Noch nicht im Metaverse, aber dennoch spannend: die vielfältigen Aus- und Weiterbildungen in der Versicherungsbranche finden Sie in unserem Überblick «Aus- und Weiterbildung in der Assekuranz».

Viele Dozierende wirtschaftsnaher Weiterbildungen haben diese Erfahrung längst gemacht: Die Aufmerksamkeit der Studierenden gilt ihnen nur noch teilweise. Im normalen Front-Unterricht nutzen die meisten Studierenden parallel ihre Tablets und Notebooks für ergänzende Notizen sowie ihre Handys für die ebenso unverzichtbare Kommunikation mit der Aussenwelt.

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Metaverse-Unterricht ist naheliegend

Der Schritt in Richtung immersiven Metaverse-Unterricht erscheint dann nur noch klein – und tatsächlich bestehen hier, im Gegensatz zum virtuellen Immobilienhandel oder zum Geschäft mit digitalen Designer-Handtaschen, auch langfristig grosse kommerzielle Potenziale. Denn mit Homeoffice haben sich viele Menschen an die virtuellen Interaktions- und Austauschformen gewöhnt. Umständliches Reisen ist oft verzichtbar.

Zudem vermittelt eine Reihe coole Computerspiele bereits heute die Vorteile immersiver Erfahrungen. Und spielerisches Lernen, in Kombination mit sozialen Interaktionen, ständigen Herausforderungen wie kleineren Zwischentests und einer gewissen Zufalls- und Überraschungskomponente, ist anderen Lernformen in vielen Bereichen überlegen. Denn die Pannen und Fehler, die in simulierten virtuellen Welten erfolgen, bleiben auch dort – wie jeder Pilot nach dem Flugsimulatorentraining bestätigen kann.

Herausforderungen auf dem Weg zum immersiven Klassenzimmer

Auf dem Weg zum immersiven Klassenzimmer warten noch einige Herausforderungen: Zunächst müssen Weiterbildungsinhalte und -strukturen angepasst werden. Präsentations-Slides haben zukünftig andere, eher dokumentarische und enzyklopädische Funktionen. Auch werden die Prozesse, die bisher linear angelegt sind, vielfältiger und individueller. Der US-MBA-Anbieter Quantic etwa steuert die Unterrichtseinheiten, Wiederholungen, Vertiefungen, die Tests und die Interaktion zwischen Lernenden und Dozierenden über ein eigens entwickeltes Computersystem.

Auch die Abschlussprüfungen und Präsentationen werden sich verändern – wenn sie nicht zu einem Wettbewerb um die Nutzung von Deep-Fake- und Big-Data-Technologien verkommen sollen.

Dozierende steuern Aufmerksamkeit

Offen ist die Frage, was aus den Dozierenden wird. Sie könnten zwar im Metaverse – von künstlicher Intelligenz gesteuert – zukünftig ihre Avatare arbeiten lassen. Naheliegender ist indes eine andere Rolle: Sie werden zu Coaches in Richtung Aufmerksamkeitssteuerung. Damit die Studierenden wenigstens mit ihren eigenen Avataren im virtuellen Klassenzimmer bleiben.

Dieser Artikel ist unter dem Titel «Der virtuelle Klassenraum» erstmals erschienen in der Handelszeitung vom 18. August 2022.