Im Schweizer Gesundheitswesen gibt es Spielraum für Kostensenkungen. Zahlreiche Fehlanreize laufen dabei medizinischen und gesamtökonomischen Interessen teilweise zuwider. Doch bis jetzt geschehen ist: wenig. 

Seit Monaten diskutieren National- und Ständerat diverse Massnahmenpakete zur Dämpfung der Gesundheitskosten und damit auch der Krankenkassenprämien in der Grundversicherung. Während der Nationalrat dem ersten Massnahmenpaket «die Zähne zog», liess die gesamte Gesundheitsbranche am zweiten Paket in der Vernehmlassung kein gutes Haar. 

Autor:
Dr. Thomas J. Grichting
ist Mitglied der Generaldirektion und Generalsekretär des Versicherers Groupe Mutuel sowie Vizepräsident von Santésuisse.

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Zu befürchten ist, dass am Schluss nicht mehr viel von der ursprünglichen Absicht erkennbar sein wird. So viel steht heute schon fest: Ein wirkungsvoller und nachhaltiger Einfluss auf die Höhe der Krankenversicherungsprämien sieht anders aus. 

Es scheint, als hätte die Politik im Dschungel der Massnahmen längst den Überblick über die Pakete und Teilvorlagen verloren. Dabei läge eine einfache und wirkungsvolle Kostendämpfungsmassnahme schon seit Jahren auf dem Tisch. 

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Wirksame Lösung: Einheitliche Finanzierung 

Es handelt sich um die Vorlage zur einheitlichen Finanzierung der ambulanten und stationären Leistungen, kurz EFAS. Dank wenigen Fehlanreizen führt sie zu konkreten Kosteneinsparungen, welche auch Herr und Frau Schweizer in ihrem Portemonnaie verspüren werden. 

Die Vorlage des Nationalrats wäre einfach umsetzbar und wirksam. Doch nachdem schon der Nationalrat rund acht Jahre für die Beratung gebraucht hat, liegt die Vorlage nun beim Ständerat brach.

Auch wenn schon mehrmals traktandiert und diskutiert, so hat die Kommission des Ständerates auch anderthalb Jahre nach der Verabschiedung durch den Nationalrat immer noch nicht mit der Detailberatung begonnen. 

Prämienzahler sparen Hunderte Millionen

Dabei würde EFAS die Krankenkassen-Prämienzahler mittel- und langfristig um mehrere 100 Millionen Franken im Jahr entlasten. Gleichzeitig fördert die Vorlage die sachgerechte medizinische Versorgung im Land. 

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Wie notwendig eine rasche Umsetzung von EFAS ist, zeigt ein Blick auf die verfehlten Anreize im heutigen Gesundheitssystem. Dass medizinische Eingriffe, wenn möglich ambulant, das heisst ohne Übernachtung in einem Spital, vorgenommen werden, wird von Patientenseite begrüsst. Gleichzeitig sind ambulante Behandlungen kostengünstiger und entlasten so unser Gesundheitssystem, das zu den teuersten weltweit gehört.

Ohne EFAS wird es teuer

Diese sinnvolle Verlagerung von Eingriffen geht jedoch zu Lasten der Prämienzahler. Denn die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) übernimmt im heutigen System 100 Prozent der Kosten für ambulante medizinische Eingriffe. Die Kantone beteiligen sich mit 55 Prozent einzig und allein an den Kosten für stationäre Behandlungen in einem Spital oder einer Klinik. Durch die Verlagerung von stationär zu ambulant können die Kantone gemäss einem Bericht des Eidgenössischen Departementes des Innern bis 2030 Kosten in der Höhe von 1,4 Milliarden Franken an die Prämienzahler überwälzen. Das will niemand. Deshalb sieht EFAS vor, dass sich die Kantone mit einem Anteil von rund 25 Prozent an allen medizinischen OKP-Leistungen beteiligen.

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Es ist an der Zeit, EFAS endlich voranzutreiben. Nur die einheitliche Finanzierung treibt einerseits die sinnvolle Entwicklung der Ambulantisierung voran und liefert anderseits Anreize zur integrierten Versorgung. Dank EFAS können Kosten gespart und gleichzeitig alle Patienten adäquat und medizinisch sinnvoll versorgt werden.  Neben den Themen der Qualität und der Tarifierung ist EFAS die wichtigste systemische Vorlage für die Zukunft des Schweizer Gesundheitswesens. 

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