Eigentlich sollten die Börsen gerade durch die Hochtouren laufende Berichtssaison geprägt sein. Doch der Ausbruch einer neuartigen Epidemie in China versetzt die Märkte weltweit in Nervosität und hängt wie ein Damoklesschwert auch über dem Schweizer Leitindex SMI.

Erinnerungen an die SARS-Epidemie Anfang des Jahrtausends werden wach; viele Anleger stellen die Frage nach dem wirtschaftlichen Schaden aus der aktuellen Krankheitswelle.

Mit dem neuen Coronavirus ist seit langem wieder ein «Schwarzer Schwan» auf dem Börsenparkett erschienen. Höchste Zeit auch für Privatanleger, das eigene Aktienportfolio vor weiteren Turbulenzen zu schützen.

Oliver Scharping ist Portfoliomanager für globale Aktien beim Asset Manager Bantleon Bank AG.

Aktuell ist zwar auf den weltweiten Börsenplätzen noch nicht von Panik zu sprechen. Bei einigen amerikanischen Technologiewerten herrscht sogar scheinbar noch ungebrochene Euphorie.

Doch mit der stetig steigenden Zahl von Opfern und Infizierten werden zu Recht Erinnerungen an die Jahre 2002/2003 wach: Damals schwächte das SARS-Virus das globale Wirtschaftswachstum massiv; es setzte auch der Schweizer Wirtschaft zu. Nicht jeder Anleger behielt die Nerven, als das eigene Portfolio tiefrot wurde.

Anleger sollten einen kühlen Kopf bewahren

Auch wenn er sich bislang solide hält, so ist auch der SMI potenziell anfällig für vergleichbare Rückschläge. Hinzu kommt, dass die heutige mediale Geschwindigkeit Angst und Nervosität weitaus schneller verbreitet als noch vor knapp 20 Jahren und die Börsen damit zu einem Hexenkessel für Privatanleger macht.

In diesem Umfeld ist es ratsam, Vorsicht walten zu lassen, zumindest bis sich erste Zeichen einer Stabilisierung bei den Neu-Infektionsraten zeigen. Einige Börsenlieblinge von Schweizer Anlegern werden wohl zunächst relativ stark unter Druck bleiben.

Insbesondere in der Tourismus- und Luxusgüterbranche ist bei einer anhaltenden exponentiellen Verbreitung von «2019-nCoV» mit weiteren Kurstauchern zu rechnen. Ein verlängerter Produktionsstopp in den grossen chinesischen Fabriken dürfte die Industrie und den globalen Handel weiter belasten.

Bereits investierte Anleger sollten einen kühlen Kopf bewahren und eine langfristige Perspektive einnehmen. Denn die Chancen stehen bisher gut, dass die Rückschläge nicht nachhaltig sein werden. 

Fusionen? Übernahmen? Sondersituationen im Fokus

Unabhängig von der aktuellen Krise sollten Aktienanleger angesichts der Rally des vergangenen Jahres aber überlegen, ob sie die Risiken im Portfolio selektiv verringern. Das heisst kurzfristig vor allem eines: die Marktabhängigkeit zu reduzieren und bei Aktien verstärkt auf vom Markt entkoppelte Sondersituationen sowie Realwerte zu setzen.

Da es in der Schweiz aktuell nur wenige derartige Valoren gibt, lohnt sich ein Blick zu den französischen und deutschen Nachbarn. Dort bietet sich Anlegern ein bunter Strauss an solchen Sondersituationen, mit denen – unberührt vom Coronavirus – weiterhin positive Renditen erzielt werden können. Zu diesen Sondersituationen gehören zum Beispiel Fusionen und Übernahmen.

Marktunabhängige Investmentchancen als sicherer Hafen

Gute Beispiele sind das Lichttechnikunternehmen Osram und das IT-Beratungsunternehmen Altran. Bei solchen Aktien in Sonder- beziehungsweise Übernahmesituationen handelt es sich um marktunabhängige Investmentchancen, die in jeder Phase des Konjunkturzyklus eine attraktive Portfoliobeimischung darstellen und als sicherer Hafen fungieren können.

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Denn selbst vergleichbare gesamtwirtschaftliche Folgen wie aus der Sars-Epidemie können Valoren, die sich zum Beispiel in der Schlussphase einer vertraglich vereinbarten Übernahme befinden, nahezu nichts anhaben. Auch Valoren, die nach einer Übernahme eine vertraglich garantierte Ausgleichszahlung ausschütten – eine so genannte Garantiedividende –, können interessant sein.

Ein Beispiel hierfür ist das deutsche Pharmaunternehmen Stada Arzneimittel, bei dem Private-Equity-Grossaktionäre nach einer Übernahme mehr als 75 Prozent der Aktien besitzen und einen solchen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag abgeschlossen haben.

Schutz vor Abwärtsspirale

Brillieren kann diese Art von Aktien, die sich in Sondersituationen befinden, vor allem in kritischen Börsenzeiten, die von Unsicherheit geprägt sind. Damit helfen sie Anlegern, das eigene Portfolio vor einer Abwärtsspirale zu schützen.

Wer sich die Auswahl einzelner Aktien in Sondersituationen nicht selbst zutraut, kann seinem Portfolio einen auf Sondersituationen spezialisierten Anlagefonds (Event Driven) beimischen. Damit sind Anleger nicht nur für eine mögliche Coronavirus-Pandemie gewappnet, sondern auch für den nächsten «Schwarzen Schwan». Gleichzeitig profitieren sie, wenn sich die Weltwirtschaft wieder aufhellt und die nächste grosse Übernahmewelle anrollt.