Die Schweizerische Nationalbank (SNB) bekennt sich zum Bargeld. Trotz der Zunahme elektronischer Zahlungsmittel geht die SNB davon aus, dass physisches Geld bei den Leuten beliebt bleibt. Entsprechend will sie über die Barmittelversorgung auch künftig die Wahlfreiheit beim Zahlungsmittel garantieren.

«Ich bin überzeugt, dass Bargeld noch lange bestehen wird», sagte SNB-Vizedirektor Martin Schlegel am Dienstag in einer Rede anlässlich des Forums für Finanzstabilität in Liechtenstein. Gleichzeitig räumt er aber ein, dass im Alltag andere Zahlungsmittel wie Debitkarten, Kreditkarten und Bezahl-Apps immer beliebter werden und die Verwendung von Bargeld rückläufig ist.

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Digitale Zahlungsmittel nehmen zu

Gemäss Umfragen der SNB büsste Bargeld zwischen 2017 und 2020 deutlich an Nutzungsanteilen ein: Wurden 2027 noch 70 Prozent der Transaktionen in Bargeld beglichen, so waren es 2020 noch 43 Prozent. Und die Abwärtstendenz dürfte sich fortsetzen, ist Schlegel überzeugt. Erstens würden sich die digitalen Möglichkeiten weiter verbessern und zweitens sei die jüngeren Generation weniger Bargeld-affin.

Der E-Franken muss warten

Nigeria und einige kleinere Staaten wie Jamaika oder die Bahamas haben bereits digitales Zentralbankgeld eingeführt. Ebenfalls weit fortgeschritten ist die Entwicklung in China, wo der seit Ende 2020 laufende Pilotversuch mit dem E-Yuan nächstes Jahr ausgeweitet werden soll. 

In Europa macht vor allem Schweden mit seiner E-Krona schnell voran und prüft derzeit, wie sie für Überweisungen ins Ausland genutzt werden kann. Die Euro-Zone will den digitalen Euro Mitte des Jahrzehnts als Ergänzung zum Bargeld unter die Leute bringen. 

Auch die Schweiz testet seit 2020 mögliche Anwendungsformen von Kryptogeld der SNB. Im Unterschied zu anderen Zentralbanken beschränken sich die SNB-Projekte jedoch auf sogenannte Wholesale-CBDC. Diese Art von digitalem Zentralbankgeld ist nur für Finanzinstitute vorgesehen und unterscheidet sich damit wesentlich von den Retail-CBCD fürs breite Publikum, wo die Bürgerinnen und Bürger direkt ein Konto bei der Zentralbank haben könnten. Dass der Kryptofranken für alle kein Thema ist, betont die Nationalbank bei jeder Gelegenheit. 

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Gleichwohl war den Statistiken der SNB zufolge Bargeld auch im Jahr 2020 noch das beliebteste Zahlungsmittel. Dafür gebe es auch gute Gründe, so der SNB-Vize. Denn Bargeld habe trotz einiger Nachteile auch Vorteile gegenüber dem digitalen Zahlungsverkehr.

Wahlfreiheit von hoher Bedeutung

Erstens erlaube Bargeld einen einfachen und verständlichen Umgang mit Geld. «Mit Münzen und Noten hat man seine Ausgaben sprichwörtlich 'im Griff'», so Schlegel prägnant. Zweitens erforderten Münzen und Noten weder Konto, noch Mobiltelefon, noch digitale Affinität. Und drittens bedinge Bargeld keine Weitergabe von persönlichen Daten.

Die SNB will somit dafür sorgen, dass auch in Zukunft die Wahlfreiheit des Zahlungsmittels bestehen bleibt. Diese Freiheit geniesse bei der Bevölkerung und somit auch bei der SNB einen hohe Bedeutung, sei aber keine Selbstverständlichkeit. Voraussetzung dafür sei, dass die Bargeldversorgung Tag für Tag gut funktioniere, so Schlegel.

(awp/mth)