Vor wenigen Wochen ist mit Calingo noch ein Digitalversicherer in den Markt eingetreten. Fürchten Sie weitere Konkurrenz?
Bernard El Hage: Wir bieten Insurance-as-a-Service-Lösungen an. Das heisst, wir agieren nicht mit einem eigenen Namen am Markt. Unsere Partner haben eine starke Kundenbasis, die sie direkt ansprechen können (u. a. Postfinance und Migros). Wir sprechen somit ganz andere Kundensegmente an. Darüber hinaus haben wir die letzten Jahre viel in unsere Plattform investiert, hier haben wir somit gegenüber zukünftiger White-Label-Konkurrenz einen gewissen Vorsprung. 

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Ihr Unternehmen Toni Digital erstellt «White-Label-Versicherungslösungen für die Zukunft». Bei einem White-Label-Produkt in der Nahrungsmittelbranche bleibt der Hersteller gemeinhin im Verborgenen, gilt das auch für den Versicherungssektor?
Wir wollen innovativen Unternehmen ermöglichen, ihren Kunden passgenaue und attraktive Versicherungslösungen anzubieten. So kann beispielsweise Postfinance ihren Kunden eine sehr gute und preisliche attraktive Autoversicherung anbieten. Wer die renommierten Versicherer sind, wird dabei stets transparent offengelegt, da die Kunden den Versicherungsvertrag ja jeweils mit dem Versicherer direkt eingehen. Dies garantiert volle Sicherheit für unsere Kunden und Partner. 

Kunden können jetzt Versicherungen bei der Migros kaufen. Die bereits im Mai angekündigte Zusammenarbeit mit der Migros auf der Vertriebsseite und Vaudoise Versicherungen im Background ist vor wenigen Tagen live gegangen. Was ist in den fünf Monaten dazwischen geschehen?
Migros Versicherungen ist seit Ende Mai live. Der Kunde kann somit seit Juni dieses Jahres Privathaftplicht- und Hausratversicherungen auf https://www.migros-versicherungen.ch abschliessen. Da wir theoretisch mit unserem System täglich Änderungen im Produktivsystem vornehmen können, wird die bestehende Lösung laufend optimiert. Aktuell liegt der Fokus auf Optimierung des Customer Journeys. Zukünftig werden wahrscheinlich auch weitere Produkte unter Migros Versicherungen angeboten werden.

«Ich würde sagen, der Start ist uns sehr gut gelungen.»

Wie ist das Angebot bislang von den Kunden angenommen worden?
Insgesamt haben wir sehr viel positives Feedback erhalten. Zur Einfachheit der Antragsstrecke, zur Integration mit Cumulus sowie auch zum Produkt an sich. Ich würde sagen, der Start ist uns sehr gut gelungen. 

Bislang fokussieren sich die meisten digitalen Versicherungsangebote auf einfach skalierbare Produktgruppen wie Motorfahrzeugversicherungen oder Hausrat und Haftpflicht. Was ist hingegen mit Lebensversicherungen? Sind diese zu komplex, um sie als einfache, transparente digitale Lösungen anbieten zu können? 
Nein, ich bin der Meinung, dass auch hier viel Potenzial für Innovationen und Verbesserungen besteht. Letztlich sind unsere Lösungen immer auch ein Zusammenspiel zwischen den Vertriebspartnern, dem Versicherer und uns. Je nachdem wo die Präferenzen liegen, priorisieren wir unsere Agenda. Aber es ist davon auszugehen, dass wir mit unseren Partnern bald auch Lösungen im Bereich Lebensversicherungen anbieten werden.

Die Corona-Pandemie scheint abzuflachen. Können Sie schon in konkreten Zahlen ausdrücken, wie stark sich durch die Pandemie die Nachfrage nach Versicherungen auf digitale Angebote verschoben hat? 
Der Verband Digitalversicherungen Schweiz (VDVS) schätzt, dass sich der Marktanteil an digitalen Versicherungsabschlüssen verdoppelt hat. Die Corona-Pandemie hat als Akzelerator für die Anzahl digitaler Versicherungsabschlüsse fungiert. Im Vergleich zum Agenturvertrieb oder zu Maklern ist das Potenzial aber noch immer gross. Vor uns liegt also noch viel Arbeit.

«Bei allem Wachstum ist die Rentabilität des Portfolios immer eine wichtige Grösse für die Steuerung des Unternehmens.»

Auf Ihrer Website zähle ich knapp dreissig Mitarbeitende und jede Menge noch offener Stellen. Erwirtschaftet Toni Digital bereits Gewinne? 
Letztlich ist das immer eine Frage der Strategie, die durch den Verwaltungsrat festgelegt wird. Aktuell liegt unser Fokus stark auf Kundengewinnung, Weiterentwicklung unserer Datenmodelle und Verbesserung der bestehenden Lösungen insbesondere in Hinsicht der Kundenfreundlichkeit. Aber bei allem Wachstum ist die Rentabilität des Portfolios immer eine wichtige Grösse für die Steuerung des Unternehmens. 

Bis wann ist die Finanzierung gesichert? 
Wir haben mit der Postfinance und der Credit Suisse sowie weiteren Partnern sehr starke und potente Gesellschaften in unserem Umfeld, die an einer langfristigen Strategie interessiert sind. Daher ist die Finanzierung und somit auch das Wachstum langfristig gesichert.

Sind neue Finanzierungsrunden/Partner/Beteiligungen geplant?
Wir werden nächstes Jahr unsere Versicherungslösungen auch im Ausland anbieten. Je nachdem wie gross dieser Schritt ausfällt, kann eine weitere zusätzliche Finanzierung sinnvoll sein. 

Zum Schluss eine persönliche Frage. Mich irritiert der Name «TONI Digital» immer noch. Wie kam das Unternehmen zu diesem Namen?
Die Antwort ist ganz einfach. Der Arbeitstitel des Projektes lautete «Totally New Insurance», einfachheitshalber Toni …

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