldaten, sondern vielmehr die kaum bemerkten, durch eine Welle von Hedgefonds-Liquidierungen ausgelösten Panikverkäufe in Amerika.

Nach Jahren der Underperformance tief in den roten Zahlen teilten Hunderte Hedgefonds ihren Anlegern vertraulich mit, dass sie zum Jahresende schliessen würden. Die Folge: Sie kollidierten miteinander, weil sie Geschwindigkeit über Preis erhoben. Geldströme in ETF und Investmentfonds zeigen, dass viele Kleinanleger dann in Panik gerieten.

Aber nach Weihnachten war es vorbei. Die nächsten vier Wochen kehrten den Sturzflug vom Dezember fast spiegelbildlich um. Nun ist der steile V-förmige Anstieg vorüber, aber die Erholung hält an. Die weltweiten Aktienmärkte dürften sich in Aufs und Abs weiter auf das Oktoberhoch des letzten Jahres zubewegen – und darüber hinaus. Vielleicht etwas langsamer und mit mehr Aufs und Abs als im Januar. Die Anleger werden sich so lange durch etwas durchkämpfen, was ich als «Pessimismus des Unglaubens» bezeichne – einen langen Prozess der Überwindung falscher Befürchtungen und der Erkenntnis einer stärkeren Realität.

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Überlegen Sie: Wenn wir wegen ihrer langen Geschichte die US-Märkte zugrunde legen, endete keine Korrektur und kein Bärenmarkt so spät im Kalenderjahr wie dieses Mal. Das ist wichtig für die Renditen 2019, weil die durchschnittliche Rendite in den zwölf Monaten nach einer 10- bis 20-prozentigen Korrektur 34 Prozent beträgt – vor Dividenden.

Wenn man also einfach nur das durchschnittliche auf eine Korrektur folgende Rally nimmt, deutet das schon auf ein herausragendes 2019 hin. Und dann noch ein Geheimnis: Es gab aufeinanderfolgende negative Aktienmarktjahre, aber nur im Zusammenhang mit einer globalen Rezession oder ­einem Weltkrieg. Ein Rückgang 2019 würde eine globale Rezession erfordern, die jedoch nicht eintreten wird. Wenn das grösste Wirtschaftsrisiko ein globales Wachstum von 3,5 statt 3,7 Prozent ist, haben die Aktien noch reichlich Treibstoff.

Die Stimmung der Einkaufsmanager deutet mehrheitlich auf Expansion

Doch selbst nach einer kräftigen ersten Erholung bleibt die Stimmung negativ. Überlegen Sie: Der Dezember gilt als der weltweit schlechteste Monat in den Aufzeichnungen. Doch die Fundamentaldaten sind nicht schlecht. Einschliesslich der Schweiz erlebten im dritten Quartal 2018 fünf Industrieländer einen BIP-Rückgang. Der allerdings sieht, wie in meiner Kolumne am 10. Januar beschrieben, überall aus wie ein Einmal­ereignis, nicht wie eine anhaltende Schwäche.

Es scheint, als ginge es bereits nach oben. Das Statistische Bundesamt Deutschland sagt, dass man knapp an einer Rezession vorbeigeschrammt sei. Die schweizerischen Daten schlossen sich dem kürzlich an. In die Zukunft gerichtete Märkte kennen diese Ebbe- und Flutwellen gut. Sie durchschauen die isolierte Schwäche.

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Kenneth Lawrence Fisher (born November 29, 1950)

*Ken Fisher, Chairman, Fisher Investments Europe.

Quelle: Jannis Chavakis/ 13Photo

An anderer Stelle zeigen globale Monatsdaten wie die Einkaufsmanagerindizes, auch der schweizerische, mehrheitlich Expansion und steigende Auftragszahlen. Die in die Zukunft gerichteten Indikatoren wie die des Conference Board für die USA und die führenden Wirtschaftsindizes der Euro-Zone sind hoch und steigen. Die globalen Gewinne stiegen 2018, während die Preise fielen, was zu schrumpfenden Bewertungen führte.

In Amerika schätzen die Analysten das Gewinnwachstum 2019 auf 6,9 Prozent. Aber die Gewinne haben die Konsenserwartungen seit zehn Jahren übertroffen. Historisch betrachtet folgten auf Jahre mit fallenden Kennzahlen immer Jahre mit steigenden Bewertungen. Die Verbesserung der Kennzahlen zusätzlich zu einem Gewinnwachstum weist auf ein sehr gutes Jahr 2019 hin. 

Kaufen Sie jetzt ungeniert auf Märkten ein, die 2018 besonders schlecht waren

Lassen Sie sich also vom Pessimismus anderer nicht Ihre Sichtweise verdunkeln – insbesondere nicht auf Aktien der Eurozone. Wie ich in meiner Kolumne vom ­ Dezember 2018 erklärte, profitierten die schweizerischen Aktien letztes Jahr von ihrem Reiz als sicherem Rückzugsort. Sie entwickelten sich, wenn man von der Währungsverzerrung absieht, besser als alle anderen europäischen Länder ausser Finnland und Norwegen. Die fünf schwächsten Länder im MSCI World waren alle Euro-Länder.

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2019 ist ein Jahr, um in die Schwäche zu kaufen, in jenen Ländern, die am schwersten getroffen wurden. Behalten Sie einige schweizerische Aktien, aber übergewichten Sie Deutschland, Italien, Frankreich und Spanien. Kaufen Sie auch österreichische Aktien! Halten Sie irische Aktien, die von der Brexit-Furcht betroffen sind. Wenn die Unsicherheit nachlässt, wird die Erleichterung der anderen dafür sorgen, dass Ihr Portfolio steigt.

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