Blick in den Rückspiegel: Ein Jahr der Weichenstellungen
Vor ziemlich genau einem Jahr lancierte Helsana ihre Strategie «Gesundheit lebenslang absichern» mit den fünf Themenfeldern mentale Gesundheit, Langlebigkeit, Kinderwunsch & Schwangerschaft, selbstbestimmtes Leben & Wohnen sowie Gesundheitssparen. Seitdem hat sich bei den Dübendorfern einiges getan. Auch, was die eigene Positionierung anbelangt. Denn: Helsana stiess im vergangenen Jahr die CSS vom Thron als grösste Krankenversicherung in der Grundversicherung (OKP). Mehr als 108'000 neue Versicherte wechselten Anfang 2025 zur Helsana – die damit laut Vergleichsdienst Comparis die Gewinnerin der Wechselsaison war. Mit 1,53 Millionen Versicherten übernahm Helsana die Pole Position. Wie lange diese Bestand hat, bleibt abzuwarten.
Der neue Primus punktete aber nicht nur durch vergleichsweise günstige Prämien – mit einem versicherungstechnischen Ergebnis von 140 Millionen Franken konnte sich auch der Zahlenkranz sehen lassen. Die Prämieneinnahmen legten mit einem Plus von knapp 6 Prozent auf 8,25 Milliarden Franken zu. Ebenfalls beachtlich: Im traditionell unprofitablen Bereich der Grundversicherung kratzte Helsana mit einer stark verbesserten Combined Ratio von 100,1 Prozent an der magischen Grenze. Ein Spitzenwert im Branchenvergleich.
«2025 war für Helsana ein Jahr der Weichenstellungen», betont CEO Roman Sonderegger auf Anfrage von HZ Insurance. Nicht zuletzt aufgrund neuer Produkte und Services sei es gelungen, sowohl im Bereich der Grundversicherung als auch bei der individuellen Zusatzversicherung (VVG) und dem Unternehmensgeschäft zusätzliche Kundinnen und Kunden zu gewinnen. Dabei wagte sich Helsana – ähnlich wie die CSS – auch auf das Terrain der Lebensversicherungen vor. Allerdings werden ausschliesslich Produkte von Partnern angeboten.
«Wir erweitern unsere Kundenbasis. Krankenversicherung und Lebensversicherung liegen nahe beisammen. Wir haben viele Interaktionen mit unseren Kundinnen und Kunden und können und werden mit ihnen auch über andere Themen als Krankenversicherung sprechen, zum Beispiel über Lebensversicherungen», betonte Sonderegger in einem Interview mit HZ Insurance.
Insgesamt 13 führende Schweizer Versicherungsgesellschaften und Krankenversicherer haben an der Umfrage von HZ Insurance teilgenommen. Die Beiträge im Überblick:
Für branchenweites Aufsehen sorgte im Sommer die Meldung, dass Helsana mit der Adcubum AG die führende Anbieterin für Kranken- und Unfallversicherungssoftware in der Schweiz übernimmt. Eine Transaktion, die gänzlich ausserhalb des eigenen Kerngeschäfts liegt. Beunruhigende Entwicklungen bei der Softwarefirma hätten den Ausschlag dafür gegeben, gab Sonderegger gegenüber der NZZ zu Protokoll. In der Branche war die Sorge gestiegen, dass sich der IT-Dienstleister Adcubum mit seiner Wachstumsstrategie übernehmen könnte – die Abhängigkeiten von seinen Leistungen waren dafür einfach zu gross. Also schaffte Helsana mit dem Kauf einfach Fakten, um die Unsicherheiten zu beseitigen.
«Mit diesem Schritt investiert Helsana gezielt in die Stabilität, Weiterentwicklung und Optimierung der zentralen IT-Systeme – sowohl im Interesse der eigenen Zukunftsfähigkeit als auch im Sinne der vielen anderen Versicherungskunden von Adcubum», so Sonderegger zu den Beweggründen der Übernahme. Ein Schritt, der auch von den Mitbewerbern mehrheitlich gutgeheissen wurde.
Es wurden also in der Tat zahlreiche Weichenstellungen vorgenommen.
Besondere Highlights: Helsana mit zahlreichen Spitzenplätzen
Erfolg an der Kundenbasis ist in der Regel ein Marathon und kein Sprint. Da macht auch Helsana keine Ausnahme. Aber das intensive Training an der Kundenfront hat sich beim Branchenriesen offenbar ausgezahlt. Bei Umfragen der Vergleichsdienste Comparis und Moneyland belegte Helsana in puncto Kundenzufriedenheit jeweils Spitzenplätze. Das Beratungsunternehmen Deloitte zeichnete Helsana sogar als «fittesten Krankenversicherer 2026» aus.
Aber auch in anderen Feldern wusste Helsana zu gefallen, die eng mit der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens verknüpft sind: So führte der Krankenversicherer 2025 erstmals das Schweizer Gesamtranking von «Best Recruiter» an, für das über 450 Unternehmen analysiert wurden. Die Helsana+-App konnte den Swiss Loyalty Award 2025 als bestes Kundenbindungsprogramm der Schweiz einheimsen. Den 1. Rang gab es auch für den Helsana-Ratgeber «Allergien» als bestes Printerzeugnis beim «Best of Content Marketing»-Award, dem grössten Wettbewerb für inhaltsgetriebene Kommunikation im deutschsprachigen Raum. Die Investitionen in Mitarbeitende und Kundenzufriedenheit tragen also sichtbar Früchte.
Blick nach vorn: Gute Ausgangslage geschaffen
Ob es in diesem Tempo so weitergeht? So weit will sich Sonderegger nicht aus dem Fenster lehnen. Aber: «So viel kann man verraten, 2025 war mit Blick auf die Zielerreichung ein gutes Jahr», sagt Sonderegger und blickt voraus: «Die erfolgreiche Weiterführung und -entwicklung des Kerngeschäftes wird weiter im Fokus stehen». Dafür würden wichtige strategische Themen wie Service Excellence, Weiterentwicklung der Produktelandschaft, die neuen Themenfelder und das Unternehmensgeschäft vorangetrieben. Weitere Schwerpunkte seien zudem die Umsetzung des neuen ambulanten Arzttarifs (Tardoc) und die Vorbereitung auf die einheitliche Finanzierung der ambulanten und stationären Leistungen (Efas).
Da ist es sicherlich von Vorteil, dass mit dem ehemaligen Hirslanden-CEO Daniel Liedtke ein ausgewiesener Gesundheitsexperte seit Anfang Januar an der Spitze des Verwaltungsrats steht, der die Herausforderungen des Schweizer Gesundheitswesens aus verschiedenen Blickwinkeln bestens kennt.
Der Branchenleader Helsana hat sich also sowohl operativ wie auch strategisch eine gute Ausgangslage geschaffen, um in einem intensiven Wettbewerbsfeld weiterhin eine führende Rolle in der Schweiz zu spielen. Die strategischen Ziele bis 2030 sind gesetzt. In der Business-Realität ist es dabei aber wie im Sport: Auch die Grossen dürfen in ihrer Trainingsintensität nicht nachlassen, wenn sie an der Spitze bleiben wollen.

