Auf Corona folgten in diesem Jahr geopolitische Risiken durch den Ukraine-Konflikt, Inflation und steigende Zinsen: Wie reagiert die Liechtenstein Life auf solche komplexen Veränderungen?

Als Lebensversicherer versuchen wir, in langfristigen Zyklen zu denken. Immerhin bleiben Kunden bei uns durchschnittlich 35 Jahre. Die vergangenen Jahre haben uns geholfen, in eine expansive Unternehmensstrategie vor allem durch Digitalisierung zu investieren.
Anders als noch vor fünf Jahren verfügen wir heute über einen raffinierten Werkzeugkasten für Broker und Kundenberater, mit dem diese schnell und unkompliziert auf unterschiedliche Lebensphasen der Kunden reagieren können – so auch auf geopolitische oder makroökonomische Veränderungen. Wir glauben daran, dass sich jede Investition, die es unseren Partnern ermöglicht, schneller, effizienter und passgenauer zu beraten, letztlich auszahlen wird, weil sie zur selben Zeit ein Investment in die Zukunft unserer Kunden ist.

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Wie sieht ihre Investitionsstrategie genau aus?

Wenn Sie auf unsere Anlagepolitik abzielen, dann nicht besonders spektakulär. Wir sind kein klassischer Versicherer. Im Endeffekt verwalten wir Geld nur indirekt und investieren immer im Auftrag unserer Kundinnen und Kunden in gewünschte Fonds. In unseren Büchern finden sich de facto keine beziehungsweise nur marginale Anlagerisiken.

Wie verändern sich die Anlagestrategien der Liechtenstein Life angesichts der Inflation?

Wir bleiben auch in unruhigen Zeiten konservativ in unserer Anlagepolitik. Wenn wir Papiere finden, die mehr Zinsen abwerfen, um so besser. Aber grosse Änderungen nehmen wir nicht vor. Wir empfehlen unseren Kunden auch keine bestimmten Anlagen; stattdessen unterstützen wir Broker, die für uns tätig sind, und ermutigen die Kunden, das Gespräch mit den unabhängigen Finanzberatern zu suchen, um allenfalls ein paar Justierungen im Anlageportfolio vorzunehmen.

Rund 50’000 Schweizer Kundinnen und Kunden vertrauen ihre Vorsorgegelder der Liechtenstein Life an. Was sind die Gründe, warum Anleger ihr Geld ins Nachbarland bringen sollten?

Liechtenstein ist ein attraktiver Finanzplatz mit direkten Zugängen zum europäischen Binnenmarkt und zur Schweiz. Die Unterschiede zwischen der Schweiz und Liechtenstein sind aus der Perspektive der Vorsorge nicht gross. Liechtenstein ist durch die Währungsunion und die bilateralen Vereinbarungen stark an die Schweiz gebunden. 

Eine Sonderstellung haben wir als unabhängiger Anbieter. Bei der Zusammenstellung eines Anlageportfolios geben wir unseren Kundinnen und Kunden nicht vor, in welche Fonds sie investieren sollen. Wir achten vielmehr darauf, ein möglichst breites Portfolio anzubieten.
Die sehr hohe Flexibilität bei der Fondsauswahl ist nicht unbedingt typisch bei Schweizer Anbietern. Vor allem Banken versuchen, ihre eigenen Fonds zu vertreiben.

Als EU-Mitgliedsland haben wir zudem die Möglichkeit, auf die ganze europäische Fondspalette zuzugreifen. Die Unabhängigkeit und der EU-Standort helfen, eine höhere Diversität auf der Investment-Seite zu erreichen. Da haben wir als Institut in Liechtenstein sicherlich eine spezielle Stellung.

Gibt es Unterschiede bei der Digitalisierung?

In der Digitalisierung haben wir in den vergangenen Jahren sehr starke Fortschritte gemacht. Wie viele Schweizer Institute haben auch wir alle Hände voll zu tun, uns in diesem Feld weiterzuentwickeln. Aber als kleiner Lebensversicherer können wir schneller sichtbare Fortschritte erzielen und auch im Kern des Versicherungsgeschäftes digitalisieren.

Zum Beispiel?

Wir zielen bei der Digitalisierung auf eine 360-Grad-Strategie. Kunden wollen wir volle Transparenz gewährleisten und aktuelle Informationen möglichst real time zur Verfügung stellen. Auf Beraterseite geht es darum, den Kundenkontakt effizient zu gestalten. Umschichtungen im Portfolio sollen rasch und unkompliziert möglich sein. Im operativen Bereich ist uns die Skalierbarkeit enorm wichtig, um Verwaltungskosten niedrig zu halten.

Wie sicher liegt das Geld bei der Liechtenstein Life?

Das Pendant zur Finma ist die Finanzmarktaufsicht (FMA) in Liechtenstein. Diese ist der Europäischen Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (EIOPA) unterstellt, welche wiederum für gesamteuropäische Regulierungen zuständig ist. Als Liechtenstein Life agieren wir als Intermediär, im Auftrag unserer Kunden. Sollte es tatsächlich zu einem Konkurs kommen, wären die Kunden trotzdem auf der sicheren Seite: Investierte Gelder werden aus der Konkursmasse herausgenommen und abgesondert. 

Wie nachhaltig kann der Kunde sein Geld bei Liechtenstein Life anlegen?

Der Entscheid, wie nachhaltig man das Geld anlegen soll, liegt tatsächlich bei unseren Kunden. Unsere eigene Motivation ist, alle Möglichkeiten, die im Themenbereich der Nachhaltigkeit heute in Europa als Standard gelten, zur Verfügung zu stellen. Die persönliche Sicht über die Zukunft können und sollen unsere Kunden in die Gestaltung ihrer Portfolios einfliessen lassen. Natürlich tun wir auch als Unternehmen vieles für eine nachhaltige Zukunft und arbeiten zum Beispiel überwiegend klimaneutral.

Wie gehen Sie konkret mit ESG-Kriterien um?

Wir sind als EWR-Institut an die SFDR-Richtlinie gebunden; entsprechend der EU-Vorgaben haben wir unsere ganze Fondspalette ausgerichtet. An einer Farbenskala von gelb bis dunkelgrün sollen Kunden sofort transparent erkennen können, welche Nachhaltigkeitsvorgaben der jeweilige Fonds erfüllt. Das ist bei Umweltauswirkungen relativ einfach umsetzbar. Bei Governance- und insbesondere Social-Kriterien hängt es allerdings von vielen kulturellen Faktoren ab – und diese Aspekte haben oft keine universelle europäische Definition.

Vielleicht noch anschaulicher ist der Unterschied in der Denkweise der amerikanischen Welt im Vergleich zur Schweizer Gesellschaft und dementsprechend ist uns auch hier in erster Linie die Transparenz wichtig: Wir als Versicherer sehen unsere Pflicht nicht darin, die Kriterien für unsere Kunden vorzuschreiben. Gleichwohl wollen wir alle Informationen zur Verfügung stellen, die unsere Kunden unterstützen, den richtigen Entscheid bei der Fondsauswahl für sich und ihre Zukunft treffen zu können.